Ausschenken, verschenken oder verkaufen: In Beizen laufen viele Getränke während des Lockdowns ab – St.Galler Bars haben vorgesorgt

Während des Lockdowns mussten die St.Galler Bars das Ablaufdatum der Getränke in ihren Warenlagern im Auge behalten. Um keine Flaschen wegwerfen zu müssen, wählten sie unterschiedliche Wege.

Meret Bannwart
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In der Südbar am Oberen Graben laufen die Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung nächste Woche.

In der Südbar am Oberen Graben laufen die Vorbereitungen auf die Wiedereröffnung nächste Woche.

Bild: Ralph Ribi

Die Gastronomie ist eine der Branchen, welche den Lockdown wegen der Coronakrise am stärksten zu spüren bekommen hat. Bis auf Take-aways sind seit Mitte März alle Restaurants und Bars geschlossen. Seit vergangenem Mittwoch ist klar: Ab kommender Woche dürfen die Restaurants und Bars unter Auflagen – maximal vier Gäste pro Tisch und zwei Meter Abstand zwischen den Gruppen – und mit Schutzkonzepten wieder öffnen. Diese werden bis Mitte der Woche ausgearbeitet und bekannt gegeben.

Die Barbetreiber waren – wie andere Gewerbebetriebe – mit einer neuen Situation konfrontiert. Während ihre Einnahmen von einem Tag auf den anderen wegfielen, liefen die Fixkosten wie die Miete in der Regel weiter. Zudem mussten sie das Ablaufdatum der Getränke in ihren Warenlagern im Auge behalten. Um Getränke vor dem Müll zu retten, verkauften Clubs und Bars der Stadt Zürich diese auf der Website «nowaste.shop» zum Einstandspreis. Ein ähnliches Konzept gab es in St.Gallen hingegen nicht. Für einige Beizer entschärft sich die Situation jetzt ohnehin, da sie nächste Woche ihre Kundschaft wieder bedienen können. Doch nicht alle öffnen dann ihre Türen.

Südbar: Lieferdienst wieder abgesetzt

In der Südbar am Oberen Graben hatte man kein grosses Problem mit ablaufenden Getränken. «Wir sind immer sehr bemüht, unser Getränkelager in einem überschaubaren Rahmen zu halten», sagt Kim Lara Preisig, stellvertretende Geschäftsleiterin. Man könne den Verbrauch der Getränke meistens gut einschätzen und deshalb stünden Getränke selten monatelang im Keller. «Kommt es trotzdem einmal vor, dass ein paar Fläschli ablaufen, dürfen unsere Mitarbeitenden diese kostenlos zum Eigenkonsum mitnehmen», so Preisig.

Während des Lockdowns musste die Kundschaft nicht auf die Südbar-Drinks verzichten. «Wir hatten einen Lieferdienst auf die Beine gestellt, der ab einem Mindestbestellwert von 30 Franken zu den Kunden nach Hause lieferte», sagt Preisig. Es sei wichtig gewesen, trotz des Lockdowns noch ein wenig Umsatz zu generieren. Jetzt wird der Lieferdienst wieder eingestellt. Ab nächster Woche werden die Kunden wieder am Oberen Graben bedient, vorerst noch mit reduzierten Öffnungszeiten.

Blumenmarkt: Mitarbeiter durften Küchenvorräte mitnehmen

Auch in der Café-Bar Blumenmarkt, vis-à-vis der Südbar auf der anderen Seite des Blumenmarkts gelegen, hielt sich das Problem mit ablaufenden Produktbeständen in Grenzen. «Da wir immer frisch zubereiten, ist unser Vorrat an Lebensmitteln beschränkt», sagt Thomas Hauser, Inhaber und Betreiber des Lokals. Freuen über die ablaufenden Produkte durften sich auch hier die Angestellten. «Am 17. März haben wir sämtliche Küchenvorräte an unsere Mitarbeitenden verteilt», sagt Hauser.

Ob der «Blumenmarkt» ab nächstem Montag wieder öffne, sei noch unklar.

«Wir warten mit unserer Entscheidung, bis die genauen Erläuterungen des Bundes Mitte Woche vorliegen.»

Einen grossen Einfluss habe ausserdem, ob man auch draussen auf der Terrasse die Kundschaft bedienen dürfe. Ganz müssen die Kunden aber nicht auf ihren «Blumenmarkt» verzichten: «Irgendetwas Kleines versuchen wir auf jeden Fall anzubieten.»

Lunaris-Bar: Bierlieferant nahm Getränke zurück

Für die Lunaris-Bar an der Augustinergasse im Bermudadreieck ist der Lockdown vorerst nicht vorbei. «Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit werden wir unsere Bar noch nicht öffnen», sagt Inhaber Mauro Girardi. In seiner Bar würden die meisten Gäste stehen, an der Bar hätten höchstens drei Zweierpaare Platz, um den Zwei-Meter-Abstand einhalten zu können. Er sagt:

«Für sechs Gäste lohnt es sich leider nicht, die Bar wieder zu öffnen.»
Mauro Girardi, Inhaber der Lunaris-Bar

Mauro Girardi, Inhaber der Lunaris-Bar

Bild: Olivia Hug

Mit ablaufenden Getränken hatte er keine grösseren Probleme. Gleich nach dem Lockdown durften sich die Mitarbeitenden der Lunaris-Bar über die Verteilung der wenigen Frischprodukte wie Orangen, Zitronen und Kräuter freuen. Softgetränke und Biere seien normalerweise einige Monate haltbar. Und während der Coronakrise sei auch die Solidarität der Unternehmen spürbar gewesen, mit denen man zusammenarbeite. «Beispielsweise nahm unser Bierlieferant aus dem Appenzellischen die Getränke zurück und stellte uns dafür Gutscheine aus», sagt Girardi.

Die stark alkoholischen Getränke seien sowieso unproblematisch, der hohe Alkoholgehalt mache sie lange haltbar. Für Girardi waren Take-away und Onlinehandel nie ein Thema. «Aufwand und Ertrag stehen meines Erachtens in einem ungünstigen Verhältnis und mittlerweile ist das Angebot sehr gross.» Die Idee aus Zürich findet er jedoch sehr gut.

Oya-Bar: Verkauf über soziale Netzwerke

Die Oya-Bar an der Schwertgasse am östlichen Ende der Altstadt hat die Getränke während des Lockdowns in den sozialen Netzwerken zu Solidaritätspreisen verkauft. Man habe nichts wegwerfen müssen, sagt Mitinhaber Marc Frischknecht. Den für diesen Monat geplanten Samstagsverkauf habe man wegen der Lockerungen des Lockdowns nun abgesagt. «Wir planen, wieder regulär zu öffnen», sagt Frischknecht. Allerdings werde das Angebot vorerst noch reduziert sein.

«Zuerst brauchen wir jetzt diejenigen Produkte auf, die zuerst ablaufen.»

Jetzt warte man noch auf die detaillierten Vorschriften und das geplante Schutzkonzept des Gastroverbandes. Die Tische sind entsprechend den neuen Richtlinien jedenfalls bereits parat gestellt.

Die strengen Hygieneauflagen und Distanzregeln stellen für die Bars, die am Montag öffnen, eine grosse Herausforderung dar. Um ablaufende Fläschli müssen sie sich nun nicht mehr sorgen. Und jene Betriebe, die vorerst noch geschlossen bleiben, harren weiter aus und warten auf die nächste Lockerung der Coronaauflagen.