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«Wenn ich bleibe, sterbe ich»: Der Somalier, der als minderjähriger Asylsuchender in die Ostschweiz kam

Hanad kam als unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender in die Schweiz. Jetzt baut er hier seine Zukunft auf und hat im August die Ausbildung zum Strassentransportfachmann begonnen.
David Gadze
«Ich will nicht mehr zurückschauen, sondern nur noch nach vorne blicken», sagt Hanad. Bild: Ralph Ribi

«Ich will nicht mehr zurückschauen, sondern nur noch nach vorne blicken», sagt Hanad. Bild: Ralph Ribi

Mit seiner Geschichte wolle er anderen Hoffnung geben und Mut machen, sagt Hanad ganz am Schluss des Gesprächs. Anderen, die wie er ohne Hab und Gut, aber mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Europa beziehungsweise in die Schweiz gekommen sind, hier mit der Realität des Asylwesens konfrontiert werden und ihre Hoffnung zu verlieren drohen. «Ich will für sie ein Vorbild sein.»

Hanad ist ein Flüchtling. Seit etwas mehr als vier Jahren wohnt er in der Schweiz. Und hat hier, 6000 Kilometer von seiner Heimat Somalia entfernt, ein neues Zuhause gefunden. Seinen richtigen Namen will der 20-Jährige in der Zeitung nicht nennen, auch sein Gesicht möchte er nicht zeigen. In einer Gartenbeiz im St.Galler Stadtzentrum erzählt er seine Geschichte, auf fast fehlerfreiem Schweizerdeutsch. Es ist eine Geschichte mit Lücken. Weil er sich selbst nicht mehr genau an alles erinnert. Und weil er nicht über alles sprechen möchte.

Mit 15 Jahren geflohen und den Eltern nichts gesagt

Hanad ist 15 Jahre alt, als er sich entschliesst, zu fliehen. Seinen Eltern sagt er, das zweitälteste von sieben Kindern, nichts. Allein, ohne Plan und mit wenig Geld macht er sich auf den Weg zum Mittelmeer. Monate später und nach einer 16-stündigen Überfahrt in einem Gummiboot mit fast 100 anderen Flüchtlingen gelangt er auf die italienische Insel Lampedusa.

Die Flucht sei «ein Horror» gewesen, er habe viele grausame Dinge gesehen und erlebt. Ins Detail gehen will Hanad nicht. Auch zu den Gründen, die ihn zur Flucht bewogen haben, mag er sich nicht äussern. Er spricht von «Problemen», die ihn «stark betroffen» hätten.

«In Somalia hatte ich die Wahl: Bleibe ich und sterbe – oder versuche ich, mir woanders eine Zukunft aufzubauen?»

Zwei Wochen nach der Ankunft in Italien erreicht Hanad auf Strasse und Schiene die Schweiz. Nach einer Nacht im Empfangs- und Verfahrenszentrum des Bundes in Chiasso kommt er ins Asylzentrum Thurhof in Oberbüren. Fast eineinhalb Jahre verbringt der Teenager dort, arbeitet in der Küche. Er besucht Deutschkurse und beginnt, sich auf Lehrstellen zu bewerben. Erfolglos. Doch er rückt nicht von seinem Ziel ab, eine Lehrstelle zu finden.

Die Repas-Stelle, die im Auftrag des Trägervereins Integrationsprojekte St.Gallen (TISG) Flüchtlinge bei der Jobsuche unterstützt, platziert Hanad in einer grossen Wohngemeinschaft in St.Gallen. Unter den 16 Bewohnern ist er der einzige Somalier. «Das war gut für mich. So musste ich mich immer auf Deutsch unterhalten.» Er liest «Asterix und Obelix», notiert alle Wörter, die er nicht versteht. In der Bibliothek leiht er ein Buch mit Schweizerdeutschen Ausdrücken aus. «Die verschiedenen Dialekte haben mich aber verwirrt.»

Lehre als Klassenbester abgeschlossen

Hanads Beharrlichkeit zahlt sich aus: Nach drei erfolglosen Schnupperlehren bekommt er bei der Wiler Firma Holenstein Transport ein sechsmonatiges Praktikum – unbezahlt, wie es das Teillohnmodell des TISG vorsieht – und schliesslich eine Lehrstelle als Strassentransportpraktiker. Diesen Sommer hat er die Lehre abgeschlossen, «mit der Note 5,3 und als Klassenbester», wie er stolz erzählt.

Im August hat er die Ausbildung zum Strassentransportfachmann begonnen. Parallel dazu geht er eineinhalb Tage in die Berufsschule. Er sei nun auf dem Weg, auf eigenen Füssen zu stehen, sagt Hanad, der seit mehr als zwei Jahren in Wil wohnt. «Dafür bin ich sehr dankbar. Ich habe mir aber auch viel Mühe gegeben. Und Gott hat mir geholfen.»

Und irgendwann will er für seine Familie sorgen, mit der er regelmässig telefonischen Kontakt hat. An ein Wiedersehen ist vorerst aber nicht zu denken. Hanad darf nicht ausreisen.

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