«Auf den Strassen ist es ruhiger geworden»: Die St.Galler Stadtpolizei hat wegen des Corona-Virus nicht mehr Arbeit 

Die Stadtpolizei konnte Gruppen bisher nur zur Auflösung auffordern. Nun gibt es für Ansammlungen von über fünf Personen eine Busse.

Christoph Renn
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Die Stadtpolizei setzt derzeit auf eine erhöhte Präsenz in der Stadt.

Die Stadtpolizei setzt derzeit auf eine erhöhte Präsenz in der Stadt. 

Bild: Ralph Ribi (24. Juli 2018)

Läden, Restaurants und Cafés in der Stadt bleiben seit Anfang Woche geschlossen. Das Leben in St.Gallen steht still, ist aufs Minimum reduziert. In anderen Städten wie Zürich funktioniert dies aber nicht wie gewünscht: nicht alle halten sich an die Vorgaben des Bundes. An See und Fluss versammeln sich grosse Gruppen und geniessen das sommerliche Wetter.

Dionys Widmer, Sprecher St.Galler Stadtpolizei

Dionys Widmer, Sprecher St.Galler Stadtpolizei

Bild: PD

Auch in St.Gallen halten sich immer wieder zu grosse Menschenmengen an einem Ort auf. Bisher hatte der Stadtpolizei aber eine rechtliche Regelung gefehlt. Am Donnerstagabend hat der Kanton empfohlen, Ansammlungen mit mehr als 15 Personen nicht mehr zu tolerieren. «Mit dieser Handhabung haben wir bis Freitagabend grössere Gruppen aufgefordert, sich aufzulösen», sagt Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei.

Der Bund hat am Freitagnachmittag die Regel aber noch verschärft: Neu gilt die Fünf-Personen-Regelung.

«Nun haben wir eine rechtliche Vorgabe und können im Notfall eine Ordnungsbusse von hundert Franken ausstellen.»

Grundsätzlich zieht Widmer seit der Verschärfung der Vorgaben des Bundes im Kampf gegen das Corona-Virus am Montag eine positive Bilanz. «Auf den Strassen ist es ruhiger geworden», sagt er. Dies widerspiegele sich auch bei den Einsätzen der Stadtpolizei. Die Anzahl der Einsätze sei vergleichsweise tief.

Vor allem die betroffenen Geschäfte und Restaurants würden sich an die bundesrätlichen Verbote wie die Ladenschliessungen halten. «Bis anhin klappt es in St.Gallen gut.» Es kam noch zu keiner Anzeige wegen Nichtbefolgen der Verordnung. Bei einigen Betrieben herrschte anfangs noch Unsicherheit, ob sie offenhalten dürfen oder nicht. Hierbei habe die Stadtpolizei die Situation mit dem Kanton geklärt und die Regelung den Betrieben mitgeteilt.

Viele bleiben wie empfohlen zu Hause

Der Grossteil der Bevölkerung reagiere richtig. Viele bleiben wie empfohlen zu Hause, wenn es die Arbeit zulässt. Den Sanktgallern ist es nicht nach Feiern zu Mute; nicht wie in anderen Städten. «Bis anhin haben wir weder selbst eine private Party festgestellt noch sind Meldungen bei der Stadtpolizei diesbezüglich eingegangen», sagt Dionys Widmer.

Mit der neuen Fünf-Personen-Regelung werde die Stadtpolizei nun Gruppierungen in der Stadt auflösen. Auch auf Drei Weieren gelten laut Widmer dieselben Regeln. Zudem weist er auf den Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Personen hin.

Wie sich die Einsätze der Stadtpolizei verändern, falls der Bund eine Ausgangssperre ausspricht, kann Widmer nicht sagen.

«Momentan sind wir personell gut aufgestellt.»

So könnten sie auch bei einer Ausgangssperre die bundesrätlichen Regeln in der Stadt St.Gallen durchsetzen. Das Corona-Virus beeinflusse die Einsätze der Stadtpolizei noch nicht einschneidend. Auf die personelle Unterstützung durch die Armee sei die Polizei im Moment also noch nicht angewiesen.

Das Virus beeinflusst den Tagesablauf der Stadtpolizei noch nicht stark. «Momentan rücken die Beamten primär wegen Fällen aus, welche schon vor Monaten anstanden», sagt Widmer und nennt Beispiele: «Unfälle, Verkehrsübertretungen, häusliche Gewalt oder Lärm.» Es sei spürbar, dass sich die Anzahl Einsätze über das Ganze verringert habe. Momentan sei die Lage ruhig. «Wir setzen aber nach wie vor auf eine starke Polizeipräsenz in St.Gallen.» So seien Patrouillen rund um die Uhr in der ganzen Stadt unterwegs und für Anliegen aus der Bevölkerung da.

So schützen sich die Beamten vor dem Virus

Die Beamtinnen und Beamten müssen aber nicht nur die Bevölkerung, sondern auch sich selbst vor dem Virus schützen. So werden bei der Stadtpolizei administrative Aufgaben wenn immer möglich im Homeoffice ausgeführt. «Zudem arbeiten wir teils im Split Operating, sprich, dass sich die Gruppen aufteilen, damit bei einer allfälligen Ansteckung mit dem Virus nicht ein komplettes Team ausfällt», sagt Widmer.

Weiter seien alle Mitarbeitende angewiesen, sich konsequent an die Hygienevorschriften des Bundes zu halten. «Ebenso wurden intern verschiedene Massnahmen ergriffen, um Mitarbeitende zu schützen.» So wurden Pausenräume aufgeteilt, um Abstand zu schaffen, oder Rapporte werden in grossen Räumen oder per Telefonkonferenz abgehalten.

In der Tendenz versucht die Stadtpolizei laut Dionys Widmer, die Aufgaben mit weniger Personen auszuführen als gewohnt. So könne die Möglichkeit einer Ansteckung über viele Mitarbeitende verkleinert werden.

«Fallen trotzdem plötzlich einige Beamtinnen und Beamte aus, gäbe es im Hintergrund Einsatzkräfte, welche eingesetzt werden können.»

Die Frontmitarbeiter wurden für Verdachtsfälle zudem mit Schutzmaterial ausgerüstet. Zudem seien bei den Polizistinnen und Polizisten auf Patrouille die Hygienemassnahmen dann umso wichtiger, falls sie beispielsweise bei einer Anhaltung oder einer Verhaftung einer Person näheren Kontakt mit dieser haben.

«Als Polizei sorgen wir aber auch in dieser speziellen Zeit für Ruhe, Ordnung und Sicherheit», sagt Widmer. Da sei es unumgänglich, dass Personen auch mal ungeplant näher in Kontakt kommen. Deshalb wurden für die Mitarbeitenden der St.Galler Stadtpolizei zusätzliche Handlungsanweisungen für unterschiedliche Situationen herausgegeben.