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Rorschachs Ritter der Richtigkeit

Martin Keller sorgt dafür, dass in der Region Rorschach-Rheintal Zapfsäulen, Waagen und Abgastester richtig ticken. Er ist der Eichmeister.
Martin Rechsteiner
Eichmeister Martin Keller muss oft zu entlegenen Orten. Deshalb ist er meist mit dem Auto unterwegs. (Bild: Benjamin Manser)

Eichmeister Martin Keller muss oft zu entlegenen Orten. Deshalb ist er meist mit dem Auto unterwegs. (Bild: Benjamin Manser)

Martin Keller aus Berneck ist einer von 60 in der Schweiz: Er ist Eichmeister. Sein Reich sind die Masse, also Gewicht, Volumen oder Länge. Der Job eines Eichmeisters ist ein verantwortungsvoller. Der Spezialist ist in seiner Umgebung dafür zuständig, dass etwa Waagen, Zapfsäulen oder Abgastester richtig funktionieren, also: Gibt eine Tankstelle tatsächlich 20 Liter Benzin her, wenn man so viel bezahlt, oder befindet sich in der Fertigpackung eines Nahrungsmittelkonzerns tatsächlich ein Kilo Tiefkühlerbsen wie darauf angegeben?

Das «Eichgebiet» von Martin Keller umfasst das Rheintal sowie Rorschach und Umgebung. «Ich sehe mich als Marktüberwacher. Der Eichmeister ist ein Schützer des Konsumenten, aber auch des Produzenten», sagt Keller.

Eine «Boje» im Gepäck

Heute hat er einen Termin am Flugplatz Altenrhein. Die Tanklastwagen für die Flugzeuge müssen geeicht werden. «Ich überprüfe, ob tatsächlich so viel Kerosin herauskommt, wie die Anlage des Fahrzeugs angibt.» Das sei wichtig, denn so werde sichergestellt, dass die Fluggesellschaft nicht zu viel oder zu wenig bezahle für den tatsächlich bezogenen Treibstoff.

Eichmeister im Einsatz: Martin Keller muss einen Tanklaster am Flugplatz Altenrhein prüfen. Im Hintergrund zu sehen "die Boje" - der Messtank. (Bild: Benjamin Manser)

Eichmeister im Einsatz: Martin Keller muss einen Tanklaster am Flugplatz Altenrhein prüfen. Im Hintergrund zu sehen "die Boje" - der Messtank. (Bild: Benjamin Manser)

Dafür hat Keller einiges an Gerätschaft dabei. Darunter einen Auto­anhänger, der an eine grosse Boje erinnert. «Das ist der Messtank. Damit kann ich die Kerosinmenge überprüfen», sagt er. Mit Mitarbeitern des Flugplatzes schliesst er das Ungetüm aus Aluminium am Tanklaster an. «Versuchen wir es einmal mit zweitausend Litern», weist er sie an. Die Mitarbeiter tun wie geheissen und tippen am Bordcomputer des Fahrzeugs die entsprechende Menge ein. Keller schaut ihnen über die Schulter, geht dann zurück zum Tank und liest den Füllstand ab. Dann rechnet er. «Bei diesen kühlen Temperaturen ziehen sich sowohl der Tank als auch das Kerosin zusammen. Das müssen wir berücksichtigen.»

Zusammen mit den Mitarbeitenden des Flugplatzes prüft Keller die Kerosinmenge. (Bild: Benjamin Manser)

Zusammen mit den Mitarbeitenden des Flugplatzes prüft Keller die Kerosinmenge. (Bild: Benjamin Manser)

Dreimal lässt er den Kontrolltank befüllen und wieder entleeren. «Auf 2000 Liter eine Abweichung von einem halben Liter. Das ist in Ordnung», sagt er schliesslich. Sechs Liter wären hier laut Gesetz erlaubt. Er bringt einen runden, rot-weissen Aufkleber am Tankfahrzeug an, der bescheinigt, dass alles in Ordnung ist. «Diese Aufkleber finden Sie überall, wo geeicht wird. Also an Tankstellen, Abpackmaschinen, aber auch an jeder Waage in der Migros oder in einem Hofladen.»

