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Auf Umwegen bis zur Ziellinie: Die Steinacher Triathletin ist eine Kämpfernatur

Sandrine Benz kennt das Auf und Ab des Spitzensports. Während des Sportstudiums entdeckte sie ihr Talent für den Triathlon. Nach einer gesundheitsbedingten Pause ist die Steinacherin heute so in Form wie nie.
Maria Keller
Entdeckte ihr Talent im Triathlon erst spät: Die Steinacherin Sandrine Benz ist nach gesundheitlichen Schwierigkeiten heute in Topform. (Bild: Benjamin Manser)

Entdeckte ihr Talent im Triathlon erst spät: Die Steinacherin Sandrine Benz ist nach gesundheitlichen Schwierigkeiten heute in Topform. (Bild: Benjamin Manser)

Als Sandrine Benz im vergangenen Jahr eine zehnmonatige Pause ankündigen musste, brach für die Triathletin eine Welt zusammen. Nach der Weltmeisterschaft in Rotterdam im September 2017, bei der Benz Bronze gewonnen hatte, startete es mit einer einwöchigen Grippe. «Das kann es ja mal geben», hiess es. Dann kamen in kürzeren Abständen eine Erkältung, Magen-Darm-Probleme und wieder eine Grippe dazu. «Wir wussten, irgendwas stimmt nicht.» Die Ärzte sind nicht fündig geworden. Januar, Februar und März vergingen, bis Benz schlussendlich an eine Adresse in Deutschland geschickt wurde.

Es stellte sich schliesslich heraus: Der Körper der 34-Jährigen reagiert schlecht auf Kunststoffzahnfüllungen, ausserdem hatte sich ein Parasit im Nervensystem eingenistet. Die Zahnfüllungen wurden ersetzt, der Parasit mit Medikamenten therapiert. Im Sommer konnte Benz wieder mit dem Training beginnen.

«Heute, nach dreiviertel Jahren habe ich eine Form erreicht, die ich noch nie zuvor hatte», sagt Benz. Vor Verletzungen oder zwangsbedingten Pausen sei keiner verschont. Sie sagt:

«Viele, die mental nicht stark sind, werden durch eine Verletzung entmutigt und wollen nicht mehr.»

Bei Benz war es beinahe so weit, aber es hat gereicht. «Der Spitzensport ist eine Lebensschule», sagt sie.

«Ich habe nichts verpasst»

Sandrine Benz sprüht einen jugendlichen Elan aus. «Ich habe gelebt», sagt sie. Die 34-Jährige ist verhältnismässig spät in den Spitzensport eingestiegen. Während ihres Sportstudiums, das sie ursprünglich absolvieren wollte, um Sportlehrerin zu werden, sei sie «einfach so reingerutscht». 2013 entschied sie sich, im Bereich der Kurzdistanz zu trainieren und wurde sehr schnell sehr gut darin. Kurzdistanz, das kann heissen 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen – die Sprintdistanz ist die Paradedisziplin von Benz. «Ich habe ein verborgenes Talent entdeckt, und entschied mich dazu, dem Ganzen einfach eine Chance zu geben», sagt Benz. «Meine Konkurrenz ist oft zehn Jahre jünger und hatte Zeit, Schritt für Schritt reinzuwachsen.» Viele hätten irgendwann das Bedürfnis, ihre Jugend nachzuholen, sagt Benz. Sie aber habe nichts verpasst.

Auch ihr Lebens-Set-up gestalte sich anders als das einer 20-Jährigen. Benz muss Job und Finanzen selbst jonglieren, arbeitet 20 Stunden als Sportlehrerin an der Oberstufe in Gossau, daneben trainiert sie 20 Stunden. «Mein Alltag ist sehr intensiv». Trotzdem ist da diese Energie, wenn die 34-Jährige spricht. Als könne sie jeden Moment vom Startblock springen und als Erste die Zielgerade erreichen. Von einer Erschöpfung, oder der möglichen Frustration durch ihre neueste Einschränkung, eine muskuläre Verletzung in der Wade, ist ihr nichts anzumerken. «Es war ein sehr strenger Februar», sagt sie aber.

Leidenschaft mit Einschränkung

Erst seit kurzem ist Benz umgezogen und wohnt nun mit ihrer Mutter in dem Haus, in dem sie aufgewachsen ist. Ihr Ziel ist es, hier zu bleiben. Die Familienplanung steht dabei im Hintergrund. Der Spitzensport stelle klar eine Einschränkung für eine Partnerschaft dar.

Die Triathletin Sandrine Benz lebt in Steinach, im Haus in dem sie aufgewachsen ist. (Bild: Benjamin Manser)

Die Triathletin Sandrine Benz lebt in Steinach, im Haus in dem sie aufgewachsen ist. (Bild: Benjamin Manser)

«Interessanterweise kenne ich viele Athleten, deren Freundin das Ganze mitmacht. Umgekehrt ist es jeweils schwieriger», sagt Benz und lacht. Sie lacht viel und ihr Grinsen zieht sich über ihr ganzes Gesicht. Benz sagt:

«Das Sportlerleben gibt mir momentan so viel, dass ich nicht bereit bin, es herzugeben.»

Aufhören sei erst eine Option, wenn sie morgens beim Aufstehen keine Lust mehr darauf habe, wenn sie keine Fortschritte mehr mache oder die Karriere durch äussere Faktoren gebremst würde. So wie es letztes Jahr beinahe der Fall war. Wenn ihre Karriere fertig sei, habe sie bereits mehrere Hintertürchen bereit. Eine Weltreise steht noch auf der To-Do-Liste, ausserdem möchte sich Benz im mentalen Coaching schulen lassen.

An der Heim-WM setzt Benz nicht alles aufs Spiel

Bis dahin geht das Training aber weiter: In zehn Tagen geht sie dafür auf die Kanaren. Noch vier Wochen sind es bis zur Duathlon-WM in Spanien, ausserdem findet Ende August eine Heim-WM in Lausanne statt. «Eine WM im eigenen Land – das ist schon etwas Besonderes!» Benz ist rastlos, motiviert und trotzdem kennt sie ihre Grenzen. «Ich werde an der WM nichts riskieren.» Aus ihr spricht die Erfahrung, zu viel steht auf dem Spiel.

Einen besonderen Moment erlebte Benz im letzten Herbst. An diesem Tag gewann die Steinacherin im Sprint-Duathlon EM-Gold. Nach den zehn Monaten Pause, in der die Sportlerkarriere auf der Kippe stand, habe sie dieser Erfolg tief berührt. «Das war bis heute der emotional tiefste Moment für mich. Diese Dankbarkeit werde ich nicht vergessen.» Sie hätte nicht erwartet, dass es möglich sei, nach so kurzer Zeit eine solche Leistung abzurufen. «Beim Eintreffen an der Ziellinie dachte ich erst, etwas sei falschgelaufen.»

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