Aus der Not geboren: Die Frauengemeinschaft Abtwil-St.Josefen feiert ihr 100-jähriges Bestehen

Vor 100 Jahren taten sich Frauen aus Abtwil und St.Josefen zusammen, um Armut zu bekämpfen. Nun feiern sie.

Elena Fasoli
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Heute steht bei der Frauengemeinschaft die Vernetzung im Vordergrund – wie etwa hier bei der letztjährigen Adventsfeier.

Heute steht bei der Frauengemeinschaft die Vernetzung im Vordergrund – wie etwa hier bei der letztjährigen Adventsfeier.

PD

Die katholische Frauengemeinschaft Abtwil-St.Josefen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde sie im Jahr 1920 als Katholischer Frauen- und Mütterverein Abtwil-St. Josefen – und zwar keineswegs zum Vergnügen, wie Tamara Hersche, Mitglied des Jubiläums-OK, sagt: «In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg taten sich die Frauen eher aus Not zusammen.»

Die Gemeinschaft begann, sich um arme und vernachlässigte Kinder zu kümmern. Die Mitglieder nähten und strickten Kleider, schöpften Suppe aus und kümmerten sich um die religiöse Erziehung. Einmal im Monat hielt der Pfarrer den damals 124 Frauen Vorträge über Themen wie Eifersucht, eheliche Treue und Eintracht der Frau mit dem Mann.

Die kirchlichen Aspekte gehören noch immer dazu

Tamara Hersche

Tamara Hersche

PD

Die Aufgabe der Frauengemeinschaft (FG) hat sich in den vergangenen 100 Jahren stark verändert. Es bestehe nicht mehr die gleiche Not und Armut wie früher. Hersche sagt:

«Heute steht die Vernetzung und Förderung der Solidarität unter den Frauen im Vordergrund.»

Die FG heisse jede Frau, unabhängig ihres Alters, ihres Zivilstandes, ihrer Nationalität oder ihrer Konfession willkommen. Trotzdem gehören die kirchlichen Aspekte noch immer zum Programm der Frauengemeinschaft. So organisiert die eigene Liturgiegruppe einmal im Monat einen Frauengottesdienst sowie eine Maiandacht und eine Adventsfeier. Hersche sagt:

«Die Religion bleibt ein wichtiger Bestandteil, doch das Gesellschaftliche ist hinzugekommen.»

So werden Anlässe wie Spielabende, Kochkurse oder Themenvorträge organisiert. Ausserdem besteht seit über 50Jahren die FG-Gymnastikgruppe. Auch die Familienarbeit ist ein wichtiges Thema. Die Untergruppe FG-Family organisiert Kinderanlässe, Kurse und Vorträge für Eltern sowie zusammen mit dem Verein Chinderhüsli zweimal im Jahr die gut besuchte Kleider- und Spielsachenbörse in Abtwil.

Die Frauen feiern am Valentinstag

Das Jubiläum der Frauengemeinschaft wird dieses Jahr ausgiebig gefeiert. «Schliesslich gibt es unsere Frauenbande bereits ein ganzes Jahrhundert», sagt Hersche. Lange hat sich das fünfköpfige Organisationskomitee auf diesen besonderen Anlass vorbereitet. «Es war schnell klar, dass wir eine spezielle Hauptversammlung organisieren wollen», sagt Hersche. Ausnahmsweise findet diese an einem Freitag statt – und zwar am Valentinstag.

Als Highlight des Anlasses wird ein Film über die Frauengemeinschaft präsentiert. Jules Luterbacher zeigt darin Ausschnitte von Anlässen, schenkt Mitgliederstimmen Gehör und zeigt, wie das Leben in Abtwil früher war. An der Versammlung nehmen Vereinsmitglieder sowie geladene Gäste teil. Damit das Dorf ebenfalls mitbekommt, dass die Frauengemeinschaft einen Grund zu feiern hat, sollen im Dorf grosse Frauenskulpturen aus Beton aufgestellt werden. Diese sind laut Hersche bereits bewilligt und in Vorbereitung.

Ausserdem veranstalten die Organisatorinnen einen zweiten, öffentlichen Anlass: Am Sonntag, 17. Mai, feiert die Frauengemeinschaft um 8.30 Uhr einen Gottesdienst in der katholischen Kirche Abtwil. Anschliessend wird im Oberstufenzentrum gebruncht.

Eine Festschrift zu Ehren von Freiwilligen

«Wir wollen den Frauen mit dem Brunch und einer Nostalgiemodeschau etwas Spezielles bieten», sagt Hersche. Schliesslich solle anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Freiwilligenarbeit geehrt werden. Für die Jubiläumsfeier muss man sich nicht anmelden.

«Wir werden etwas enger stuhlen als sonst und hoffen, dass alle einen Platz finden.»

Der ehrenamtliche Einsatz zahlreicher Frauen wurde auch in einer Festschrift festgehalten, die auf 40 Seiten die Geschichte der Frauengemeinschaft erzählt und viele Stimmen zu Wort kommen lässt. Julia Mock, die Präsidentin der Frauengemeinschaft, habe wochenlang Protokolle gelesen, um eine umfassende Vereinschronik zu erstellen. Die Festschrift wurde an die Mitglieder verteilt und liegt an verschiedenen Orten im Dorf auf.

Tamara Hersche wagt auch einen Blick in die Zukunft der Frauengemeinschaft. Deren Rolle erachtet sie auch noch in der heutigen Zeit als wichtig. «Wir haben uns vorgenommen, vermehrt online zu gehen», sagt Hersche. Zum Jubiläumsjahr hat die FG ein neues Logo gestalten lassen und eine Website aufgeschaltet. «Wir sind überzeugt, dass wir gestärkt und zusammengeschweisst durch die Festivitäten mit vielen Frauen in die Zukunft gehen werden.»