AUSSTELLUNG
Fürs Jubiläum vom Keller ans Rampenlicht: St.Galler Museum zeigt seine Highlights

In seiner neuen Ausstellung zeigt das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen seine Schätze: Die seltensten, kleinsten, wertvollsten, schönsten, gruseligsten, überraschendsten und lustigsten Stücke aus der Sammlung. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen ihren Favoriten vor.

Diana Hagmann-Bula
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Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des HVM mit ihren Lieblingsobjekten: Jolanda Schärli, Jeanne Fichtner, Monika Mähr und Peter Müller (von links oben im Uhrzeigersinn).

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des HVM mit ihren Lieblingsobjekten: Jolanda Schärli, Jeanne Fichtner, Monika Mähr und Peter Müller (von links oben im Uhrzeigersinn).

Bilder: Ralph Ribi

Jolanda Schärli, Kulturvermittlerin

Herkunft: St. Galler Sittertobel
Alter: um 1900
Quelle: Leihgabe
Im HVM: seit2019

«Normalerweise haben Archäologinnen und Archäologen mit uralten Sachen zu tun. Dieses Stück aus dem Industriezeitalter zeigt, dass das nicht immer so ist. Es sieht aus wie eine Maske, ist aber ein Teil einer Maschine, wie erste Abklärungen ergeben haben. Ein Schüler hat es 2019 im Sittertobel gefunden und bei uns abgegeben. In der aktuellen Ausstellung werden die Besucher auch zu Forschern. Wir fragen sie, was es sein könnte. Vielleicht kann uns jemand helfen.»

Jeanne Fichtner, Kuratorin Weltkulturen

Herkunft: Japan
Alter: um 1700
Quelle: Schenkung
Im HVM seit: 1932

«Diese Hängerolle ist in der Art der Darstellung ein Vorläufer der späteren bekannten Farbholzschnitte. Die Malerei verdeutlicht, welche Mode damals angesagt war und was als schön galt. Die europäische Kunst zeigte den Körper vor allem nackt. In japanischen Darstellungen verschwindet die Frau hingegen unter mehrlagigen Gewändern. Die Aufmerksamkeit liegt auf Mustern und Schnitten der Stoffe der Kanbun-Zeit. Hängerollen wie diese sind sehr selten.»

Monika Mähr, Kuratorin Kulturgeschichte

Herkunft: Oberriet
Alter: um 1890
Quelle: Ankauf
Im HVM seit: 1932

«Das Hochrad besass im Vergleich zum Velo weder Luftreifen noch einen übersetzten Antrieb. Doch die Menschen kamen damit schnell vorwärts. Das Velo war das erste Fortbewegungsmittel, das Frauen selber bedienen konnten. Für mich wäre das Hochrad mehr Hindernis gewesen als Befreiung. Es braucht akrobatisches Talent. Aus Sicherheitsgründen steige ich nicht auf und erhalte das einzigartige Zeugnis der Verkehrsgeschichte lieber für die Nachwelt.»

Peter Müller, Provenienzforscher

Herkunft: St. Gallen
Alter: 1656
Quelle: Ankauf
Im HVM seit: 1926

«Was wären die Kaufleute in der St. Galler Leinwandzeit ohne Boten gewesen? Nicht viel. In der heutigen Zeit der elektronischen Kommunikation geht oft vergessen, wie früher kommuniziert wurde. Dieses Glasgemälde zeigt Lorenz Ruosch, ab 1635 St. Gallens Bote für Nürnberg. Er sitzt zu Pferd, die Botentasche und ein Posthorn umgehängt. Für die 350 Kilometer lange Strecke hat er fünf Tage gebraucht. Erstaunlich wenig, wie ich finde.»

Die Jubiläumsausstellung

100 Jahre alt ist das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen. Da kommt einiges zusammen: 70 000 Stücke umfasst die Sammlung des Hauses. Für die am Freitag eröffnete Jubiläumsausstellung «Entdeckungen» haben die Kuratoren hundert Highlights ausgewählt. Im abgedunkelten Eingang liegt eine Schwertklinge aus dem Spätmittelalter, daneben das Protokoll jener Sitzung von 1862, an der beschlossen wurde, eine Museumssammlung ins Leben zu rufen. Nun werden die Besucher selber zu Forscherinnen und Forschern. Interessiert das Seltene oder Gruselige, das Wertvolle oder Lustige? Jeder Entscheid führt durch eine andere Türe. Zu entdecken sind etwa ein Werbe-Kinderspiel der Firma Maggi, ein Amazonas-Papageienkleid für Totenfeiern und ein Militärguetzli der Bourbaki-Armee, das überdauert hat, obwohl die Soldaten fast hungerten. Das älteste Stück: ein 50 000 Jahre alter Feuerstein aus der Zeit der Neandertaler. Das teuerste Stück: eine Kraftfigur aus dem Kongo. Zwei Millionen Versicherungswert soll sie haben.

www.hvmsg.ch