Aufnahmegerät unter Tisch geklebt: Langjähriger Pächter der Lokremise St.Gallen stolpert über Abhöraffäre

Ab 2021 hat die Lokremise einen neuen Pächter – der Vertrag mit der PSG Gastro AG endet nach zehn Jahren. Ursprünglich hiess es, der Vertrag werde nicht wegen Unstimmigkeiten aufgelöst. Doch nun wird bekannt: Das Unternehmen ist über eine Abhöraffäre gestolpert.

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Philipp Schildknecht wurde wegen versuchten Abhörens und Aufnehmens fremder Gespräche verurteilt.

Philipp Schildknecht wurde wegen versuchten Abhörens und Aufnehmens fremder Gespräche verurteilt.

Bild: Michel Canonica

(nat) Die Lokremise wurde zehn Jahre lang von der PSG Gastro AG gepachtet. Ende Jahr läuft der Vertrag des Unternehmens im Besitz von Peter Schildknecht aus. Die Nachfolge ist bereits geregelt: Ab 2021 soll französisches Flair die Gäste in das Restaurant der Lokremise locken.

Die Firma «PSG – Gastronomie AG» war an der Ausschreibung für einen neuen Pachtvertrag nicht mehr beteiligt. In einem Gespräch anfangs Jahr stellte Geschäftsführerin Mirjam Hadorn klar, dass der Pachtvertrag mit der «Peter Schildknecht Gastronomie AG» nicht wegen Unstimmigkeiten aufgelöst wird. Doch wie «Blick» nun berichtet, soll der Gastro-Gigant über eine Abhöraffäre gestolpert sein.

Aufnahmegerät wurde vor Gesprächsbeginn entdeckt

Philipp Schildknecht – Sohn von Peter Schildknecht und Geschäftsführer der PSG Gastro AG – sei kürzlich per Strafbefehl wegen versuchten Abhörens und Aufnehmens fremder Gespräche verurteilt worden. Der 28-Jährige soll die Absicht gehabt haben, die Findungskommission für die Pachtvergabe zu belauschen. Das Aufnahmegerät habe unter einem Tisch im Sitzungszimmer geklebt und wurde noch vor Gesprächsbeginn entdeckt.

Mit Insiderwissen über die Konkurrenz und den Stand der Beratungen hätte die PSG-Gruppe im letzten Moment womöglich doch noch das Rennen um die Lokremise machen können, so der Verdacht von «Blick». Doch auf Anfrage der Boulevardzeitung wehrt sich das Unternehmen: «Das von Ihnen angesprochene Vorkommnis bringt der PSG Gastro AG keinerlei Vorteile; die PSG Gastro AG hat sich an der seit Frühjahr 2019 laufenden Pachtausschreibung nicht beworben.»

Aus Kommissionskreisen soll es jedoch heissen, die Firma habe sich sehr wohl um die Pacht beworben, allerdings mit einem angeschlossenen Subunternehmen. Eine entsprechende Nachfrage von «Blick» sei unbeantwortet geblieben.

Anwalt bestätigt Sachverhalt

Die Staatsanwaltschaft St.Gallen habe Philipp Schildknecht wegen des Abhörversuchs zu einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 230 Franken verurteilt. Bereits vergangenen Mai sei der 28-Jährige durch das Kreisgericht St.Gallen zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Auch bei der damaligen Verhandlung handelte es sich um widerrechtlich entstandene Ton- und Filmaufnahmen aus dem intimsten Privatleben des Beschuldigten. Körperverletzung kam noch hinzu.

Der Anwalt von Philipp Schildknecht sagt gegenüber «Blick», der Sachverhalt betreffend des Lauschangriffs sei korrekt und werde akzeptiert. «Mein Mandant hat sich bei den Betroffenen persönlich entschuldigt und seine Entschuldigung wurde auch angenommen.»