Arnegg
«Man muss gehen, wenn es wehtut»: Chef der Koster AG Holzwelten übergibt den Betrieb seinem Sohn

Vater Jakob Koster und Sohn Tobias Koster sind beide Tüftler. Gemeinsam haben sie eine neue Art Holz entwickelt. Und seit kurzem führt Tobias Koster die Koster AG Holzwelten.

Rita Bolt
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Jakob Koster (links) hat die Koster AG Holzwelten an seinen Sohn Tobias übergeben.

Jakob Koster (links) hat die Koster AG Holzwelten an seinen Sohn Tobias übergeben.

Bild: Reto Martin

«Man muss gehen, wenn es wehtut. Dann ist es der richtige Zeitpunkt für einen guten Neustart», sagt Jakob Koster, der die Arnegger Koster AG Holzwelten offiziell seinem Sohn Tobias übergeben hat. «Bis vor wenigen Wochen war ich der Chef und mein Sohn der Bereichsleiter. Nun haben wir die Rollen getauscht.» Tobias Koster leitet das Unternehmen, Jakob Koster ist vorwiegend im Verkauf tätig und sitzt im Verwaltungsrat.

Wie die Eltern

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie porträtiert die «Tagblatt»-Stadtredaktion Familien, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch. (red)

Kosters haben den Rollentausch nicht nur auf dem Papier vollzogen, sondern auch im Büro. Tobias Koster sitzt jetzt an jenem Pult, «an dem er den Überblick hat», wie er sagt. Ab und zu brauche er allerdings noch den Rat des Vaters. Beispielsweise, wenn es um umfangreiche Kalkulationen gehe, sei er froh, wenn der Vater noch einen Blick drauf werfe. «Vieraugenprinzip», sagt Jakob Koster.

Vom Einmannbetrieb zum Unternehmen mit 60 Mitarbeitenden

Er hat in den vergangenen 34 Jahren den Betrieb von einem Einmannunternehmen zu einer Firma mit 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon fünf Auszubildende, geführt. «Im Unternehmen arbeiten acht Personen mit Namen Koster», erzählt der Senior mit einem Schmunzeln. Der eingeheiratete Beda Koster ist in der Buchhaltung tätig. Sigrun Koster, die Ehefrau von Jakob Koster, hat ihm zudem den Bereich Finanzen übergeben.

Der Eintritt des neunten Koster ist vorgesehen. Tobias Kosters Bruder Severin ist ebenfalls Schreiner und wenn alles klappt, wird er in einigen Jahren in die Geschäftsleitung der Koster Holzwelten eintreten. Jakob Koster wird nächstes Jahr pensioniert und plant, sich vermehrt dem Fischen, Wandern und Velofahren zu widmen.

Seit zehn Jahren arbeiten Vater und Sohn Seite an Seite. Tobias Koster hat in der Werkstatt angefangen und das Unternehmen von der Pike auf kennen gelernt. «Wir sind nicht immer gleicher Meinung», sagen die beiden. Eines haben sie aber gemein: Sie sind Tüftler.

«Ohne Innovationen und Kreativität hat es ein traditionelles Handwerk heute schwer, zu überleben.» Deshalb haben Kosters das sogenannte Marmorholz entwickelt: Buche, Esche und Ahorn werden unter Einsatz von Brandkrustenpilzen mit feinen schwarzen Linien durchzogen. Solches Holz wachse in der Natur nicht. «Durch die Marmorierung entsteht ein hochwertiges Holz», erklärt Jakob Koster und zeigt eine Früchteschale und eine grosse Wanduhr aus Marmorholz.

Das sogenannte Marmorholz entsteht durch die Behandlung mit Brandkrustenpilzen.

Das sogenannte Marmorholz entsteht durch die Behandlung mit Brandkrustenpilzen.

Bild: Reto Martin

Auf dem Titelblatt einer internationalen Zeitschrift für Holzbau prangen Bilder des Holzes: «Diese Fotos zeigen die Entstehung.» Das Marmorholz wurde in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Empa entwickelt. «Die Pilzkultur ist im Moment noch in der Empa, sie wird aber nach Arnegg gezügelt. Geplant sind der Einbau eines Labors und eines Inkubationsraumes.»

Senior und Junior sind überzeugt, dass ihr neues Holz in der Branche einen Hype auslösen wird. Sie schauen sich an und lächeln verschmitzt. Ein weiteres Forschungsprojekt sei in den Startlöchern. Viel verraten wollen sie noch nicht. Nur so viel: Es sei ein Recycling-Projekt. Bei der Verarbeitung des Marmorholzes falle Abfall an. Diesen möchten sie verwerten.

Gefragt sind lange Tische

Das Kerngebiet der Koster Holzwelten AG sind Brandschutzprodukte und Spezialtüren, Innenausbauten und Zimmerarbeiten. Tobias Koster zeigt auf einen Stapel Türen. Diese seien für ein Spital gefertigt. Derzeit arbeite die Schreinerei an Aufträgen für vier Spitäler. Aber nicht nur: Gefragt seien lange Tische, an denen viele Menschen gemeinsam tafeln können.

«Eine unserer Spezialitäten ist es, die natürliche Krümmung des Holzes zu verarbeiten», erklärt der diplomierte Schreinermeister. Für diese Verarbeitungsweise hätten sie das Label bogengut.ch kreiert.

Die Jahresziele 2021 sind beinahe erreicht

Jakob Koster wirkt entspannt und freut sich, dass die Nachfolge in der eigenen Familie geregelt werden konnte. «In zweiter Generation», sagt er und lacht. Er ist auch glücklich über den Entscheid, den er 2017 mit seiner Familie gefällt hat: von Waldstatt nach Arnegg umzuziehen und einen Teilbereich der Firma Lehmann AG Arnegg sowie die Mitarbeitenden zu übernehmen.

Vor einigen Jahren zog das Unternehmen von Waldstatt nach Arnegg, um zu vergrössern.

Vor einigen Jahren zog das Unternehmen von Waldstatt nach Arnegg, um zu vergrössern.

Bild: Reto Martin

Rückblickend sei es «der einzig richtige Entscheid gewesen», an die Bächigenstrasse zu ziehen. «Damals habe ich noch geglaubt, dass alles etwas gross für uns ist», sagt er. Heute sind die Flächen belegt mit stapelweise einheimischen Hölzern. Der Platz werde gebraucht. Und sogar ein Roboter wurde «eingestellt», der die schweren Hebearbeiten erledigt. «Unsere Auftragslage ist sehr gut», sagt Tobias Koster. Die Jahresziele seien schon beinahe erreicht.

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