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Auf den Spuren des Rorschacher Abfalls

Täglich sammeln die Müllmänner in der Region mehrere Tonnen Abfall und bringen ihn zur Verbrennungsanlage nach St. Gallen. Dass der Abfall laut Statistik abnimmt, merken sie nicht. Dafür wundern sie sich über die weggeworfenen Dinge.
Ines Biedenkapp
18 Bilder

Auf den Spuren des Rorschacher Mülls

Es ist kurz nach 6 Uhr morgens. In den meisten Häusern ist es dunkel, die Rollläden sind zugezogen. Bei der Zürcher Transport AG in Goldach herrscht aber reges Treiben. Die Mitarbeiter der Firma richten sich für ihre erste Runde. Die Rede ist von den Müllmännern, die täglich unterwegs sind, um Kehricht, Papier oder Grünabfälle einzusammeln.

Marcel Zingg fährt eines der beiden Müllfahrzeuge. Seit zwölf Jahren ist er dabei. Hinten am Wagen stehen Toni Dimas und Jo aus Jamaika. Die beiden kümmern sich um das Einsammeln der Abfallsäcke und sie leeren die Container. Nach einer kurzen Kontrolle des Fahrzeugs geht es los.

181 Kilogramm Kehricht pro Kopf

Die Region Rorschach gehört zur A-Region und ist nach Kreisen zusammengefasst. Goldach, Rorschach, Rorschacherberg und Tübach gehören zu Kreis F, Untereggen und Thal zu Kreis A, während Rheineck zum Zweckverband Rheintal angehört. Die Männer der Zürcher Transport AG entsorgen den Abfall von Tübach bis Rorschacherberg. Die Route hat Fahrer Zingg im Kopf.

«Ich kenne jeden Abfalleimer und Container der Region», sagt er lachend.

Seit Jahren sinkt die Abfallmenge. Noch vor zehn Jahren, produzierte die Region 987 Tonnen, das sind umgerechnet 202 Kilogramm Kehricht pro Kopf. Vergangenes Jahr waren es noch 860 Tonnen oder 181 Kilogramm pro Kopf. Die drei Müllmänner merken davon nichts. «Wir holen täglich mehrere Tonnen Abfall und bringen ihn zur Kehrichtverbrennungsanlage nach St. Gallen», sagt Zingg. Im Vergleich liegt die Region Rorschach damit unter dem kantonalen Durchschnitt von 190 Kilogramm.

Kurz vor neun gönnen sich die drei Männer eine kurze Kaffeepause. Im Wagen haben sie bereits siebeneinhalb Tonnen Kehricht geladen. Das Team von Marcel Zingg findet auch viele Wertstoffe in den normalen Kehrichtabfällen. Auf der Runde sind etwa alte Ski, ein kleines, lila Sofa und ein Grillrost dabei. In Goldach sind es etwa drei Kilogramm Altmetall pro Kopf und Jahr, in Rorschacherberg gar vier Kilo. «Die Leute werfen so vieles weg, dass sie eigentlich kostenlos entsorgen könnten», sagt der Familienvater. «Es ist der Wahnsinn, was da täglich alles im Abfall landet.»

Der Abfall geht nach St.Gallen

Konzentriert fährt Zingg den Wagen durch die Strassen, steigt auch immer wieder aus, um seinen Kollegen zu helfen. Was für den Laien nach einfachem Müll einsammeln aussieht, ist harte Arbeit und Teamwork. Ein voll beladener Container kann 300 Kilogramm auf die Waage bringen. Toni Dimas und Marcel Zingg ziehen die vollen Behälter daher meist zusammen zum Fahrzeug, während Jo die Schalter der Presse bedient und den Container leert. Bei der Leerung wird der Behälter zweimal gewogen. Einmal in vollem und einmal in leerem Zustand.

