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Ausgediente Aktivisten: Abtwils grüne Bürgerbewegung braucht es nicht mehr

Vor 32 Jahren machte sich die Aktion Wohnliches Abtwil mit Widerstand gegen ein Strassenprojekt nicht nur Freunde. Heute sind ihre Themen in der Mitte der Gesellschaft angekommen – die Gruppe wurde überflüssig.
Johannes Wey
Marco Steiner und Robert Niederer auf der Auwiesenstrasse, wegen der die AWA gegründet wurde. Für verkehrsberuhigende Massnahmen war ein harter Kampf nötig. (Bild: Benjamin Manser)

Marco Steiner und Robert Niederer auf der Auwiesenstrasse, wegen der die AWA gegründet wurde. Für verkehrsberuhigende Massnahmen war ein harter Kampf nötig. (Bild: Benjamin Manser)

In den letzten Jahren lief die Aktion Wohnliches Abtwil (AWA) «im Standby-Modus», sagt Robert Niederer, der im Dorf ein Unternehmen im IT-Bereich führt. Man habe geahnt, dass es den Verein nicht mehr lange geben würde und deshalb auch keine Mitgliederbeiträge mehr eingezogen. Trotzdem sind es nun gut 4000 Franken, die an den Naturschutzverein St. Gallen und Umgebung gehen. «Diese Verwendung ist in den Statuten so vorgesehen», sagt Niederer, der die AWA zusammen mit Marco Steiner präsidiert. Noch. Denn Ende Mai hat die AWA ihr Ende beschlossen. Weil sie wie viele Vereine keine Vorstandsmitglieder mehr findet. Und weil sie sich mit ihren Themen überlebt hat.

«Martin Gehrer war der erste, mit dem man vernünftig reden konnte.»

«Zu Beginn wollten uns die etablierten Parteien und Verbände in die linke Ecke stellen», sagt Steiner, der im Berufsleben als Ökonom lehrte und im Gesundheitswesen beratend tätig war. Zu Beginn, das war 1986, als sich die AWA bildete, um sich gegen den Ausbau der Auwiesenstrasse zur einzigen vollständig begradigten Hauptverkehrsachse zu wehren.

Zu Beginn gab es Feindseligkeiten

Die beiden Vorstandsmitglieder der ersten Stunde wurden als Zugezogene angegriffen, umso mehr, als sich die Aktion 1987 und 1988 mit Initiativen für die Verkleinerung der Bauzone einsetzte. Die beiden Begehren wurden schliesslich gegen den Widerstand fast aller Parteien mit rund 60 Prozent angenommen. «Ich bin überzeugt, dass sich das viele Bürger ohne die Anonymität einer Urnenabstimmung nicht getraut hätten», sagt Steiner. Und Niederer erinnert sich, dass er auch von Gewerblern in seinem Engagement bekräftigt worden sei, die selber nicht Mitglied werden wollten. «‹Das kann ich mir nicht leisten›, bekam ich oft zu hören», sagt Niederer.

Das Verhältnis zu den Parteien normalisierte sich erst Mitte der 1990er-Jahre. «Martin Gehrer war der erste Gemeindeammann, mit dem man vernünftig reden konnte», sagt Steiner. Mit den Ortssektionen von CVP und FDP veröffentlichte die AWA einen Thesenkatalog zur Verkehrspolitik. Aus Konfrontation wurde Zusammenarbeit. «Wir konnten zeigen, dass wir keine Revoluzzer sind», sagt Niederer.

Die damals als links verschrienen Ideen der AWA sind heute in vielen Parteien verwurzelt. «Das sieht man auch daran, dass es in Gaiserwald inzwischen eine Grünliberale Partei gibt», sagt Steiner. Die beiden Co-Präsidenten hätten sich jedenfalls immer eher auf der bürgerlichen Seite gesehen, obwohl die AWA unterschiedliche Strömungen vereinte. Auch in Sachen Raumplanung sieht sich die AWA durch die neue Gesetzgebung bestätigt.

Mit dem verbreiteten Bewusstsein für ökologische Themen wurde aber auch die AWA überflüssig. Doch die Adresskartei der über 60 Mitglieder bleibt für die nächsten Jahre noch in der Schublade, um sie bei Bedarf schnell zur Hand zu haben. Trotzdem: «Ich bin überzeugt, dass unsere bisherigen Mitglieder und viele Mitglieder in anderen Parteien weiter für unsere Ziele einer nachhaltigen Gemeindepolitik einstehen», sagt Steiner.

«Gaiserwald vor einem teuren Fehler bewahrt»

«Abtwil würde heute ohne uns anders aussehen», sagt Robert Niederer rückblickend. Mit der Verhinderung des Strassenprojekts im heute am dichtesten bewohnten Gebiet habe man der Gemeinde einen Gefallen getan, findet Steiner. Denn es wäre ein Fehler gewesen, den man teurer hätte ausbügeln müssen. «Ohne die natürlichen Pförtner, für die wir kämpften, hätte man wenige Jahre später umfangreiche verkehrsberuhigende Eingriffe vornehmen müssen.»

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