Nun auch in Andwil: Gemeinde zahlt Babysitter während Bürgerversammlung

Um mehr Eltern an die Bürgerversammlung zu locken, will die Gemeinde Babysitterkosten übernehmen. 

Fabio Fornito
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Die Schulgemeinde Andwil-Arnegg beteiligt sich dieses Jahr an allfälligen Babysitterkosten während der Bürgerversammlung.

Die Schulgemeinde Andwil-Arnegg beteiligt sich dieses Jahr an allfälligen Babysitterkosten während der Bürgerversammlung.

Bild: Getty

Wenn sich am 30. März in Andwil die Schulbürger zur jährlichen Bürgerversammlung treffen, bringen Babysitter überall in der Gemeinde die Kinder ins Bett. Das ist zumindest die Vision des Schulrats Andwil-Arnegg. Dieser bietet darum erstmals an, einen Beitrag an allfällige Babysitterkosten für den Abend zu zahlen. So will der Schulrat Eltern mit Kleinkindern die Möglichkeit geben, an der Bürgerversammlung teilzunehmen, anstatt sich zu Hause um den Nachwuchs kümmern zu müssen.

Bürgerversammlungen sind oft nur schlecht besucht

Laut dem Schulratspräsidenten Christoph Meier-Meier sind es ebendiese Eltern, die bei Anlässen oft unterdurchschnittlich vertreten sind. «Dabei betreffen solche Versammlungen gerade diese am meisten, da dabei die Weichen für die Zukunft ihrer Kinder gestellt werden.» Um diesem Problem entgegenzutreten, begab sich der Schulrat Andwil-Arnegg auf die Suche nach einer Lösung. Findig wurde er in Rorschacherberg, wo bereits an der letztjährigen Bürgerversammlung ein Beitrag an die Babysitterkosten bezahlt wurde.

25 Franken pro Familie

Die Schulgemeinde Andwil-Arnegg hat das Konzept nun adaptiert. Dieses funktioniert folgendermassen: Ein Elternpaar organisiert sich einen Babysitter für den Abend, an dem die Versammlung stattfindet, und bewahrt die Quittung auf. Diese kann dann zusammen mit der eigenen Bankverbindung ans Kassieramt der Schulgemeinde geschickt werden, welches einen Pauschalbetrag von 25 Franken pro Familie auf das Konto überweist. Dies gilt allerdings nur für Familien mit Kindern bis zur 3. Klasse.

Familien, die noch einen Babysitter suchen, empfiehlt der Schulrat die Babysittervermittlung der Fanegg Andwil-Arnegg. Diese führe dazu eine Liste. Ob es gelingt, dadurch mehr Elternpaare zu animieren, an der Versammlung teilzunehmen, wird sich zeigen.

«Das Projekt ist in erster Linie ein Test»,

sagt Meier. Es sei wichtig, so viele Personen wie möglich dazu zu bringen, an der Schulbürgerversammlung teilzunehmen.

Die tiefe Beteiligung an Bürgerversammlungen ist in vielen Gemeinden ein leidiges Thema. Jüngere Personen, vor allem Eltern, bleiben der jährlich stattfindenden Versammlung oftmals fern. Die Stimmbeteiligung ist in den allermeisten Gemeinden in den letzten drei Jahrzehnten kontinuierlich gesunken – nicht nur im Kanton St.Gallen, sondern überall in der Schweiz.

Positives Fazit trotz geringer Nutzung in Rorschacherberg

Um den Anlass für Elternpaare attraktiver zu machen, bieten viele Kommunen mittlerweile einen Kinderhütedienst vor Ort an. Rorschacherberg ging vor einem Jahr mit dem Konzept der Beteiligung an den Babysitterkosten aber noch einen Schritt weiter. Die Gemeinde zog ein positives Fazit, auch dieses Jahr plant die Gemeinde, den Service anzubieten. Das, obwohl man dadurch keinen spürbaren Teilnehmeranstieg verzeichnen konnte. Laut Philipp Hengartner, Gemeinderatsschreiber in Rorschacherberg, haben drei Familien das Angebot genutzt. «Die Teilnehmeranzahl hängt vor allem von der Brisanz der diskutierten Angelegenheiten ab und in den letzten Jahren waren keine heissen Themen dabei», so Hengartner.

Die Erfahrungen aus der Seegemeinde lassen erahnen, dass eine Beteiligung an den Babysitterkosten eine laue Schulbürgerversammlung nicht selbstständig in einen gutbesuchten Anlass verwandeln kann. Dass die Gemeinde Rorschacherberg Eltern trotzdem nochmals unterstützen wird, liegt gemäss Hengartner am geringen verursachten Aufwand. Ob neben Andwil-Arnegg noch andere Schulgemeinden nachziehen werden, wird die Zukunft zeigen.