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Hausärzte in der Region spannen zusammen

In Arnegg ist die Gemeinschaftspraxis erweitert worden. Andere Hausärzte kämpfen derweil um Kollegen. Oder machen sich bereits zehn Jahre vor der Pension Sorgen wegen der Nachfolge.
Perrine Woodtli
Nicht in allen Gemeinden ist die medizinische Grundversorgung sichergestellt. (Bild: Boris Bürgisser)

Nicht in allen Gemeinden ist die medizinische Grundversorgung sichergestellt. (Bild: Boris Bürgisser)

Der Schweiz gehen die Hausärzte aus. Regelmässig ist von Arztpraxen zu lesen, die schliessen, nachdem der Dorfarzt in Rente geht, oder von Praxen, die fusionieren. Eine Meldung der Hausarztpraxis in Arnegg sticht deshalb heraus: Die Gemeinschaftspraxis wurde erweitert. Seit diesem Monat ergänzt die Ärztin Regula Domeisen das Team.

Hinter dem Ausbau steckt ein wohlüberlegter Entscheid von Patrick Scheiwiler, der die Praxis leitet. Zurzeit sei man mit drei Ärztinnen und Ärzten relativ gut aufgestellt. «Aber ich mache mir bereits Gedanken darüber, wie es in den nächsten Jahren weitergeht», sagt Scheiwiler.

«Ich rechne damit, dass in unseren Nachbargemeinden die Nachfolgeregelung schwierig wird.»

In Andwil und Waldkirch gibt es je einen Hausarzt. Diese befinden sich beide im Pensionsalter. Einen Nachfolger zu suchen sei nicht einfach, sagt Scheiwiler. Er denke deshalb voraus. «Falls eine Praxis schliesst, wird ein Teil der Patienten zu uns wechseln. Darauf müssen wir uns vorbereiten.»

12 bis 14 Stunden am Tag arbeiten

Scheiwiler glaubt, dass Gemeinschaftspraxen am besten funktionieren. «Die Zukunft der Hausarztmedizin ist weiblich. Und viele Frauen – natürlich aber auch Männer – wollen Teilzeit arbeiten.» Im Gegensatz zu einer eigenen Praxis sei dies in einer Gemeinschaftspraxis gut möglich. Gemeinschaftspraxen seien gerade deshalb für Frauen attraktiv.

Auch in Gaiserwald werden die Patienten nebst in zwei eigenständigen Praxen in drei Gemeinschaftspraxen empfangen. Ähnlich ist es in Gossau mit dem Ärztehaus, der Praxisgemeinschaft 77 und der Praxis im Gerbhof. Zu jenen zwölf Hausärzten kommen drei weitere hinzu. «Auf dem Papier sind wir nicht schlecht aufgestellt», sagt Thomas Langenegger von der Praxis im Gerbhof.

«Man darf aber nicht vergessen, dass ein Teil der Ärzte Teilzeit arbeitet. Die Nachfrage übersteigt unsere Ressourcen.» Er und seine drei Kolleginnen und Kollegen können lange nicht alle Anfragen von Patienten annehmen, etwa von Neuzuzügern.

«Ich arbeite schon 12 bis 14 Stunden am Tag, mehr geht nicht.»

Dass es an neuen Ärzten fehle, habe verschiedene Gründe. Es beginne bereits im Studium. «Es müssten mehr Ärzte ausgebildet werden.» Die Anzahl ausgebildeter Ärzte entspreche nicht der Realität in den Praxen, da einige Teilzeit arbeiteten. Ein weiterer Punkt sei die fehlende Wertschätzung der Politik. «Es fehlt ein klares Bekenntnis zu den Hausärzten. Stattdessen stehen wir unter Beschuss, etwa durch ständige Tarifänderungen.»

Geregelte Arbeitszeiten und sicherer Lohn locken

Karin Reinecke von der Gemeinschaftspraxis Wittenbach glaubt wie viele ihrer Kollegen, dass der Beruf zu wenig attraktiv ist. «Viele junge Ärzte sind nicht bereit, die Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Sie wollen nicht nur für den Beruf leben.» Auch ein sicheres Einkommen spiele eine Rolle. «Als Angestellte, etwa in einem Spital, kriegen sie das alles ohne Risiko.»

Weil andere Praxen schliessen, nehme mit neuen Patienten zudem die Belastung zu. «Ist jemand von uns krank, ist die Hölle los.» In Wittenbach sei die medizinische Grundversorgung mit zwei Doppel- und zwei Einzelpraxen zwar relativ gut geregelt. «Noch», betont Reinecke.

Dies sei problematisch. Deshalb suche sie schon jetzt nach jungen Kollegen.

«Wir sind alle gleich alt. In spätestens zehn Jahren haben wir ein Problem, wenn es keine Nachfolger gibt.»

Dass die Nachfolgeregelung schwierig ist, zeigt das Beispiel in Mörschwil. Nachdem Hans-Ueli Brack 2011 nach 31 Jahren in Pension ging, war sein Partner David Roth zwei Jahre lang auf der Suche nach einem neuen Partner – obwohl er bereits vier Jahre zuvor damit begann. 2013 wurde mit Bernhard Dennenmoser ein Partner gefunden – nach sechs Jahren.

Bewohner anderer Gemeinden müssen teils mit deutlich weniger Ärzten auskommen. Wie in Andwil und Waldkirch gibt es auch in Eggersriet nur einen Arzt. Gar keinen gibt es in Häggenschwil – genau wie im 1100-Seelen-Dorf Muolen. Dort hat der letzte Arzt seine Praxis vor rund 30 Jahren aufgegeben. Seither suchen die Muoler die Ärzte in der Region auf. Eine Situation, an die man sich gemäss dem Arzt Patrick Scheiwiler zu gewöhnen hat: «Die Patienten müssen sich darauf einstellen, dass in Zukunft nicht jedes Dorf einen Arzt hat.»

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