Nach Unfall auf der Stadtautobahn: Verurteilter Autofahrer blitzt mit Einsprache vor Kreisgericht ab

Ein Autofahrer wurde nach einem Unfall auf der Stadtautobahn zu einer Busse verurteilt. Das wollte der Mann nicht auf sich sitzen lassen, ist er doch von seiner Unschuld überzeugt. Das St.Galler Kreisgericht hat zwar die Busse reduziert, den Schuldspruch aber bestätigt.

Claudia Schmid
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Das Kreisgericht St.Gallen hat die Busse gegen den Autolenker zwar reduziert. Trotzdem fällte der Einzelrichter Schuldsprüche im Sinne der Angeklagte.

Das Kreisgericht St.Gallen hat die Busse gegen den Autolenker zwar reduziert. Trotzdem fällte der Einzelrichter Schuldsprüche im Sinne der Angeklagte.

Bild: Hanspeter Schiess

Ein 32-jähriger Schweizer hatte von der St.Galler Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl erhalten. Darin wurde er wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln und Führens eines Motorfahrzeuges in nicht betriebssicherem Zustand zu einer Busse von 400 Franken verurteilt. Zudem sollte er 550 Franken für Gebühren und besondere Auslagen zahlen. Grund für den Strafbefehl war eine Kollision auf der Autobahn, in die der Autolenker verwickelt war.

Gegen diesen Entscheid der Staatsanwaltschaft erhob der Beschuldigte Einsprache, weshalb sich das Kreisgericht St.Gallen mit dem Fall beschäftigen musste. Er fühle sich für die Kollision auf der Autobahn nicht verantwortlich und sei überzeugt, dass er sich nach dem Unfall richtig verhalten habe, begründete er den Weiterzug des Strafbefehls.

Autolenker wollte nicht auf Pannenstreifen halten

Vor dem Einzelrichter schilderte er, was sich an einem Montagmittag bei der Autobahnausfahrt Winkeln ereignet hatte. Er sei auf der Normalspur von Gossau Richtung St.Gallen unterwegs gewesen, als das Fahrzeug vor ihm stets etwas mehr nach rechts gefahren sei. Damit habe der Lenker den Eindruck vermittelt, er werde die Ausfahrt nach Winkeln nehmen.

Stattdessen blieb der Wagen auf der Normalspur, weshalb der Beschuldigte kontinuierlich nach links in Richtung Überholspur fuhr. Dabei übersah er, dass hinter ihm ein Lieferwagen mit Transportanhänger beim Überholen war. Es kam zu einer Kollision, bei der die linke Vorderhälfte des Personenwagens den Anhänger touchierte. Der Lieferwagenfahrer fuhr weiter und auch der Beschuldigte lenkte sein beschädigtes Auto rund sieben Kilometer weiter bis an die Lindenstrasse in St.Gallen. Dort rief er die Polizei.

Er habe nach der Streifkollision nicht auf der Autobahn anhalten wollen, weil das seines Erachtens viel zu gefährlich sei, begründete der Autolenker sein Verhalten. Man höre immer wieder, dass selbst auf den Pannenstreifen schlimme Unfälle passierten. Deshalb habe er sich und sein Auto aus der Gefahrenzone bringen wollen. Ausserdem sei sein Wagen ja noch gefahren und habe sich deshalb nicht – wie vorgeworfen – in fahruntüchtigem Zustand befunden. Schuld am Unfall sei für ihn klar der Lenker des Personenwagens, der zunächst immer mehr nach rechts gefahren sei, dann aber die Ausfahrt doch nicht genommen habe.

Richter weist auf Abstandsregel hin

Der Einzelrichter fällte Schuldsprüche im Sinne der Anklage. Im Strassenverkehr gelte die Regel, dass man Abstand halten müsse, um bremsen zu können, wenn etwas Unerwartetes passiere, erklärte er dem Beschuldigten. Weil er dies nicht getan habe, sei der relativ abrupte Wechsel auf die Überholspur erfolgt, ohne zu beachten, dass ein vortrittberechtigtes Fahrzeug von hinten nahe.

Durch die Streifkollision mit dem Anhänger des Lieferwagens sei der Personenwagen auf der Seite erheblich beschädigt worden. Teile der Seitentüre seien durchgehangen und der Kotflügel erheblich verbogen. Dadurch sei das Auto eben nicht wie vom Lenker behauptet in betriebssicherem Zustand gewesen und habe für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefahr dargestellt.

Die Busse senkte der Einzelrichter von 400 auf 300 Franken, da es sich um kein schweres Verschulden gehandelt habe und beim Beschuldigten eine gewisse Einsicht zu erkennen sei. Die Kosten des Gerichtsverfahrens muss der Autolenker bezahlen. Sie betragen insgesamt 1250 Franken.