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46 Stundenkilometer zu schnell: Autofahrer wehrt sich vergeblich gegen Busse

Die Polizei hat auf der Autobahn einen Alfa Romeo geblitzt, der 46 Stundenkilometer zu schnell unterwegs war. Dessen Besitzer wollte die Verantwortung dafür nicht übernehmen. Das Gericht glaubte ihm nicht.
Claudia Schmid
Der Beschuldigte wurde mit überhöhtem Tempo geblitzt. (Bild: Ralph Ribi)

Der Beschuldigte wurde mit überhöhtem Tempo geblitzt. (Bild: Ralph Ribi)

An einem Sonntag im Februar 2016 geriet der Personenwagen des Beschuldigten kurz vor 20 Uhr in eine Radarfalle. Die Auswertung der Blitzaufnahme ergab eine Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit von nicht weniger als 46 Stundenkilometer. 120 Kilometer pro Stunde wären auf dem Streckenabschnitt der Autobahn erlaubt gewesen.

Die erste Instanz sprach den 57-jährigen Schweizer der groben Verkehrsregelverletzung schuldig. Dafür verurteilte es ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 130 Franken und zu einer Busse von 1300 Franken. Dies wollte der Autobesitzer nicht akzeptieren und gelangte mit einer Berufung an die zweite Instanz. Das geblitzte Auto gehöre sehr wohl ihm, doch sei er es am fraglichen Sonntagabend nicht gefahren, betonte er vor dem Kantonsgericht St. Gallen. Für ihn sei der Wagen ein Gebrauchsgegenstand, der von vielen in seinem Umfeld – ohne um Erlaubnis zu fragen – gefahren werden dürfe. Verwandte und Bekannte wüssten, dass sie den Wagen jederzeit nehmen könnten. Der Autoschlüssel befinde sich an einem für jeden zugänglichen Ort in seiner Wohnung. Weil es so viele seien, wisse er auch nicht, wer sich den Wagen an jenem Sonntag ausgeliehen habe.

Richter stellt skeptische Fragen

Der vorsitzende Richter zeigte sich in der Befragung skeptisch. Ob denn alle Verwandten und Bekannten kein eigenes Auto hätten, ob er den Wagen nicht selber zum Arbeiten gebraucht habe und ob im Mehrfamilienhaus tatsächlich alle Türen immer unverschlossen gewesen seien, damit die Leute sich den Autoschlüssel hätten holen können, lauteten einige der Fragen.

Ein Teil seiner Verwandten und Bekannten habe selber ein Auto, doch eher ein kleines. Und so hätten sie sich gerne den Alfa Romeo ausgeliehen, um ab und zu einen schnelleren Wagen zu fahren, erklärte der Mann. Der Zugang zu seiner Wohnung sei tatsächlich immer frei, er schliesse die Türe nie ab. Er brauche den Wagen natürlich auch zum Arbeiten, doch sei er ja nicht permanent ausgeliehen gewesen. Es sei sehr unterschiedlich vorgekommen, etwa drei bis zwanzig Mal im Jahr. Er habe aber aus der ganzen Sache gelernt und leihe sein Auto nun nicht mehr aus.

Der Richter hielt dem Beschuldigten schliesslich vor, die Vorinstanz habe eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihm und dem Mann auf dem Foto aus der Radarfalle erkannt. Er könne auf dem verschwommenen Bild mit bestem Willen niemanden erkennen, erwiderte der Beschuldigte. Mit Sicherheit wisse er, dass er nicht abgebildet sei, da er zu jenem Zeitpunkt zu Hause gearbeitet habe. Dies belege eine Rechnung, die er für einen Kunden ausgestellt habe. Er arbeite oft und gerne am Wochenende.

Zweifel an Version des Autobesitzers

Es mute seltsam an, dass er die Rechnung nicht von vornherein, sondern erst spät als Beweis eingereicht habe, wandte der Richter ein. Eigenartig erscheine zudem, dass man tatsächlich in der heutigen Zeit die Wohnungs- und Haustüre permanent nicht abschliesse, zumal in dem Mehrfamilienhaus noch andere Leute wohnten. Auch die Vorinstanz habe die Einwände des Beschuldigten als unglaubwürdige Schutzbehauptungen taxiert.

Der Verteidiger forderte einen Freispruch von Schuld und Strafe. Die Untersuchungsbehörden und die Vorinstanz hätten sich darauf beschränkt, seinem Mandanten Schutzbehauptungen zu unterstellen. Fakt sei, dass der Beschuldigte auf dem Foto aus der Radarfalle nicht zu erkennen sei.

Für das Kantonsgericht St. Gallen war die Sachlage klar. Es wies die Berufung ab und schützte damit den Entscheid der Vorinstanz. Die Kosten des Verfahrens von 2400 Franken muss der Beschuldigte bezahlen.

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