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Die Firma bleibt doch noch in der Familie: Zwei Brüder steigen über Umwege in den Sanitärbetrieb des Vaters ein

Notker Wirth hat 1980 ein Kleinunternehmen übernommen. Heute sind zwei seiner drei Söhne am Steuer und beschäftigen 40 Mitarbeiter.
Christoph Renn
Matthias (links) und Stefan Wirth (rechts) leiten das Geschäft von Vater Notker Wirth. (Bild: Lisa Jenny)

Matthias (links) und Stefan Wirth (rechts) leiten das Geschäft von Vater Notker Wirth. (Bild: Lisa Jenny)

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen
der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch.

Es ist ein Familienunternehmen wie aus dem Bilderbuch. Der Vater übernimmt eine Firma und baut sie aus. Seine Söhne steigen ins Geschäft ein, der Gründer geht in Pension. Das ist Sanitär Wirth. So logisch es heute ist, dass zwei der drei Söhne das Unternehmen leiten, so überraschend war dies für Vater Notker Wirth. «Früher hat es sich nicht abgezeichnet, dass meine Söhne dereinst die Firma leiten werden.» Sie hätten sich für alles andere als für das Sanitärunternehmen interessiert. «Umso stolzer bin ich heute, dass Sanitär Wirth in der Familie bleibt.»

Matthias, der mittlere der drei Wirth-Brüder, hat als einziger eine Lehre gewählt, die zum Geschäft des Vaters passt. Er hat die Ausbildung zum Heizungsinstallateur absolviert. «Als er aber nach Vancouver reiste, sah es lange so aus, als ob er dort bleiben würde», erinnert sich Vater Notker Wirth. Doch Matthias kehrte zurück, bestand 2012 die Meisterprüfung, erhielt ein Angebot als Geschäftsleiter einer Firma in Bern.

Ganz anders Stefan, der jüngste Wirth. Er wurde Hochbauzeichner, absolvierte das Militär, ging auf Reisen und war Skilehrer. Später bildete er sich zum Gebäudetechnikplaner weiter.

«Anfangs dachte ich nicht, dass ich das Geschäft meines Vaters übernehmen werde.»

Doch ein Anruf von Matthias, der damals in Bern lebte, änderte alles. Beide erinnern sich an das kurze Gespräch, als wäre es gestern gewesen. «Ich fragte Stefan, ob wir gemeinsam bei Sanitär Wirth einsteigen sollen», sagt Matthias Wirth. Der Entscheid fiel 30 Sekunden später. Das war vor sechs Jahren.

Es geht um Erfahrung, nicht um Verwandtschaft

Die beiden Brüder steigen 2013 ins Geschäft ein. «Es ging dabei nicht darum, dass sie meine Söhne sind», sagt Notker Wirth. Ihm sei es um die Erfahrung, die sie ins Unternehmen brachten, gegangen. «Natürlich habe ich bei ihnen aber etwas genauer hingeschaut.» Doch er sei jemand, der kein Problem damit habe, loszulassen. «Ich habe das Kleinunternehmen 1980 übernommen.» Nach 35 Jahre in der Rolle des Entscheidungsträgers ging Notker Wirth 2016 in Pension. Sanitär Wirth ist seither in den Händen der beiden Brüder Matthias und Stefan. Der älteste Bruder, Dominic, ist als Journalist tätig.

Die junge Generation hat die Verantwortung sofort übernommen. «Ich bin vor allem von ihrem Tempo beeindruckt», sagt Notker Wirth. So haben sie die Büros ausgebaut, einen Viertel mehr Leute eingestellt und die Abteilungen Service und Reparaturen ausgebaut. Heute sind bei Sanitär Wirth im Osten der Stadt an der Buchentalstrasse 40 Mitarbeitende beschäftigt, darunter sind sieben Lehrlinge.

Brüder dürfen nicht nachtragend sein

Nun führen Matthias und Stefan Wirth die Sanitär-Firma seit bald drei Jahren gemeinsam – ohne Vater. Drei Jahre, in denen sie sich selbst und ihren Bruder neu kennen gelernt haben.

«Wir sind nicht immer derselben Auffassung.»

Und weil sie Geschwister seien, würden sie Probleme direkt ansprechen. Das bringe Vor- und Nachteile. «Es gibt immer wieder Konflikte. Wichtig ist aber, dass wir schnell einen Strich darunter ziehen», sagt Matthias und Stefan fügt an: «Wir dürfen nicht nachtragend sein.»

Vater Notker ist Präsident des Verwaltungsrats, hat sich aus dem operativen Geschäft aber zurückgezogen. «Ich vertraue meinen Söhnen.» Trotzdem erfahre er, wenn es Problem gebe. «Ich gebe Ratschläge oder höre einfach zu», sagt Notker Wirth. Seine Expertise wird von den Söhnen geschätzt. Die wichtigste Person in der Familie bleibe aber die Mutter. «Ohne ihren Rückhalt wären wir nie so weit gekommen.»

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