Der Bordcomputer errechnet das Gewicht und zeigt die Daten auf einem kleinen Bildschirm im Führerhaus an. Mittels Chip an den Containern werden die Daten gespeichert und sind jederzeit für die Unternehmer der A-Region abrufbar. Um kurz nach 10 Uhr ertönt ein Piepston im Fahrerhaus.

«Das ist das Zeichen, dass der LKW jetzt voll ist», sagt Zingg.

«Dann können wir nicht mehr viel aufladen.» Einzelne Säcke am Strassenrand werden noch mitgenommen, doch der Chauffeur schlägt schon den Weg zur Kehrichtverbrennungsanlage ein. Diese befindet sich in St. Gallen.

Dort angekommen, meldet sich Marcel Zingg mit einer Karte im System an. Ein Zettel wird, wie in einem Parkhaus, gedruckt und der Wagen gewogen. Der einzige Unterschied, der Zettel zeigt einem das Tor zur Entladung an. Mittels der Hydraulik geht das Entladen schnell. Der Wagen wird nochmals gewogen. Das Ergebnis an diesem Morgen sind 14 Tonnen Abfall. Damit hört der Tag für die drei Männer jedoch noch nicht auf. Für sie geht es auf die zweite Runde, bis alle Säcke in der Region eingesammelt sind.

Die Grafiken zur Reportage

Um zur Grafik zu gelangen, klicken Sie auf «dieses Element anzeigen».

Kehricht 2016 Kilogramm pro Kopf

050100150200GoldachRorschachRorschacherbergSteinachTübachUntereggenRheineckThalGemeinde

Papier und Karton 2016 Kilogramm pro Kopf

020406080GoldachRorschachRorschacherbergSteinachTübachUntereggenRheineckThalGemeinde

Altglas 2016 Kilogramm pro Kopf

0102030GoldachRorschachRorschacherbergSteinachTübachUntereggenRheineckThalGemeinde

Altmetall 2016 Kilogramm pro Kopf

012345GoldachRorschachRorschacherbergSteinachTübachUntereggenRheineckThalGemeinde

Alu und Weissblech 2016 Kilogramm pro Kopf

0,00,51,01,52,02,5GoldachRorschachRorschacherbergSteinachTübachUntereggenRheineckThalGemeinde

Organische Abfälle 2016 Kilogramm pro Kopf

020406080100120GoldachRorschachRorschacherbergSteinachTübachUntereggenRheineckThalGemeinde

Die Kleinsten sammeln am meisten

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Tübach, die kleinste Gemeinde der Region, produziert die grösste Menge an Papier. Wird dort also mehr gesammelt, oder fällt davon mehr an?

Eigentlich müssten alle Gemeinden der Region ein ähnlich hohes Sammelaufkommen pro Person betragen, die Zahlen des kantonalen Amts für Umwelt zeigen jedoch etwas anderes. So beträgt der Unterschied etwa bei der Papiersammlung von Rheineck und Tübach 52 Kilogramm pro Person. Bei den Grünabfällen ist der Unterschied noch grösser. In Rheineck fallen im Jahr pro Kopf rund 13 Kilogramm organische Abfälle an, während es in Tübach 103 Kilogramm sind. Nun könnte man meinen, dass sich die fehlende Menge im Kehricht wiederfindet, doch hier liegen die beiden Gemeinden, mit 186 und 187 Kilogramm pro Kopf, nah beieinander. Der Unterschied kann durch die Finanzierungssysteme und die angebotenen Abholungen verursacht werden.

In den Gemeinden Untereggen und Rheineck wird etwa pro Grünabfall-Leerung eine Gebühr bezahlt, während dies bei den umliegenden Gemeinden über die Abfallgrundgebühr läuft und einen direkten Einfluss auf die Sammelmenge hat. Auch kommt es darauf an, ob eine Gemeinde einen Recyclinghof oder Sammelstellen in der Nähe hat. Diese haben einen direkten Einfluss auf die Sammelmengen, jedoch sind zu diesen Wertstoffmengen keine Zahlenangaben verfügbar. (ibi)

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