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Kommentar

Goldach und Rorschach zahlen jeweils rund zwei Millionen Franken für den «Autobahnanschluss Plus»: Ein Ja wäre für alle besser

Es bahnt sich eine Lösung im «Autobahnanschluss Plus»-Streit an. Ein Nein wäre nicht nur fatal für Goldach.
Rudolf Hirtl

Gemäss dem Bundesamt für Strassen ist die Strecke zwischen Buriet/Thal und Meggenhus/Mörschwil der längste Autobahnabschnitt zwischen zwei Autobahnanschlüssen in der Deutschschweiz. Das Ergebnis dieser «Fehlplanung» in den 1960er-Jahren erleben Pendler aus der Region Rorschach Tag für Tag, wenn sie sich durch den stockenden Berufsverkehr quälen. Die während beinahe 30 Minuten pro Stunde geschlossenen SBB-Barrieren tragen das Ihre dazu bei.

Nun bahnt sich eine Lösung an. Der Kanton St.Gallen hat mit den Gemeinden Goldach, Rorschach und Rorschacherberg das Vorprojekt für die Kantonsstrasse zum See erarbeitet. Das Gesamtprojekt «Autobahnanschluss Plus» sieht auch einen neuen Autobahnanschluss vor. Dieser soll den Verkehr an den Portalen Industriestrasse Rorschach, Hohrain und an den Knoten Blumenfeldstrasse/Klosterstrasse sowie Pestalozzistrasse abholen und zügiger auf die A1 bringen.

Die Ausgangslage

(rtl) Das Gesamtprojekt «Autobahnanschluss Plus» soll rund 315 Millionen Franken kosten und wird grossteils durch Kanton und Bund finanziert. Das Projekt umfasst den neuen Autobahnanschluss Witen in Goldach (108 Millionen Franken), eine neue Kantonstrasse zum See (166 Millionen Franken) und Begleitmassnahmen (40 Millionen Franken).

Bei der Abstimmung vom Sonntag, 17. November, geht es um den Anteil der Gemeinden an der Kantonsstrasse. Goldach und Rorschach beteiligen sich daran mit je 2,125 Millionen Franken. Rorschacherberg hat bereits an der Bürgerversammlung 1,5 Millionen genehmigt. Ein Nein in Rorschach oder Goldach würde das gesamte Projekt bodigen, die für den Verkehr zweckgebundenen Gelder aus dem Agglomerationsfonds würden für ein anderes Verkehrsprojekt in der Schweiz verwendet.

Die Regionalparteien von CVP, FDP, SVP, der Arbeitgeberverband Rorschach und Umgebung sowie die Gewerbevereine der drei Gemeinden sprechen sich für ein Ja aus. Die Nein-Parole hat die SP gefasst. Die Grüne Partei bezeichnet den Anschluss als unnötig.

Darf in der heutigen Zeit, wo die Jugend zu Recht aktiven und wirkungsvollen Klimaschutz einfordert, überhaupt noch über den Bau neuer Strassen nachgedacht werden? Ja. Aber nur, wenn parallel dazu dem Langsamverkehr und dem Öffentlichen Verkehr mindestens dieselbe, wenn nicht sogar die grössere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Entlang der Nationalstrassen sollen dafür bis zu 160 Schnellladestationen entstehen

Wer in der Region Rorschach lebt und nach St.Gallen, Wil oder noch weiter weg mit dem Auto statt mit Zug oder Bus zur Arbeit fährt, der ist selber schuld, wenn er im Stau steht. Das stimmt zweifellos. Und doch gibt es Berufstätige, die auf ihr Fahrzeug angewiesen sind. Ausserdem bewirken Wunschdenken und der Appell an die menschliche Vernunft allein noch keine leere Strassen.

Auch die Aussicht, dereinst mit E-Autos oder selbstlenkenden Fahrzeugen unterwegs sein zu können, reduziert den Verkehr nicht. In der Schweiz betrug 2017 der Marktanteil neu zugelassener reiner Elektroautos magere 1,6 Prozent – dies entspricht weniger als 5000 Wagen. Im Jahr 2018 hat der Anteil gemäss Statistik etwa auf diesem Niveau stagniert. Bund und Kantone wollen den Anteil der E-Autos bei Neuzulassungen allerdings auf 15 Prozent erhöhen.

Entlang der Nationalstrassen sollen dafür bis zu 160 Schnellladestationen entstehen. Das Wachstum in diesem Markt ist also vorprogrammiert, zumal laut einer Studie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Käufer eines umweltfreundlichen Produktes dazu neigen, dieses häufiger zu benutzen. Man kann es also drehen und wenden wie man will, auch in der Region Rorschach wird der Verkehr weiter zunehmen.

Für Goldach ist diese Entwicklung besorgniserregend

Der Gemeinderat Goldach hat auf diese sich anbahnende Entwicklung reagiert und lässt die Mühlegutstrasse bis zur Untereggerstrasse verlängern, wobei die neue Strasse unter der Bahnlinie hindurch geführt wird. Dieser «Zwilling» zur Hauptstrasse soll ab Herbst des kommenden Jahrs die Schlangen vor der Barriere im Zentrum vermeiden.

In Rorschach hätte parallel dazu die Unterführung Bäumlingstorkel realisiert werden sollen. Ein Rechenfehler des planenden Ingenieurbüros hat die Kosten aber derart in die Höhe getrieben, dass über das Projekt nochmals abgestimmt werden muss. Diese Abstimmung wird frühestens 2020 stattfinden, weil Stadtpräsident Thomas Müller dieses Dossier in die Hände seines Nachfolgers Röbi Raths übergeben wird. Ob die Unterführung tatsächlich gebaut wird, hängt also vom Goodwill der Stimmbürger ab. Auch bei einer nochmaligen Zustimmung wird es Jahre dauern, ehe auch Rorschach über eine Unterführung verfügt.

Für Goldach ist diese Entwicklung besorgniserregend. Schon jetzt leidet die Gemeinde unter der Verkehrslawine. Nach Eröffnung der Mühlgutstrasse wird der Verkehr weiter zunehmen, weil es für hiesige Strassenbenützer die einzige Möglichkeit sein wird, das Warten an einer der Barrieren zu vermeiden. Bauliche Massnahmen, welche die Durchfahrt unattraktiv machen, werden daran wenig ändern.

Umso wichtiger also, dass die neue Kantonsstrasse zum See samt A1-Anschluss möglichst rasch realisiert wird, damit der Verkehr auf kürzestem Weg auf die Autobahn geleitet wird. Es darf nicht sein, dass Goldach die Last der Pendlerströme alleine tragen muss. Ausserdem ist der Bus-Taktfahrplan mittelfristig nur gewährleistet, wenn die Zentren vom Verkehr entlastet werden.

Ein Nein wäre nicht nur fatal für Goldach. Eine Ablehnung würde auch die Entwicklung der «Stadt am See» empfindlich bremsen, denn der Autobahnanschluss ist ein wichtiges Teil in diesem Puzzle.

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