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«Auch Besoffene müssen heim»: Wie Taxifahrer die Olma erleben

Für Taxifahrer lohnt sich die Olma-Zeit. Auch wenn einige von Betrügern berichten.
Laura Widmer
Taxifahrer warten am Hauptbahnhof auf Fahrgäste. Einige von ihnen mögen die Olma-Zeit nicht.Bild: Sabrina Stübi (20. Februar 2018)

Taxifahrer warten am Hauptbahnhof auf Fahrgäste. Einige von ihnen mögen die Olma-Zeit nicht.Bild: Sabrina Stübi (20. Februar 2018)

Nur wenige Olma-Besucher kommen stocknüchtern aus den Degustationshallen, die mit Wein, Bier und anderen alkoholischen Getränken locken. Doch das Erlebnis Olma endet früh: Bereits um 18 Uhr schliesst die Messe ihre Türen. Lediglich die Hallen 4 und 5 haben eine Stunde länger geöffnet.

Für die meisten Besucher noch zu früh für den Heimweg: Am Wochenende ziehen viele weiter, in die Bars und Clubs der Innenstadt. Manch einer «verhöcklet» und nimmt für den Heimweg ein Taxi.

«Der öffentliche Verkehr ist fast zu gut»

Akis Petsangourakis fährt für Taxi Pina. «Es ist bereits meine achte Olma als Chauffeur», sagt er. Es sind für ihn die besten Nächte des Jahres, so gut ausgelastet ist er sonst selten. «Der öffentliche Verkehr ist fast zu gut. Es gibt nur wenige Stunden, in denen kein Bus oder Zug fährt.» Seine Kundschaft ist altersmässig durchmischt. Natürlich gebe es Gäste, die den ganzen Tag in den Degustationshallen verbracht hätten und sich betrunken schlecht benehmen würden. «Aber nach sieben Stunden saufen würde ich vielleicht auch frech werden.» Die meisten Kunden seien auch zu später Stunde angenehm.

Dass jemand während der Fahrt erbricht, kommt gemäss Petsangourakis immer wieder vor. Das bedeutet fast immer das Ende einer Arbeitsnacht.

Manche Fahrgäste wollen die Preise drücken

Tagsüber spüren die Taxichauffeure nur wenig von der Olma. Einer spricht von rund 20 Prozent mehr Kundschaft. «Viele nutzen natürlich den gutausgebauten, öffentlichen Verkehr», sagt Daniel Brunner. Er fährt Taxi für die Sprenger AG. Seit einigen Jahren arbeitet er nur noch am Tag, «die Kundschaft ist doch eine andere als in der Nacht». Zum Klientel gehören häufig ältere Personen oder Menschen mit einer Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind.

«Solche Fahrten muss man einfach abschreiben»

Die Olma-Zeit ist nicht bei allen Taxichauffeuren beliebt. Mehrere der befragten Fahrer berichten von Kunden, die Preise drücken wollen. Auch Daniel Brunner sagt: «Die Fahrer werden häufig ausgenutzt.» Viele Kunden verlangten einen Pauschalpreis. Andere hätten nach einer langen Nacht nicht mehr genug Geld, um die Fahrt zu bezahlen, oder behaupten, ihnen sei das Portemonnaie gestohlen worden. Dagegen könne man kaum etwas tun, sagt Brunner. «Eine solche Fahrt muss man dann einfach abschreiben.»

Ein anderer Fahrer der Sprenger AG berichtet, dass er einmal die Polizei gerufen habe, als ein Kunde nicht zahlen wollte. Diese habe jedoch nichts ausrichten können. Wegen solcher Erlebnisse habe er schliesslich mit der Nachtschicht aufgehört. Jeden potenziellen Fahrgast müsse man jedoch nicht befördern, sagt Daniel Brunner. «Wenn jemand stark alkoholisiert ist oder sich aggressiv verhält, ist man nicht verpflichtet, ihn mitzunehmen.» Auch im Taxireglement ist festgehalten, dass es keine Beförderungspflicht gibt.

Marion Müller fährt seit sechs Jahren für Taxi Herold. Sie arbeitet nur Nachtschicht, die um einiges lukrativer ist. Während der Olma sei sie, im Unterschied zu einem regulären Wochenende, fast pausenlos unterwegs. Ähnlich viel los sei nur an der Offa oder am St.Galler Fest. Ihre Kundschaft während der Olma bezeichnet Müller als überwiegend gut gelaunt und lustig. «Die Leute haben einen schönen Tag verbracht und freuen sich einfach nur, nach Hause zu kommen», sagt sie. «Nur etwa ein Prozent der Gäste kann sich nicht mehr benehmen.» Die Deutsche lehnt nur in Ausnahmefällen Kunden ab, die stark betrunken sind. «Die Besoffenen müssen ja auch nach Hause», sagt sie pragmatisch. Für den Notfall ist sie gerüstet: Wenn jemandem schlecht wird, verteilt sie auch mal «Tütchen».

Standplätze für Taxis

Standplätze für Taxis gibt es das ganze Jahr hindurch auf beiden Seiten des Hauptbahnhofs St. Gallen und am Marktplatz. Bei Grossanlässen in der Stadt gibt es zusätzliche Plätze. Während der Olma werden etwa an der Sonnenstrasse beim Restaurant Candela und bei der Arena zusätzliche Taxiplätze geschaffen. Eine Haltebucht für Reisecars und Taxis gibt es ausserdem an der St. Jakob-Strasse. Diese ist jedoch für das Ein- und Aussteigen gedacht und auf 15 Minuten beschränkt. (lw)

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