Tests mit Speziallastwagen

In Kellers Aufgabengebiet von Rüthi im Rheintal bis Steinach fallen knapp 700 Zapfsäulen an Tankstellen, etwa 30 Tankfahrzeuge, rund 100 Garagen mit Abgastestern, 30 Industriebetriebe mit Abpackmaschinen und als grösste Gerätegruppe: 1400 Waagen. «Die kleinste steht in einem Indus­trielabor und misst im Bereich von einem hunderttausendstel Gramm. Die grösste ist eine Eisenbahnwaage mit einer Skala bis 200 Tonnen.» Im Rhythmus von ein bis drei Jahren testet er sämtliche, je nach Vorschrift. Grundsätzlich erscheint er ohne Anmeldung. Es gibt aber Ausnahmen:

«Bei grossen Waagen etwa brauche ich einen Speziallastwagen mit Gewichten, den ich aus Bern bestelle. Damit kann ich natürlich nicht spontan bei jemandem aufkreuzen.»

Die Betriebe sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihm überallhin und zu allen Geräten Zugang zu gewähren. Meist funktioniere das gut. «Für gewöhnlich sind die Leute zufrieden, wenn ich vorbeikomme», sagt Keller. «Es gab aber auch schon Versuche, mich abzuwimmeln.» Davon lässt sich der Eichmeister aber selten beeindrucken. «Meine Argumente sind für gewöhnlich gut genug, um die Leute zu überzeugen, meist störe ich den Betrieb auch nicht.» Und auf politische Diskussionen oder Ähnliches lasse er sich nicht ein.

«Einmal liess mich ein Metzger nur widerwillig seine Waage prüfen und eichen», sagt Keller. Doch dann habe sich herausgestellt, dass das Gerät ein viel zu tiefes Gewicht anzeigte. «Der Mann hat deshalb bei jedem Verkauf zu wenig verrechnet, im Jahr wahrscheinlich mehrere hundert Franken.» Froh und ganz freundlich sei der Metzger daraufhin geworden und habe ihn freundlich gebeten, doch bald wieder einmal vorbeizukommen. «Solche Erlebnisse stimmen mich glücklich», sagt Keller mit einem Schmunzeln.

Ein Einmannbetrieb

Martin Keller arbeitet zwar im Auftrag des Kantons, ist jedoch selbstständig. «Die Eichmeister werden von den Behörden gewählt, müssen ihren Betrieb aber selbst führen und mit ihren Einnahmen finanzieren.» So kosten seine Besuche etwas. «Es hängt von meinem Aufwand ab. Eine kleine Handelswaage eiche ich für 25 Franken. Brauche ich aber einiges an Gerät und verursacht die Eichung viel zusätzliche Arbeit im Büro, kostet es mehr.» Alles behalten darf er aber nicht. «Ein Prozentsatz geht an die Aufsichts­behörden bei Kanton und Bund.»

Keller hatte bis vor kurzem einen anderen Job. «Als Ingenieur habe ich in der Entwicklung bei Leica gearbeitet. Doch dann wurde mein Vater, seinerseits Eichmeister, vor zwei Jahren ­pensioniert. Da habe ich entschieden, seinen Betrieb zu übernehmen und mich zur Wahl zu stellen», sagt er 37-Jährige. Es klappte. Keller absolvierte daraufhin die nötige Ausbildung und die eidgenössischen Prüfungen, seit zwei Jahren ist der dreifache Familienvater Eichmeister in der Region. «Ich mag den Beruf. Ich bin mein eigener Chef, kann im technischen Bereich arbeiten, und auch das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz. Und natürlich gefällt mir die Abwechslung.» Keller muss los. Es wartet noch ein weiteres Tankfahrzeug auf eine Eichung. Dann sind Zollwaagen in Au und Rheineck an der Reihe. Und in den Tagen darauf Milchtanklastwagen in Staad.

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