Das UG 25 am Unteren Graben in St. Gallen soll von der weltweit grössten Parkhausgruppe betrieben werden: Bei der City Parking AG reibt man sich die Augen

Die Schweizerische Tochtergesellschaft der grössten ausländischen Parkhausgruppe Indigo soll das neue Parkhaus UG 25 betreiben dürfen. Das teilt nicht die städtische Pensionskasse als Inhaberin mit, sondern die nicht berücksichtigte City Parking St. Gallen AG. Diese wartet noch immer auf eine Begründung für die Absage.

Diana Hagmann
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Die City Parking AG kommt beim Parkhaus UG 25 der städtischen Pensionskasse nicht zum Zug und kämpft coronabedingt mit tieferen Erträgen.

Die City Parking AG kommt beim Parkhaus UG 25 der städtischen Pensionskasse nicht zum Zug und kämpft coronabedingt mit tieferen Erträgen.

Arthur Gamsa

741 Parkplätze, davon 332 öffentliche, 6 Untergeschosse, die fast 30 Meter in den Untergrund reichen, 70'000 Kubikmeter Aushub, 6000 Lastwagenfahrten, um das Material wegzubringen. Viele Details sind bekannt zum UG 25, dem grössten Parkhaus der Innenstadt, das am Unteren Graben entsteht und Ende 2023 eröffnen soll. Investorin ist die Pensionskasse der Stadt St. Gallen. Nur die Betreiberin stand bisher nicht fest. Nun zeichnet sich ab: Die schweizerische Tochtergesellschaft der grössten ausländischen Parkhausgruppe Indigo mit Sitz in Paris soll den Zuschlag erhalten haben.

Mitgeteilt hat das nicht etwa die Inhaberin, die städtische Pensionskasse. Zu lesen ist der Name in einer Mitteilung der City Parking St. Gallen AG. Darin schildert das Unternehmen zuerst die schwierige wirtschaftliche Lage, die nicht nur die Gastronomie, den Tourismus und den Handel, sondern eben auch die Parkhausbranche erfasst habe (siehe Kasten). Angesichts der jetzigen Situation sei der Entscheid, darauf zu verzichten, das Grossprojekt UG 25 mit einer geschätzten Investitionssumme von 60 Millionen Franken selbst zu realisieren, mehr als richtig gewesen.

Elmar Jud, Verwaltungsratspräsident der City Parking St.Gallen AG.

Elmar Jud, Verwaltungsratspräsident der City Parking St.Gallen AG.

Bild: Michel Canonica
«Das Bauvorhaben mit sechs Untergeschossen und einem Obergeschoss war uns, gestützt auf unseren Businessplan, unternehmerisch zu riskant»,

sagt Elmar Jud, Verwaltungsratspräsident der City Parking St. Gallen AG. Das Unternehmen schlug deshalb eine Verkleinerung auf vier Geschosse vor, die Projektentwickler lehnten ab.

Das lange Warten auf eine Begründung

Daraufhin stieg die City Parking AG in ein anderes Rennen ein, in jenes als Betreiberin. Seit März steht fest: Auch dieses wird die City Parking
St. Gallen AG verlieren. «Man hat uns kurz und bündig mitgeteilt, dass man uns nicht will. Seither warten wir auf eine Begründung», sagt Jud. Das verärgert den Verwaltungsratspräsidenten. Ebenso, dass die Pensionskasse der Stadt St. Gallen bisher nicht kommuniziert hat, wer denn nun den Zuschlag erhalten soll.

«Wir wollen wissen, zu welchem Preis der Auftrag erteilt wurde und auf welchem Rang wir letztlich lagen»,

sagt Jud. Trotz mehrmaligen schriftlichen Nachfragens habe er bisher keine Auskunft erhalten. «Wir haben ein Recht darauf, das zu erfahren.»

Das Branchenwissen genutzt

Nun hat sich Jud selber geholfen. Als ehemaliger Präsident von Parking Swiss, der Vereinigung schweizerischer Parkhausunternehmen, hätten ein paar Anrufe in der Branche genügt, um herauszufinden, wer die Betreiberin sein werde. Dass die städtische Pensionskasse mit dem Stadtpräsidenten im Anlageausschuss ein ausländisches Unternehmen bevorzuge, bezeichnet er als «politisch unhaltbar». Er verweist auf die Tatsache, dass die Stadt mit 40,4 Prozent Hauptaktionärin der City Parking St. Gallen AG ist. Die Stadt verfolge zudem die Strategie, so Jud, die Beteiligung sogar zu erhöhen.

