Ausgebüxte Pferde, purzelnde Rehkitze und ein störrischer Esel: 2019 war ein tierisches Jahr für die St.Galler Stadtpolizei

Eine Auswahl aus dem Jahr 2019 zeigt: Die St.Galler Stadtpolizisten haben wieder witzige, tierische und aussergewöhnliche Situationen erlebt.

Christoph Renn
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Im Mai mussten Stadtpolizisten zwei Rehkitze, die sich verirrt hatten, einfangen, betreuen und dann zur Rehmutter zurückbringen.

Im Mai mussten Stadtpolizisten zwei Rehkitze, die sich verirrt hatten, einfangen, betreuen und dann zur Rehmutter zurückbringen.

Bilder: Stapo St.Gallen

Gefährlich, tragisch und aufwühlend: So lassen sich die Situationen oft beschreiben, denen Polizistinnen und Polizisten bei ihren Einsätzen begegnen. Doch muss es nicht immer so sein. Es gibt auch Fälle, die sogar die Angehörigen der Stadtpolizei im Nachhinein schmunzeln lassen. Meistens sind es genau diese Einsätze, welche in Erinnerung bleiben.

Regelrecht auf Trab hielten einige Pferde die Polizei im Januar: Die Vierbeiner waren ausgebüxt und auf der Speicherstrasse beim «Schwarzen Bären» unterwegs. Das Einfangen der Tiere ist nicht etwas für jedermann: «Wenn man sich den Umgang mit Pferden nicht gewohnt ist, braucht es viel Mut, sie zusammenzutreiben», sagt Polizeisprecher Dionys Widmer.

Im Januar waren Stadtpolizisten als Cowboys unterwegs: Sie fingen entlaufene Pferde beim «Schwarzen Bären» ein.

Im Januar waren Stadtpolizisten als Cowboys unterwegs: Sie fingen entlaufene Pferde beim «Schwarzen Bären» ein.

Nicht Mut, aber viel Fingerspitzengefühl brauchte es, als in St.Georgen zwei Rehkitze kurz nach der Geburt eine Böschung hinunterpurzelten und nicht mehr zur rufenden Mutter fanden. «Die Einsatzkräfte konnten die Jungtiere einfangen und zu ihrer Mutter zurückbringen», heisst das im Polizeijargon.

Und dann war da noch der störrische Esel, der auf die Gleise lief und von einem Zug, der Richtung Mörschwil fuhr, angefahren wurde. Das Grautier hat die Kollision dank ärztlicher Betreuung überlebt und wurde dem Halter zurückgebracht. Im Leonhardspärklin wiederum betätigten sich Polizistinnen und Polizisten in der ersten Hälfte 2019 als Rattenfänger.

Ladendieb flüchtet in Eisenbahntunnel

Ein 24-jähriger Dieb löste 2019 einen sehr speziellen Einsatz der Stadtpolizei aus. Nachdem er in ein Geschäft eingestiegen und überrascht worden war, flüchtete er in den Rosenbergtunnel. «Patrouillen sicherten die Zugänge zum Bahntunnel», erzählt Dionys Widmer. Anschliessend fuhren Polizisten auf einem Güterzug, langsam durch den Tunnel und leuchteten ihn aus. Schliesslich konnten sie den Dieb festnehmen.

2019 schaffte es die Stadtpolizei mit einem Einsatz sogar in die nationalen Medien. An einem Mittwochabend im September ging die Meldung ein, dass sich eine Gruppe junger Leute prügle. Als eine Polizeipatrouille vor Ort eintraf, stiess sie allerdings nicht auf eine Schlägerei, sie platzte vielmehr ins Training eines Selbstverteidigungskurses. Dessen Teilnehmer trainierten aufgrund des schönen Wetters im Freien. Künftig, so versprachen die Verantwortlichen, werden sie Outdoor-Trainings vorher bei der Polizei anmelden.

Rauchend eingeschlafen, eigenes Bett angezündet

Grossbrände waren 2019 in der Stadt St.Gallen keine zu verzeichnen. Gebrannt hat's natürlich trotzdem, wobei manch einer, der fahrlässig mit Feuer hantierte, einen guten Schutzengel hatte. So etwa der Raucher, den die Flammen aus dem Schlaf rissen: Er hatte sich im eigenen Bett noch eine Zigarette gegönnt, war dann aber eingeschlafen. «Die Zigarette fiel aufs Bett und setzte die Bettwäsche in Brand», schildert Dionys Widmer die Ereignisse. Bei dem Fall sei mit viel Glück nichts Schlimmeres passiert und der schlafende Raucher mit dem Schrecken davongekommen.

Mit Vollgas auf die Gleise und in die Baustelle

Wie jedes Jahr hielten 2019 auch Autofahrer die Polizei auf Trab. «Eine sehr spezielle Bergung mussten wir durchführen, nachdem ein Sattelschlepper im Februar beim Autobahnzubringer Winkeln umgekippt war», sagt Dionys Widmer. Dass Biodiesel auszulaufen drohte, habe die Sache nicht einfacher gemacht.

Auffallend viele Autos landeten 2019 auf den Gleisen der Appenzeller Bahnen beim Gaiserbahnhof – gleich drei Lenker schafften das Kunststück. Eines hatten sie gemeinsam: Sie sassen betrunken oder unter Drogeneinfluss hinter dem Steuer. Selbstverständlich verwechselte auch wieder einer Gas- und Bremspedal. Das Resultat: Ein Auto, das bei der Frauenbadi nur noch per Kran aus einer Baustelle geborgen werden konnte.

Olma, Offa und FC St.Gallen

2019 war für die Stadtpolizei St.Gallen kein aussergewöhnliches Jahr, wie Mediensprecher Dionys Widmer sagt. So seien Olma und Offa aus polizeilicher Sicht ohne grössere Zwischenfälle über die Bühne gegangen. «Natürlich habe es im Umfeld der beiden Grossanlässe vereinzelte Vorfälle gegeben.» Doch gemessen an der hohen Publikumszahl seien es wenige gewesen.

Ruhig war es in der Regel auch während der Heimspiele des FC St.Gallen rund um den Kybunpark. Wenn da nicht der 21.September gewesen wäre: Eine Fangruppe aus St.Gallen zündete Pyro-Fackeln. Einige davon landeten sogar auf der Zürcher Strasse, der Stadtautobahn und auf einem Gebäude im Gründenmoos. Tragisch war ein Unfall Ende Juli auf Drei Weieren: Ein Tourist, der wohl nicht Schwimmen konnte, sprang in den Mannenweier und ertrank. Die Polizeitaucher konnten ihm nicht mehr helfen.
Erfreulich aus Sicht der Stadtpolizei war 2019 die Einstellung der zwei sogenannten Social-Media-Polizisten. (ren)