Das neue Hallenbad in Gossau wird ohne Aussenbecken projektiert: Stimmberechtigte versenken Initiative überraschend deutlich

Die Parteispitzen akzeptieren den Volksentscheid. Schon ab Montag soll die Planung für das neue Hallenbad im Buechenwald vorangetrieben werden.

Daniel Wirth
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Jetzt kann bei der Planung fürs Hallenbad weitergemacht werden.

Jetzt kann bei der Planung fürs Hallenbad weitergemacht werden.

Illustration: PD

Es wurde mit einem knappen Entscheid gerechnet bei der Abstimmung über die Initiative «Pro Volksabstimmung Aussenbecken Hallenbad» der IG Sport. Das Verdikt am Sonntag ist aber deutlich ausgefallen: Mit 2603 Nein- zu 1891 Ja-Stimmen lehnten die Gossauerinnen und Gossauer das Volksbegehren ab. Die Stimmbeteiligung lag bei 38 Prozent.

Planungskredit Aussenbecken Gossau

Stimmbeteiligung: 37,7 %
ja
nein
01000200030004000

Das Abstimmungsergebnis spiegelt ziemlich genau den Entscheid des Gossauer Stadtparlaments, das die Initiative mit 16 zu 13 Stimmen gegen den Willen des Stadtrates im März dieses Jahres abgelehnt hatte. Stadträtin Gaby Krapf, Vorsteherin des Ressorts Bau, Umwelt, Verkehr, sagt, sie habe einen knapperen Ausgang der Abstimmung erwartet.

Stadträtin Gaby Krapf

Stadträtin Gaby Krapf

Sie könne dem Resultat dann etwas Positives abgewinnen, falls der Umweltgedanke dessen Auslöser gewesen sei. Und sie hoffe, dieser Umweltgedanke werde sich bei nächsten Abstimmungen ebenfalls durchsetzen. So oder so, sagt Krapf: «Ab morgen können wir bei der Planung für das neue Hallenbad im Gebiet Buechenwald Vollgas geben.»

Die SP will wie der Stadtrat, dass es jetzt vorwärtsgeht

Ins gleiche Horn stösst auch Ruedi Blumer, Präsident der SP Gossau-Arnegg: «Jetzt ist das Gezerre um diesen Nebenschauplatz erledigt.» Jetzt gelte es, nach vorne zu schauen, jetzt müsse es endlich vorwärtsgehen mit der Projektierung der ersten Etappe des Masterplans im Gemeinde-Sportanlagenkonzept (Gesak).

Ruedi Blumer, Präsident der SP Gossau-Arnegg.

Ruedi Blumer, Präsident der SP Gossau-Arnegg.

Urs Bucher

Es gebe in der Stadt Gossau schon viele Projekte, die verzögert würden. Jetzt sei es wichtig, dass Gossau mit vereinten Kräften vorankomme, sagt Blumer. Die SP hatte sich im Vorfeld der Abstimmung für die Annahme der Initiative ausgesprochen.

Das tat auch die CVP. Präsidentin Ruth Lehner sagt, den Volksentscheid gelte es zu akzeptieren. Auch die Christlichdemokratin ist überrascht von der Deutlichkeit des Abstimmungsergebnisses. Sie denkt, dass der Umweltgedanke und die aktuellen Diskussionen über den Klimawandel zur klaren Ablehnung beigetragen haben. Im Abstimmungskampf haben die Gegner des Aussenbeckens immer wieder ins Feld geführt, ein solches verbrauche viel Energie und belaste deswegen die Umwelt.

Ruth Lehner, Präsidentin der CVP.

Ruth Lehner, Präsidentin der CVP.

Michel Canonica

Zum anderen, sagt Lehner, hätten die Stimmberechtigten auf die Sparbremse gedrückt. Und drittens, sagt Ruth Lehner selbstkritisch: «Uns ist es nicht gelungen, die Stimmberechtigten davon zu überzeugen, dass mit dem 90000-Franken-Kredit die Faktenlage hätte überprüft werden sollen und ein Ja zum Projektierungskredit nicht automatisch ein Ja zum Aussenbecken bedeutet hätte.»

Etwas weniger differenziert als Ruth Lehner äusserte sich am Sonntag ihr Parteikollege Markus Mauchle, der auch dem Initiativkomitee angehörte. Er sagt, es gebe in der Stadt Gossau eine Gruppe von rund 2000 Neinsagern, die sich auf dieses Mal durchgesetzt hätten. «Aber», sagt Mauchle, «steter Tropfen höhlt den Stein.»

Markus Mauchle (CVP) engagierte sich im Initiativkomitee.

Markus Mauchle (CVP) engagierte sich im Initiativkomitee.

Belos

Das nächste Mal würden die konstruktiven Kräfte, die etwas für Gossau bewegen wollten, reüssieren. Mauchle unterliess es nicht, den Mitgliedern des Initiativkomitees zu danken. Der Einsatz sei riesig gewesen, das Engagement beachtlich. Zur Erinnerung: Den Initianten gelang es, Anfang Jahr in wenigen Wochen 1243 Unterschriften für ihr Begehen zu sammeln; nötig gewesen wären 700 in einer Sammelzeit von drei Monaten. Der Coronavirus-Lockdown habe den Aussenbeckengegnern in die Hände gespielt, resümiert Mauchle. Der Lockdown habe der IG Sport und den Befürwortern im Frühling den Schwung genommen.

Die SVP und die FliG sind zufrieden

Aus unterschiedlichen Gründen haben die FliG (Freie Liste Gossau) und die SVP die Initiative zur Ablehnung empfohlen.

FliG-Präsident Christian Schlegel.

FliG-Präsident Christian Schlegel.

Der FliG ging es um den Umweltschutz. Die Gossauerinnen und Gossauer seien am Sonntag vernünftig gewesen, sagt FliG-Präsident Christian Schlegel. Dass der Aussenbecken-Projektierungskredit derart deutlich versenkt wird, hätte er nicht gedacht.

Der SVP ging es dagegen ums Geld. Das «überraschend klare» Abstimmungsergebnis sei erfreulich, sagt ihr Präsident Andreas Oberholzer. Die Stimmberechtigten seien dem Grundsatzentscheid des Stadtparlaments gefolgt.

Andreas Oberholzer, SVP Gossau-Arnegg

Andreas Oberholzer, SVP Gossau-Arnegg

Fotopeter

Luxus werde im neuen Hallenbad im Buechenwald nicht gebraucht, sagt Oberholzer. Das habe das Stimmvolk erkannt.