«Auf die erste Klage warte ich noch»: Der 81-jährige Eggersrieter Schnitzelbänggler Robert Anderegg denkt noch lange nicht ans Aufhören

Er ist ein Urgestein der Stadtsanktgaller Schnitzelbänggler: Robert Anderegg aus Eggersriet tritt seit 36 Jahren als «Pfannehäxe» auf. Ans Aufhören denkt der verheiratete Vater von fünf Kindern auch mit 81 Jahren noch nicht.

Marion Loher
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Die Helgen für die Auftritte von Schnitzelbänggler Robert Anderegg sind gemalt.

Die Helgen für die Auftritte von Schnitzelbänggler Robert Anderegg sind gemalt.

Bild: Benjamin Manser

Robert Anderegg schüttelt den Kopf und lächelt spitzbübisch. «Keine Chance», sagt er, «vor Fasnachtsbeginn wird nichts verraten.» Keine Namen von denen, die durch den Kakao gezogen werden, keine Themen, die pointiert kommentiert werden. Der 81-jährige Eggersrieter ist einer der drei «Pfannehäxe», die ab dem schmutzigen Donnerstag bis am Fasnachtsdienstag durch die Beizen der St.Galler Innenstadt ziehen und mit ihren Schnitzelbänken die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler zum Schmunzeln bringen.

In den vergangenen Wochen hat der pensionierte Grafiker intensiv an seinen Reimen gefeilt und die dazu passenden Helgen gemalt. Nur seine beiden Töchter Rahel und Barbara, die zusammen mit ihm seit gut zehn Jahren das «Pfannehäxe»-Trio bilden, wissen, wer und was in diesem Jahr «dran» kommt. «Die beiden sind meine härtesten Kritikerinnen», sagt Anderegg.

«Gefällt ihnen ein Vers nicht oder verstehen sie die Pointe nicht, schreibe ich den Text nochmals um.»

Für ihn als Schnitzelbänggler gebe es nichts Schlimmeres, als wenn am Schluss niemand lache. «Das ist zwar auch schon vorgekommen», gibt er zu, «aber dann wird für den nächsten Abend einfach nachgebessert.»

«Herzlich böse»

Vor 36 Jahren hatte Anderegg seinen ersten Auftritt mit den «Pfannehäxe». Damals noch zusammen mit Martin Reiter und Peter Jörg. Der gebürtige Stadtsanktgaller, der seit 52 Jahren in Eggersriet wohnt, erinnert sich noch gut daran. «Der Auftritt ging voll in die Hosen», sagt er und lacht. Wie die meisten Basler Schnitzelbänggler hätten auch sie ihre bemalten Plakate an der Stange präsentieren wollen. Doch die Konstruktion hielt nicht. «Plötzlich fiel alles auseinander und die Helgen lagen verstreut auf dem Boden.»

In den nächsten Beizen mussten die Drei improvisieren. Anderntags nahmen sie als Ablage für die Plakate einen Wäscheständer – und der hielt. Seither gehört der Wäscheständer zu den «Pfannehäxe» wie der Blumenschmuck auf dem Kopf, die Kochschürze und die weisse Maske.

In all den Jahren hat es innerhalb des Trios immer wieder Wechsel gegeben, nur Anderegg ist geblieben.

«Es macht mir grosse Freude, die Leute zum Lachen zu bringen.»

Er staune immer wieder, wie unterschiedlich die einzelnen Verse in den verschiedenen Beizen ankomme. «Tendenziell lachen die Linken weniger als die Rechten», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Anderegg liebt es, «herzlich böse» zu sein. Da müssen schon einmal der Papst und die SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin und unsere deutschen Nachbarn daran glauben.

Die Themen seiner Schnitzelbänke sind oft politisch und «total unkorrekt». Eine Klage habe er deswegen aber noch nie am Hals gehabt. «Darauf warte ich noch», sagt er und lacht. «Die kann ich dann gleich für meine nächste Schnitzelbank verwenden.» Was darf Satire seiner Meinung nach? «Alles, aber es kommt darauf an, wie man es macht.» Es gebe geschmackvolle und weniger geschmackvolle Satire. Eine Grenze hat er für sich dennoch gezogen.

«Ich würde mich nie über Menschen mit einer Behinderung lustig machen. Das wäre geschmacklos.»

14 Auftritte an vier Abenden

Mit seinen 81 Jahren gehört Robert Anderegg zu den Urgesteinen der Stadtsanktgaller Schnitzelbänggler. Ans Aufhören denkt der verheiratete Vater von fünf Kindern und Grossvater von acht Enkelkindern aber noch nicht. «Solange es mir gesundheitlich gut geht und die Leute noch über meine Schnitzelbänke lachen, mache ich weiter.»

14 Auftritte an vier Abenden stehen für die «Pfannehäxe» an der diesjährigen St.Galler Fasnacht an. «Klar ist das streng und steckt man in meinem Alter nicht mehr so locker weg.» Aber das Fasnachtsfieber sei grösser. Er freut sich, dass es bald losgeht. Die Reime sitzen, die Helgen sind gemalt. Dann lässt er sich doch noch den Namen einer Person seiner aktuellen Schnitzelbank entlocken. «Trump geht immer.»