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Auslandjahr für KV-Lernende gilt als Chance und Hemmschuh zugleich

Das Angebot klingt attraktiv: Bei der «kv plus»-Lehre können Lernende ihre Ausbildung
mit einem Zwischenjahr bereichern. Die Berufsschule Rorschach will das spärliche Interesse ankurbeln.
H. Bickel/M. Cappellari
Lehrlinge der Kaufmaennischer Verband Schweiz in Zuerich arbeiten im Buero am 10. Juni 2015. (ky/Gaetan Bally)

Lehrlinge der Kaufmaennischer Verband Schweiz in Zuerich arbeiten im Buero am 10. Juni 2015. (ky/Gaetan Bally)

Bei einer Gastfamilie wohnen, internationale Berufserfahrung sammeln, Sprachkenntnisse erweitern. Lernende der «kv plus»-Lehre unterbrechen nach dem zweiten Lehrjahr ihre Ausbildung und schieben ein Zwischenjahr ein. Je ein halbes Jahr leben sie in einer englischen und französischen Gastfamilie und arbeiten in zwei verschiedenen Betrieben als kaufmännische Angestellte.

«Wir finden die Idee super und unterstützen dieses Angebot, so gut wir können», sagt Philipp Müller, Leiter kaufmännische
Berufe am Berufs- und Weiter-bildungszentrum Rorschach-Rheintal (BZR). «Nebst den sprachlichen Kompetenzen der Lernenden dürften auch ihre Selbst- und Sozialkompetenzen profitieren.»

Lehrbetriebe sind skeptisch

Am BZR gab es vergangenes Jahr zwei Lernende, die sich gern für die «kv plus»-Lehre beworben hätten. «Leider ist es bei unseren Interessentinnen gar nie zu einer Bewerbung gekommen», sagt Müller. Die Lehrbetriebe haben keine Zusage erteilt. Obwohl er den Entscheid bedauert, zeigt er auch Verständnis. Für die Betriebe sei es nicht ganz einfach, ein Auslandjahr zu ermöglichen. «Je nach Planung und Rhythmus der Betriebe würden mit einem Wegfall der Lernenden gewisse Arbeiten nicht mehr abgedeckt.»

Ähnlich klingt es bei Peter Gasser, HR-Leiter der Permapack AG in Rorschach. «Je nach Rhythmus der Lehrlinge kann es zu Problemen im dritten Jahr kommen», sagt er. Ausserdem äussert er Bedenken, dass schulisch schwache Schüler nach einem Jahr Unterbruch den Anschluss verpassen könnten. Grundsätzlich gefällt ihm die Idee aber, und sollten sich Lernende dafür interessieren, würde man sich wohl arrangieren. Gasser sagt:

«Wir wollen den Jungen nicht im Weg stehen. Man findet immer eine Lösung.»

Erich Locher, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Goldach, ist zurückhaltender. Im Bankensektor hätten die Lernenden einen dichten Lehrplan und auch überbetriebliche Pflichtkurse. «Ich kann mir vorstellen, dass es schwer sein würde, dies zu koordinieren», sagt er. Sein Standort habe zudem nur einen KV-Lehrling pro Jahr. «Das erschwert das Ganze noch.»

Andererseits könnten die Betriebe auch profitieren, betont Philipp Müller. Im hart umkämpften Markt um gute Lehrlinge wäre die Unterstützung einer «kv plus»-Lehre eine Möglichkeit, um sich von der Konkurrenz abzuheben. «Ausserdem bin ich überzeugt, dass die Lernenden motivierter, selbstbewusster und reifer zurückkehren», sagt er. «Dies kommt den Betrieben während der Lehre und auch bei einer möglichen Weiterbeschäftigung danach zugute.»

Ein Ausland-Lehrjahr kostet

Dennoch weist er selber auf einen weiteren, heiklen Punkt im Auslandjahr hin. «So toll die ‹kv plus›-Lehre ist, muss sie sich die Kritik gefallen lassen, dass für relativ viel Geld relativ wenige Lernende profitieren», sagt Müller. «Nicht, dass ich den auserwählten Lernenden das nicht gönne – ganz im Gegenteil, wir unterstützen das ja.»
Die «kv plus»-Lehre ist eine Erfindung der KV Luzern Berufsfachschule, die unter anderem auch die Gastfamilien und die Praktikumsplätze organisiert. Unterstützt und gefördert wird das Auslandjahr vom Bund. Die Stiftung Movetia übernimmt im Rahmen ihrer Austausch- und Mobilitätsprojekte die Kosten von 17000 Franken für Reise, Kost und Logis, Praktika und Sprachunterricht. Für ihr Taschengeld müssen die Lernenden selbst aufkommen, einen Lohn erhalten sie nicht.

Im Kanton St. Gallen haben einige kaufmännische Berufsschulen die Idee aufgenommen und bewerben das Angebot aktiv. «Am BZR haben wir einen Flyer, den wir allen Lernenden im ersten Lehrjahr verteilen, wir informieren die Eltern an Infoanlässen und haben verschiedentlich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht», sagt Müller. Die schweizweit rund 20 Plätze der «kv plus»-Lehre stehen kaufmännischen Lernenden des E-Profils offen. Die Schulleitung von KV Luzern Berufsfachschule führt ein Auswahlverfahren durch. «Dabei sind nicht in erster Linie herausragende Noten wichtig, sondern die Persönlichkeit zählt und die Bereitschaft, ein Jahr zu Hause auszusteigen und sich auf Neues einzulassen.»

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