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Mitgefahren: Auf dem Alten Rhein von Rorschach nach Rheineck

Die Bootsstrecke auf dem Alten Rhein ist beliebt, kann aber nicht immer befahren werden. Ein Einblick in die Idylle von der Kapitänsbrücke.
Rebecca Frei

Obwohl noch ein kühles Lüftchen geht, strahlt die Sonne vom Himmel und prophezeit einen schönen Sommertag. Trotz des angenehmen Morgens zählt das Schiff nur eine Handvoll Passagiere, als es um halb zehn Uhr den Rorschacher Hafen Richtung Altenrhein verlässt. «Früher, als es noch keine direkte ÖV-Verbindung zwischen Rorschach und Rheineck gab, haben viele Pendler das Schiff für ihren Arbeitsweg genutzt. Heute sind unsere Fahrgäste hauptsächlich Wanderer und Ausflügler», sagt Urs Näf, der Kapitän des MS Rhynegg aus der Flotte der Bodensee Schifffahrt. Neben ihm sind ein Maschinist und eine Serviceangestellte auf dem Schiff beschäftigt. Die «Rhynegg» bietet Platz für 300 Personen, wird von knapp 300 Pferdestärken angetrieben und fährt mehrmals täglich von Rorschach nach Rheineck.

Zügig und ziemlich laut brummend macht sich das Schiff auf den Weg zur Rheinmündung. Dort angekommen drosselt Näf das Tempo und manövriert die «Rhynegg» geschickt in den natürlichen Kanal des Alten Rheins. Die Motorengeräusche werden leiser. Mit gemächlichem Tempo tuckert das Schiff nun durch die idyllische Flusslandschaft.

Entspannende Ruhe auf dem Fluss

Auf dem Aussendeck sitzt ein junger Mann, der emsig auf einen kleinen Block schreibt. «Ich beobachte und zähle die verschiedenen Vögel. Ich bin auch oft zu Fuss in dieser Gegend unterwegs und suche Amphibien.» Sein kleiner Hund, der brav unter der Sitzbank wartet, sei jeweils auf seinen Ausflügen mit dabei. Gleichzeitig reckt ein älterer Herr sein Gesicht zur Sonne und geniesst mit geschlossenen Augen die wärmenden Strahlen und den Fahrtwind. «Seit ich pensioniert bin, habe ich sehr viel Zeit, die ich am liebsten draussen verbringe. Diese Strecke gefällt mir besonders gut. Früher bin ich nach der Schifffahrt nach Rheineck zurück nach Rorschach spaziert. Heute nehme ich für den Rückweg den Zug.»

Zwei Frauen aus St. Gallen geniessen einen Kaffee an Deck. «Wenn wir freihaben, machen wir immer wieder gerne diese Flussfahrt. Sie ist eine erholsame Abwechslung zum Alltag.»

Das Schiff hat den Steg von Rheineck erreicht, wo schon einige Passagiere warten. Ein älterer Herr sitzt auf der Sitzbank vor dem Steg und ist mit Pinsel und Farbe beschäftigt. Urs Näf geht kurzerhand von Bord und sieht sich die Kunstwerke des Malers an. Ein reges Gespräch zwischen Kapitän, Passagieren und dem Künstler entsteht. Sobald alle das Schiff wieder bestiegen haben, geht es weiter. Nun dreht sich die «Rhynegg» um 180 Grad. Bei diesem Manöver ist Präzision gefragt. «Obwohl ich seit 43 Jahren Kapitän bin und mich so schnell nichts mehr aus den Socken haut, muss ich jederzeit bei der Sache sein», sagt Näf. Während des geradeaus Fahrens könne er jedoch gut ein Gespräch führen und Fragen beantworten. «Das Schiff weiss schon, wo es hin muss», sagt Näf schmunzelnd. Trotzdem weicht sein Blick kaum vom Fluss vor ihm. Komplikationen könnte es zum Beispiel mit Schwemmgut geben, das nach einem Gewitter auf dem Fluss treibt. Ist aber der Wasserstand zu hoch oder zu niedrig, kann die Fahrt gar nicht stattfinden.

Manchmal täuscht die Idylle

So tuckert das Schiff wieder zurück Richtung Bodensee. Auf halber Strecke kommen der «Rhynegg» einige Ruderer in ihren Booten entgegen. Näf und die Sportler winken und rufen sich zu. In die Quere gekommen seien sich Ruderboote und Schiff so gut wie nie. «Einmal trainierte ein Ruderer so konzentriert, dass er erst sehr spät gemerkt hat, dass er der «Rhynegg» gefährlich nahgekommen ist. Er konnte aber noch rechtzeitig ausweichen.»

Trotz der Idylle ist die Umgebung um den Alten Rhein nicht so naturbelassen und unberührt, wie sie scheint. An einigen Uferstellen ist die Vegetation laut Näf durch Menschenhand soweit verändert worden, dass sie weder für Fische noch für Vögel einen Lebensraum bietet. Auch das Wasser sei verfälscht, da die Abwasserreinigungsanlage hier das geklärte Wasser dem Rhein zuführt. «Nicht alle Missstände können sofort behoben werden, aber die Bevölkerung dieser Region muss über Problematiken informiert werden», sagt Näf. Trotz dieser Trübungen kommen alle glücklich in Rorschach an. Urs Näf freut sich auf seine weiteren Fahrten: «Das ist die schönste Strecke, die ich fahre. Ich will meinen Job nie mehr tauschen.»

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