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«Auf Sonnenwetter zu hoffen, reicht nicht» – Stadtsanktgaller Ausflugsbeizen überleben dank Herzblut und Investitionen

Meldungen über Restaurants, die schliessen müssen, häufen sich. Ein Blick auf bekannte städtische Ausflugsrestaurants zeigt: Konstanz ist Trumpf. Ohne Investitionen und Innovationen überleben aber auch sie nicht.
Christoph Renn
Freut sich auf die warmen Monate: Peter Fässler wirtet seit 20 Jahren im «Scheitlinsbüchel». (Bild: Benjamin Manser)

Freut sich auf die warmen Monate: Peter Fässler wirtet seit 20 Jahren im «Scheitlinsbüchel». (Bild: Benjamin Manser)

Petrus hat sich in den vergangenen Tagen von seiner freundlichen Seite gezeigt. Die Sonnenstrahlen haben auch Peter Fässler ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Denn schönes Wetter bedeutet für den Pächter des Restaurants Scheitlinsbüchel neben den Drei Weieren viele Gäste. Die Terrasse füllt sich an schönen Tagen schnell, die sonnigen Plätze sind beliebt. «An solchen Tagen müssen wir Umsatz generieren», sagt Fässler. Dies fordere von seinen Mitarbeitern Extraschichten. Doch: «Wir können uns nicht nur auf die schönen Tage konzentrieren. Dann könnten wir als Ausflugsrestaurant nicht überleben.»

In den vergangenen Jahren mussten verschiedene sogenannte Ausflugsbeizen in der Peripherie der Stadt schliessen. Einige, wie der «Schwarzer Bären», eröffnen bald ihre Tore wieder. Wieder andere sind zu Institutionen geworden, die aus der St.Galler Gastroszene nicht mehr wegzudenken sind, wie zum Beispiel der «Untere Brand» oder die «Falkenburg». Wieso aber können sich einige Restaurants gegenüber anderen durchsetzen? Für Fässler ist die Antwort klar: «Es geht nur mit sehr viel Herzblut und motivierten Mitarbeitern. Vor allem braucht es die Unterstützung und das Vertrauen des Vermieters.»

Den Betrieb von den Eltern übernommen

Der gelernte Koch Peter Fässler und seine Frau Gabriela wirten nun seit 20 Jahren erfolgreich im «Scheitlinsbüchel». Fässler hat das Restaurant 1998 von seinen Eltern übernommen. Seither floss viel Geld in die Liegenschaft der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. So wurde das Restaurant 2013 um rund 30 Plätze erweitert. «Ohne diese Investitionen wären wir heute nicht, wo wir sind», ist sich Fässler sicher.

Aber nicht nur bauliche Neuerungen seien für den erfolgreichen Betrieb eines Ausflugrestaurants in der Stadt nötig. «Wir haben auch unser Konzept immer wieder den Gegebenheiten angepasst.» Nur einer Linie ist der Wirt stets treu geblieben: «Wir setzen auf traditionelle, währschafte Schweizer Küche», sagt er. Was jedoch nicht ausschliesse, dass neben altbewährten Klassikern immer wieder neue Kreationen auf die Gäste warten.

Ein Erfolgsfaktor für ein Ausflugsrestaurant sei neben der schönen Aussicht und den Parkmöglichkeiten das konstante Angebot, sagt Fässler. «Wir dürfen keinen Unterschied machen, ob die Sonne scheint oder ob es regnet.» Um unabhängiger von äusseren Bedingungen zu sein, hat sich Fässler auch auf die Bewirtschaftung von Gruppen spezialisiert. «Deshalb haben wir auch im Herbst und Winter genügend Gäste», sagt er. Denn er könne die kalten Monate nicht mit dem Umsatz der warmen quersubventionieren. «Es funktioniert nur mit einem erfolgreichen Jahresbetrieb.»

Ausflugsrestaurants funktionieren noch lange

Peter Fässler glaubt nach wie vor an den Wert und die Chancen von Ausflugsbeizen in der Stadt. «Ich habe beobachtet, dass die Leute in den vergangenen Jahren wieder vermehrt den Weg in die Naherholungsgebiete an der Peripherie auf sich nehmen», sagt er. Aber er stellt auch klar, dass es nicht ausreiche, den Spaziergängern ein frisches Getränk zu verkaufen. Deshalb brauche es Mut und Durchhaltevermögen, um ein neues Restaurant im Naherholungsgebiet der Stadt zu eröffnen.


Die Gaststätte im Osten für Familien

«Die grösste Herausforderung ist das Wetter», sagt Matthias Koss, Betriebsleiter im «Guggeien-Höchst». So müsse die Küche und das Personal von einem Moment auf den anderen bereit sein, wenn sich die Sonne zeige. Das Restaurant hat sich laut Koss auf Familien und grosse Anlässe wie Taufen, Firmenfeste oder Bankette spezialisiert. So gibt es einen Spielplatz und ein Spielzimmer im Innern des Restaurants. Ohne die Anlässe sei es fast unmöglich, einen Ganzjahresbetrieb an dieser Lage im Osten der Stadt aufrechtzuerhalten. Wie die anderen Restaurants an der Peripherie der Stadt setzt auch das «Guggeien-Höchst» auf gutbürgerliche Küche und auf regionale Produkte.

