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Auch Rorschach diskutiert nach der Abstimmung

Das Ja zum Verhüllungsverbot beschäftigt die Stadt am See. Über 60 Prozent der Rorschacherinnen und Rorschach haben einen Migrationshintergrund, viele glauben nicht ans Christentum sondern an den Islam.
Vivien Huber
In Rorschach gibt es Reaktionen auf das angenommene Verhüllungsverbot. (Bild: AP Photo/Dave Thompson)

In Rorschach gibt es Reaktionen auf das angenommene Verhüllungsverbot. (Bild: AP Photo/Dave Thompson)

Die St. Galler Stimmberechtigten haben am das Verhüllungsverbot angenommen. Durch die offene Formulierung des Gesetzestexts herrscht Diskussionsbedarf bezüglich dessen, was das Verhüllungsverbot de facto bedeutet und wie es umgesetzt werden soll (Ausgabe vom 24. September). Auch in Rorschach wird über das Ergebnis diskutiert. Vielmehr kommt aber die Frage auf, ob das Gesetz überhaupt notwendig ist. Passanten in Rorschach sagen, was sie über das Verhüllungsverbot denken.

Demokratische Entscheide müssen akzeptiert werden

Ömer Tasdemir aus Rorschacherberg steht mit dem Imam vor der türkisch muslimischen Moschee in Rorschach und diskutiert mit ihm über das Verbot. Tasdemir erklärt, dass es in der Schweiz, und vor allem im Kanton St. Gallen sehr wenige Burkaträgerinnen gibt. «So sind vom Verhüllungsverbot nur einzelne Personen wirklich betroffen», sagt Tasdemir. Er finde, dass jede Frau selber entscheiden müsse, ob sie sich verhüllen wolle oder nicht. «Das entscheiden nicht die Männer, die Freunde oder die Eltern, sondern jede Frau für sich. Wir haben alle unsere Freiheit und die ist wichtig.»

Allerdings finde er das Verbot nicht unbedingt nötig. Er verstehe nicht, dass man Angst vor Burkaträgerinnen haben könne. «Nicht alle Burkaträgerinnen sind gleich Terroristinnen. Hier in Rorschach ist sowieso alles sehr friedlich. Wir müssen keine Angst haben, dass hier etwas passiert», sagt Tasdemir. Er ist der Meinung, dass das Verhüllungsverbot zu sehr verallgemeinere. «Wer eine Straftat begeht, muss sich dafür verantworten, egal woher man kommt oder ob das Gesicht verhüllt ist oder nicht. Man darf nicht vergessen, dass nur die einzelne Person schuldig ist und nicht alle mit der gleichen Nationalität oder Religion.» Trotzdem müsse man das Verbot akzeptieren. «Es war ein demokratischer Entscheid, das Verbot anzunehmen. Dieser muss respektiert werden, denn Demokratie bedeutet auch Freiheit», sagt Tasdemir.

Es gibt dringendere Anliegen als das Verhüllungsverbot

Silvia Keller aus Goldach sagt, dass das Verbot unklar definiert und schwer durchsetzbar sei. «Ich finde, dass es wichtiger wäre, das schon bestehende Verbot, sich an Demonstrationen oder Sportanlässen zu verhüllen, konsequenter anzuwenden», sagt Keller. Da gehe es wirklich um die Sicherheit. Einerseits bringe das Verhüllungsverbot gewisse Einschränkungen für einen bestimmten Personenkreis mit sich. Andererseits sei es auch wichtig, sich in dem Land, in dem man sich gerade aufhalte, so gut wie möglich anzupassen. «Ich denke, dass komplette Gesichtsverhüllungen nicht gerade Angst machen, aber einen etwas unsicher werden lassen. Wir sind das von unserer Kultur her einfach nicht gewöhnt, weshalb es befremdlich wirkt», sagt sie. Das mache wohl auch eine richtige Integration der Burkaträgerinnen schwierig. Es seien aber nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer, welche die Gleichwertigkeit der Frauen akzeptieren sollten.

Trotzdem finde sie das Verbot etwas gesucht. «Ich war erstaunt, als ich die Abstimmungsunterlagen durchgelesen habe und auf dieses Thema gestossen bin», sagt Keller. «Ich bin zwar froh, dass wir hier in der Schweiz so frei und eigenständig sind. Ich denke aber, dass es viel dringendere Anliegen gäbe, die vors Volk müssten.» Vor allem seien Gesichtsverhüllungen in dieser Region eine Seltenheit, die nur sehr wenige Menschen betreffe.

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