«Vor diesem Hintergrund ist der Entscheid, die Indigo-Gruppe zur Betreiberin des grössten städtischen Parkhauses zu machen, fast schon schizophren.»

Manche neigen nun wohl dazu, die City Parking St. Gallen AG als schlechte Verliererin zu sehen. Solchen Stimmen kontert Verwaltungsratspräsident Jud mit dem Argument, sein Unternehmen sei nicht auf den UG-25-Auftrag angewiesen. Die City Parking AG betreibe normalerweise nur jene Parkhäuser, die ihr auch gehörten.

«Die städtischen Vertreter im Verwaltungsrat haben uns aber ermuntert, uns am Vergabeverfahren zu beteiligen. Das haben wir bereits im Dezember 2019 getan, mit einer wohlbegründeten, umfassenden Offerte. Wir waren offensichtlich zu teuer.»

Konkrete Zahlen will er keine nennen. Jud hätte es geschätzt, wenn man das Gespräch mit der City Parking AG gesucht hätte. «Etwa, um zu verhandeln.»

Pensionskasse hält sich bedeckt

René Menet, Geschäftsführer der Pensionskasse der Stadt St. Gallen, bestätigt den Namen der Betreiberin der Parkgarage UG 25 auf Anfrage nicht:

René Menet, Geschäftsführer der Pensionskasse der Stadt St. Gallen.

René Menet, Geschäftsführer der Pensionskasse der Stadt St. Gallen.

Bild: Hanspeter Schiess
«Ich kann dazu noch nichts sagen. Wir befinden uns in der Finalisierung der Verträge.»

Innerhalb der Anlagekommission der Pensionskasse der Stadt St. Gallen sei ein ordentliches Verfahren durch ein externes Treuhandbüro durchgeführt worden, erklärt er das Auswahlverfahren. Drei Hauptkriterien und neun Unterkriterien spielten dabei eine Rolle, etwa Finanzen, Kompetenz, Qualitätsmanagement, Betriebskonzept, Referenzen. Vier Parkhausbetreiber nahmen laut Menet teil. «Leider konnte anhand der Bewertung der Kriterien der Zuschlag nicht an die City Parking AG erfolgen», sagt er. Die Anlagekommission müsse «den Invest objektiv und gesamtheitlich bewerten», könne dabei nicht auf lokale Mitanbieter Rücksicht nehmen. Die Ausgeschiedenen seien bereits informiert. Warum ohne Begründung? «Damit warten wir noch ab, bis die Tinte trocken ist», sagt Menet. Und: Das Ausschreibeverfahren lasse nicht zu, nachzuverhandeln.

Dividendenanteil bleibt, wie er ist

Auch die Stadt lässt die Vorwürfe nicht gelten. Die Pensionskasse der Stadt St. Gallen sei nicht nur die Vorsorgeeinrichtung für Mitarbeitende der Stadtverwaltung, sondern von weiteren 25 angeschlossenen Arbeitgebern, betont Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Sie sei selbstständig, mit einer paritätischen Führung und nicht Teil der städtischen Verwaltung.

«Sie entscheidet deshalb auch selbstständig. Sie hat sich für ein Auswahlverfahren entschieden, das allgemein üblich ist.»

Mit dem Entscheid zum Betrieb der Parkgarage UG 25 verändere sich die Anzahl Aktien der Stadt an der City Parking AG nicht. Scheitlin: «Damit verändert sich auch der Dividendenanteil der Stadt nicht. Er bleibt wie bisher.»

22 Prozent weniger Ertrag

(dbu) Die Coronapandemie wirke sich auch auf das Parkhausgeschäft aus, schreibt die City Parking St. Gallen AG in einer Mitteilung. Ihr gehören die Parkhäuser Brühltor, Burggraben, Stadtpark/Athletikzentrum sowie die Tiefgarage am Hauptbahnhof unter dem Fachhochschulzentrum. Im momentan noch grössten städtischen Parkhaus, dem Brühltor, sei der Umsatz im April gegenüber dem Vorjahr um 92 Prozent zurückgegangen. Im Oktober liege er noch immer 33 Prozent unter dem Vorjahr, ist weiter zu lesen. In den ersten zehn Monaten des Jahres sanken die Erträge der City Parking AG in ihren Parkgaragen insgesamt um 22 Prozent. «Auch 2021 werden wir wohl mit Ertragsausfällen im zweistelligen Prozentbereich rechnen müssen», schreibt das Unternehmen. Dem will es unter anderem mit Modernisierung entgegnen. So sollen erste Kassen installiert werden, an welchen bargeldloses Bezahlen mit dem Mobiltelefon möglich ist.