Im Oktober wurde das Restaurant an der Höchster Strasse 67 umfassend renoviert. «Wir haben es so gestaltet, wie es früher war», sagt Matthias Koss. So sind beispielsweise die Tische aus Eichenholz gemacht.


Nahe an der Stadt, mitten in der Natur

Vor allem bei Wanderern ist der «Untere Brand» ein beliebtes Ausflugsziel. Doch von ihnen allein könnte das Restaurant nicht leben, sagt Wirtin Elisabeth Linder. Vor allem, weil vorwiegend junge Familien oft mit dem eigenen Rucksack unterwegs seien und nicht einkehren würden. So setze auch die Familie Linder vermehrt auf die Bewirtschaftung von grösseren Gruppen. Und sie könne auf viele treue Stammkunden zählen. «Ihnen gefällt, dass das Restaurant so nahe bei der Stadt liegt, aber man trotzdem das Gefühl hat, mitten in der Natur zu sein.» Wie in den anderen Ausflugsrestaurants genügt es auch im «Unteren Brand» nicht mehr, nur auf schönes Wetter zu hoffen.

Die Familie Linder feiert im kommenden Jahr ein Jubiläum im «Unteren Brand». «Wir wirten dann seit 50 Jahren an diesem schönen Ort an der Brandstrasse 40 an der Peripherie der Stadt St.Gallen», sagt Linder.


Freundlichkeit als oberstes Gebot

Sanja und Patrick Wetzold führen seit dreizehn Jahren das Restaurant Falkenburg in St.Georgen. Sie wissen, was es bedeutet, ein Aussichtsrestaurant zu führen: In der «Falkenburg» sei eine grosse Flexibilität im Bezug auf Freitage und Bedürfnisse nötig. Da müssten die Wirte des Öftern auf die eigenen Bedürfnisse verzichten. Für sie ist klar: «Freundlichkeit ist das oberste Gebot in unserem Restaurant.» Zudem sei es wichtig, nette Servicemitarbeiter zu haben, die auch in hektischen Phasen Ruhe bewahren.

In diesem Jahr wagen die Wirte einen weiteren Schritt und eröffnen im Mai zusammen mit der Ortsbürgergemeinde St.Gallen im heimatgeschützten Riegelhaus nebenan ein Mini-Hotel. «Wir wollen den Gästen nebst dem bekannten Speiseangebot mit Traumaussicht im Restaurant Falkenburg nun auch eine Übernachtungsmöglichkeit bieten», sagen sie.


Nur am Wochenende offen

Zwei Ausflusgrestaurants in der Stadt haben jeweils nur am Wochenende offen. Im «Gübsensee» werden die Gäste an den Sonntagen bedient und nur bei schönem Wetter. «Ab 15 Personen öffnen wir aber auch an anderen Tagen», sagt Gastgeber Franco Montanaro. Er und seine Frau hätten 35 Jahre lang gewirtet, seien nun pensioniert und hätten deshalb den Betrieb begrenzt.

Am Freitag und jeweils am ersten Samstag und Sonntag des Monats hat das Gasthaus Kurzeck. Am 20. April feiern die drei Schwestern Rosmarie Germann, Silvia Grevinga und Marianne Wild-Falk, die das Restaurant betreiben, das einjährige Bestehen. «Wir führen es in fünfter Generation», sagt Wild-Falk. Die Familie hat das Gasthaus 1848 gekauft. In der Küche steht Cousin Martin Falk, der Besitzer und Betreiber des Hotels Sonne in Abtwil war. Auch sie bedienen Gruppen ab 20 Personen ausserhalb der Öffnungszeiten.


Gute Küche neben dem Wildpark

Als familienfreundliches Restaurant mit guter Küche ist das «Peter und Paul» neben dem gleichnamigen Wildpark bekannt. Auch hier ist Tradition und Konstante Trumpf. Denn Gastgeberin Hedi Schiess waltet seit mehr als 25 Jahren im Ausflugsrestaurant hoch über der Stadt. Sie ist gemäss Webseite die einzige Fraue mit Gilde-Koch-Status der Ostschweiz. Ihre Speisekarte ist saisonal ausgerichtet und sie kocht traditionell französisch. Einen Schwerpunkt setzt Hedi Schiess in der Wildsaison.

Auch das Restaurant Peter und Paul beim Wildpark hat sich stets verändert und wurde im Jahr 2009 umfassend saniert. So wurde damals die frühere Seitenterrasse als Panorama-Wintergarten ins Restaurant integriert. Das Restaurant an der Kirchlistrasse 99 gilt im Rotmonten-Quartier als gastronomische Konstante. Vor allem, nachdem andere Restaurants in Rotmonten schliessen mussten.

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