Augenzeugenvideos werden für die Polizei immer wichtiger – und bringen die Ermittler gleichzeitig an den Anschlag

Die Polizei ist angewiesen auf Bilder und Videos von Augenzeugen. Sie können ein wichtiges Puzzlestück bei den Ermittlungen sein.

Sandro Büchler
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Serdar Günal Rütsche, Leiter Proaktive Ermittlung der Kantonspolizei St.Gallen.

Serdar Günal Rütsche, Leiter Proaktive Ermittlung der Kantonspolizei St.Gallen.

Bild: PD

Ermittlungen Für die Arbeit der Polizei werden Videoaufnahmen immer wichtiger. «Jeder Mensch trägt heute eine Kamera auf sich», sagt Serdar Günal Rütsche, Leiter Proaktive Ermittlung und stellvertretender Leiter Ermittlungsunterstützung bei der Kantonspolizei St.Gallen. Die Polizei sei angewiesen auf Bilder und Videos von Augenzeugen. «Denn sie können ein wichtiges Puzzlestück bei den Ermittlungen sein», sagt Günal Rütsche.

Nicht nur bei einem Überfall auf eine Bank seien die Bilder der Überwachungskamera ein wichtiges Mittel zur Identifizierung der Täter, auch bei Delikten auf offener Strasse filmen immer mehr Passanten mit. «In einigen Fällen von schwerer Körperverletzungen oder Raufhandel haben Augenzeugenvideos bereits zur Klärung des Sachverhalts beigetragen», sagt Günal Rütsche.

Ein gutes Beispiel, wie Videos bei der Ermittlungen behilflich sind, sei auch das Video vom Rammbock-Einbruch auf das Juweliergeschäft Bucherer in der Multergasse im November 2018. «Ein Anwohner wurde durch Geräusche aufmerksam auf die Räuber unten in der Strasse und filmte von oben herab mit seinem Handy.» Doch trotz des Videos sind die Täter noch immer flüchtig.

Zeugenaufruf nach Grossbrand

Die Zahl von Augenzeugenvideos nimmt zu, was sich die Polizei zu Nutze macht. In Zeugenaufrufen will die Kantonspolizei vermehrt darauf hinweisen, den Ermittlern allfälliges Bild- und Videomaterial zuzusenden. Um die Inhalte hochzuladen, stellt die Polizei eine Plattform zu Verfügung, sagt Günal Rütsche. Bereits zweimal hat die Kantonspolizei einen solchen Aufruf gemacht, zuletzt im vergangenen November, als in Mels zwei Wohnhäuser und ein Stall niederbrannten.

«Die ersten Minuten eines
Brandes können für die Ermittler
entscheidend sein.»

«Bei der Durchsicht der Videos kommen die Ermittler zum Anschlag», sagt Günal Rütsche. Denn die Datenmengen steigen massiv. «Alle drei Jahre gibt es Verdoppelung des Datenvolumens.» Stand heute sei es aber noch immer das geschulte Auge der Ermittler, das einen Täter oder eine Täterin identifiziert. Eine manuelle Auswertung aber kostet Zeit und Ressourcen.

Deshalb hat die St.Galler Kantonspolizei mehrere Systeme zur automatisierten Analyse von Videos getestet, bestätigt Günal Rütsche. «Und wir testen noch weitere Produkte.» Dabei gehe es insbesondere um das Erkennen von relevanten Inhalte in einem Video – auffällige Kleidungsstücke, Fahrzeuge in bestimmten Farben. «Die Software soll das Wichtige aus der Datenflut herausfiltern.»

Aufnahmen sind nicht gut genug

Mit dem künftigen System soll auch eine automatisierte Gesichtserkennung möglich sein. «Das ist aber nicht vorrangig.» Denn die Ergebnisse der Software seien noch zu schwach. Das liege aber nicht an den Technik, sondern am Rohmaterial.

«Überwachungskameras filmen
meist von oben herab.»

Zudem sei die Qualität vieler Aufnahmen, beispielsweise in der Dämmerung, zu schlecht für einen Abgleich. So auch beim Einbruch auf den Juwelier: «Ausser, dass es sich um mehrere Personen und ein Fahrzeug handelt, brachte das Video keine relevanten Erkenntnisse.»