Nach den Grossen die Kleinen: In Stadt und Region St.Gallen ruht auch der Amateursport

Rückkehr aus dem Trainingslager und Abbruch der Saison. So trifft die Corona-Krise die lokalen Sportvereine.

Ives Bruggmann
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Ob das Fussballderby zwischen Abtwil-Engelburg und Winkeln in dieser Saison nochmals stattfindet, ist derzeit fraglich.

Ob das Fussballderby zwischen Abtwil-Engelburg und Winkeln in dieser Saison nochmals stattfindet, ist derzeit fraglich.

Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 15. September 2019)

Der Fussballclub Abtwil-Engelburg aus der 2. Liga befand sich am Freitagabend im Trainingslager in Valencia, als die spanische Regierung eine Ausgangssperre für das ganze Land verordnete. Für das Team von Trainer Marc Blumer war damit das Lager beendet. Die Teamverantwortlichen bemühten sich um eine schnellstmögliche Rückkehr, die dann am Samstagmorgen angetreten wurde. «In einer solchen Situation relativiert sich so vieles», sagt Trainer Blumer. Es gehe jetzt um unendlich viel Wichtigeres. «Fussball ist und bleibt eine Nebensache.»

Bereits am Freitag hatte der Ostschweizer Fussballverband in Anlehnung an die Swiss Football League den Spielbetrieb bis zum 13. April 2020 ausgesetzt. Gestern folgte bereits die Verlängerung bis Ende April. «Wir haben uns damit abgefunden, dass wir in dieser Saison wohl nicht mehr Fussball spielen werden», sagt Blumer. Schade sei einzig, dass Abtwil-Engelburg im Cup bereits in den Viertelfinal vorgestossen sei. «Aber auch in diesem Fall bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten, wie entschieden wird.» Das Trainingslager sei für die Mannschaft dennoch wertvoll gewesen, auch für die Zukunft, so Blumer. «Den FC Abtwil-Engelburg wird diese Krise nicht durcheinanderbringen. Wir sind ein gefestigter Verein.»

Auch alle anderen Fussballclubs aus dem Einzugsgebiet des Ostschweizer Fussballverbandes sind angehalten, bis Ende April den Trainingsbetrieb einzustellen. Dies vor allem, weil der Fussball gemäss Einschätzung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) eine Mannschaftssportart mit erhöhter Ansteckungsgefahr sei.

Waldkirch-St.Gallen nimmt Absage mit Humor

Zu ganz einem anderen Zeitpunkt wurde der Unihockeyclub Waldkirch-St.Gallen mit dem Saisonabbruch konfrontiert. Am vergangenen Donnerstag hatte Swiss Unihockey kommuniziert, einen Tag vor dem geplanten vierten NLA-Playoffspiel. In der Serie gegen die Grasshoppers lagen die St.Galler bereits mit 0:3 im Hintertreffen. Deshalb blieb Topskorer Michael Schiess nach dem vorzeitigen Saisonende realistisch: «Wahrscheinlich hätte unsere Saison nicht mehr allzu lange gedauert. Uns hat es wohl nicht so hart getroffen wie andere.» Dennoch sei eine gewisse Ernüchterung da, auch wenn das Verständnis im Team natürlich gross sei, so Schiess. Die Mannschaft nahm das Ende auch mit Humor: «Wir haben noch nie eine Playoffserie verloren.» Zur Erinnerung: Waldkirch-St.Gallen hatte sich in diesem Jahr erstmals in der Vereinsgeschichte für das Playoff qualifiziert.

Das abrupte Saisonende bringt auch mit sich, dass Trainer Fabian Arvidsson sowie die Spieler Stefan Meier und Nicolas Jordan nicht offiziell verabschiedet werden konnten. «Das hat mir leidgetan», sagt Schiess. Aber da werde der Verein sicher noch eine Lösung finden. Ansonsten deckt sich die Pause für die Unihockeyspieler so ziemlich genau mit der regulären Zwischensaison. Michael Schiess und seine Mitspieler werden demnächst vom Verein informiert. Bis zum 19. April ruht der Trainingsbetrieb im Team ohnehin.

Corona-Verdachtsfall im Umfeld des Vereins

Die NLB-Handballer von Fortitudo Gossau mussten sich lange gedulden, ehe die geplante Partie vom Samstag sowie die gesamte Saison durch den Verband abgesagt wurde. «Der Stopp ist richtig. Die Spieler können nicht mehr seriös spielen und haben alles andere im Kopf», sagt Gossaus Trainer Oliver Roth. Sie seien bereits am vergangenen Mittwoch mit einem Corona-Verdachtsfall im Umfeld konfrontiert gewesen. Glücklicherweise habe sich dieser als negativ erwiesen. Dennoch: An einen Spielbetrieb war so nicht mehr zu denken. Ein Anliegen ist Roth trotz allem die Verabschiedung des langjährigen Captains Gabriel Würth. «Das müssen wir nachholen.» Wann, das steht, wie so vieles derzeit, in den Sternen.