Auf zwei Rädern für eine bessere Zukunft: St.Gallerin fährt fürs Klima mit dem Velo nach Bern

Cristina Bitschnau fährt mit ihrer Familie per Velo von St.Gallen nach Bern an die nationale Klimademo.

Rossella Blattmann
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Cristina Bitschnau und ihre Familie sind auch im Alltag oft auf dem Velo unterwegs. (Bild: Rossella Blattmann)

Cristina Bitschnau und ihre Familie sind auch im Alltag oft auf dem Velo unterwegs. (Bild: Rossella Blattmann)

«Ich weiss nicht, wo Cristina ist.» Sie sei aber bald da, sagt eine sportliche Frau mit braunen Haaren. In der Veloflicki an der Wassergasse 13 ist es um neun Uhr morgens normalerweise noch ruhig. Doch an diesem Mittwoch herrscht im kleinen, alternativen Veloladen in der St.Galler Altstadt bereits reger Betrieb. Eine Gruppe Männer und Frauen in Windjacken und Velokleidung steht zwischen Velos, Pneu, und Zubehör. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Eine Viertelstunde später fährt auch Cristina Bitschnau-Kappeler, Geschäftsleiterin der VCS-Sektion St.Gallen-Appenzell, mit ihrem Mann Marcus und der elfmonatigen Tochter Irma vor.

Der Verkehrsclub ist eine von über 13 Schweizer Organisationen, die an der Aktion «I bike to move it» mitmachen. Am Mittwochvormittag ging es für die St.Galler Truppe los. Der Start: Die Velo­flicki in der Gallusstadt. Das Ziel: Die nationale Klimademo in der Hauptstadt Bern am kommenden Samstag.

Mit den Beinen etwas in den Köpfen bewegen

«I bike to move it» – auf deutsch «Ich fahre Velo, um etwas zu bewegen» – ist eine nationale Velo- Sternfahrt. In der ganzen Schweiz setzten sich in diesen Tagen Klimabewegte auf ihre Velos, um nach Bern zu fahren und sich «gemeinsam für eine konsequente und gerechte Klimapolitik» einzusetzen, wie es auf der «I bike to move it»-Website heisst. Die St.Galler Gruppe hat am Mittwoch die erste Etappe nach Winterthur unter die Räder genommen. Insgesamt will sie von St.Gallen nach Bern 290 Kilometer absolvieren. Am Donnerstag steht die Strecke Winterthur-Aarau auf dem Programm, am Freitag geht es von Aarau nach Biel. Am Samstagvormittag treffen sich die St.Galler Velofahrer in Biel mit zwei weiteren Gruppen, um den letzten Abschnitt nach Bern gemeinsam zu zurückzulegen. (bro)

Dass die kleine Irma, die fröhlich am Boden zwischen den Velos herumkrabbelt, an der viertägigen Velotour mit dabei ist, war für Cristina Bitschnau von Anfang an klar. Ihre Tochter sei noch klein und überall mit dabei. «Auch im Alltag fährt Irma bei mir oder Marcus auf dem Velositz mit», sagt die Umweltwissenschafterin.

Immer ein Zug in der Nähe

Die Nase des Babys tropft an diesem nasskalten Herbsttag. Was wenn die Elfmonatige während der viertägigen Velofahrt nach Bern auf einmal krank wird? Als sie die St.Galler-Teilstrecke von «I bike to move it» ausgesucht habe, sei für sie im Vordergrund gestanden, dass immer eine Bahnstrecke in der Nähe sei, sagt Bitschnau. «Wenn es Irma nicht gut geht, dann fahre ich mit ihr zum nächsten Bahnhof und kehre mit ihr nach St.Gallen zurück.»

Abgemacht sei, dass ihr Mann in einem solchen Fall die Tour fortsetze und dann in Bern für sie und die Tochter mitdemonstriere.

Das Velo ist ein fester Bestandteil des Lebens der jungen St.Galler Familie. Ihr Mann verdiene sein Geld als Velokurier in Zürich, sagt Cristina Bitschnau. Auch sie habe früher als Velokurierin gearbeitet, ergänzt sie. «Darum haben wir uns – mit Ausnahme einer längeren Velotour nach Flumserberg – nicht besonders auf die Fahrt nach Bern vorbereitet.» Ist St.Gallen denn eine Velostadt? Nein, lautet die bestimmte Antwort der geübten Velofahrerin. Es gebe noch grossen Handlungsbedarf, sagt Bitschnau.

«Das Velo soll in St.Gallen endlich als Verkehrsteilnehmer ernst genommen werden.»

«Ich will, dass Irma eine bessere Zukunft hat»

Die Berner Klimademo soll am Samstag auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen. Velofahren sei nur ein Weg, um der Umwelt und dem Klima Sorge zu tragen, sagt Bitschnau. Ein sorgsamerer Umgang mit Alltagsgegenständen helfe ebenfalls.

«Man muss nicht immer alles gleich wegwerfen und neu kaufen.»

Es ist kurz vor zehn Uhr. Cristina Bitschnau rückt das schwarze Stirnband der kleinen Irma zurecht und setzt ihr einen bunten Velohelm auf. Die weiteren Teilnehmer warten ungeduldig. Am 20.Oktober finden die Nationalratswahlen statt. Mit «I bike to move it» wolle man die Wählerinnen und Wähler dazu ermutigen, diejenigen Politiker zu wählen, welchen die Umwelt am Herzen liege.

«Ich will, dass meine Tochter Irma eine bessere Zukunft hat»,

sagt Bitschnau, tritt in die Pedalen, und fährt in Richtung Bern davon.