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Neue Krippentarife in St.Gallen:
Arme profitieren, Reiche zahlen mehr

Ab August gelten in der Stadt neue Tarife für alle Eltern, die ihre Kinder in die Krippe geben oder ein Angebot der städtischen Tagesbetreuung nutzen. Wie spürt eine Familie diese Änderungen im Portemonnaie? Drei Rechenbeispiele.
Roger Berhalter
Nach dem Mittagstisch werden die Zähne geputzt. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Nach dem Mittagstisch werden die Zähne geputzt. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Krippe oder Tagesbetreuung? Wer seinen Nachwuchs im Kindergartenalter tagsüber betreuen lassen möchte, kann wählen. Entweder die Eltern schicken die Kindergärtler in eine privat betriebene Krippe, deren Mitarbeiterinnen die Kleinen in den Kindergarten bringen und wieder abholen. Oder die Eltern nutzen eines der städtischen Tagesbetreuungsangebote. Beide Systeme sind historisch gewachsen und verschieden ausgestaltet – auch finanziell. Das führt zu Unterschieden in den Tarifen, die nicht mehr plausibel zu erklären sind.

Beispielsweise profitieren Eltern in den Krippen vom Geschwisterrabatt, in der Tagesbetreuung aber nicht. In der Tagesbetreuung zahlen Eltern schon ab einem jährlichen Einkommen von 65000 Franken den maximalen Tarif, in Kindertagesstätten hingegen erst ab 95000 Franken. Dieser Maximaltarif wiederum kann in einer Krippe 100 Franken pro Tag und Kind betragen, in der Tagesbetreuung sind es höchstens 35 Franken.

Diese Ungleichheiten hat auch die Stadtpolitik längst erkannt. Nach mehreren politischen Vorstössen zum Thema zeigte der Stadtrat 2017 in einem Postulatsbericht auf, wie er die Gebühren der Tagesbetreuung und der Kindertagesstätten angleichen möchte.

Jetzt hat der Stadtrat die Tarife abgesegnet; ab 1. August werden alle Eltern nach dem neuen System zur Kasse gebeten.

Tagesbetreuung wird teurer, Krippen werden günstiger

Für die Stadtkasse sind diese Massnahmen langfristig ein Nullsummenspiel. Was am einen Ort eingespart wird, wird am anderen zusätzlich ausgegeben. Unter dem Strich sollen die neuen Gebühren aber gerechter sein und unerwünschte Schwelleneffekte beseitigen.

Kinderkrippen

Die Krippen oder Kindertagesstätten in der Stadt St. Gallen werden privat betrieben, von Vereinen oder Unternehmen. Sie sind für Kinder ab dem Säuglings- bis zum Kindergartenalter gedacht und stehen allen Familien aus der Stadt zur Verfügung. Seit 2003 gibt es ein Subventionsmodell: Die Stadt unterstützt die Krippen finanziell, die dadurch eine gewisse Anzahl Betreuungsplätze günstiger anbieten können. Aktuell subventioniert die Stadt 370 Krippenplätze, was insgesamt 818 Kindern zugutekommt. Erhält eine Krippe solche Subventionen, muss sie sich an die von der Stadt vorgegebenen Elterntarife halten.

Tagesbetreuung

1400 von aktuell 5000 Primarschülern und Kindergärtlern nutzen ein Angebot der Tagesbetreuung. Die Stadt finanziert die Betriebskosten, wobei die Eltern einen Beitrag zahlen. Die Tagesbetreuung ist schrittweise gewachsen und wächst weiter. Zunächst gab es die Horte, ab 1993 kamen die Mittagstische hinzu, und seit 2009 gilt das Prinzip der familienergänzenden, bedarfsgerechten und umfassenden Tagesbetreuung: Für jeden Kindergärtler und jeden Primarschüler soll ein Platz zur Verfügung stehen, von 7 bis 18 Uhr, auch während 9 von 13 Schulferienwochen. Dieser Standard ist unter dem Begriff «FSAplus» bekannt.

Die meisten Familien werden die neuen Tarife im Portemonnaie spüren. Am stärksten die Eltern von Kindergärtlern, in dieser Altersklasse sind die Unterschiede derzeit noch am grössten. «Die konkreten finanziellen Folgen für die einzelne Familie sind vom Alter der Kinder, der Anzahl der besuchten Betreuungstage, der Betreuungsstätte, der Anzahl der Geschwister und den finanziellen Verhältnissen abhängig», sagt Christian Aegerter, Leiter des Direktionssekretariats der Direktion Bildung und Freizeit.

Einfach gesagt gilt: Die Tagesbetreuung wird teurer, die Krippen werden günstiger. Die Infografik zeigt anhand von drei Modellfamilien, was die neuen Tarife für das Monatsbudget bedeuten.

Bis zu 30 Prozent weniger Krippenkosten

Die Beispiele veranschaulichen, dass das neue System sozial gerechter ist. Für die Familie mit dem tiefsten Einkommen (32000 Franken) sinken die Betreuungskosten um gut 13 Prozent. Bei der Familie mit mittlerem Einkommen bleiben sie fast unverändert, während sie für die Familie mit dem höchsten Einkommen (95000 Franken) um gut fünf Prozent ansteigen. Dies deckt sich mit den Aussagen, die der Stadtrat im Faktenblatt zu den neuen Tarifen macht: «In der städtischen Tagesbetreuung werden die meisten Familien künftig mehr zahlen. Die höheren Tarife betreffen vor allem finanziell gut gestellte Familien. (...) Familien mit tiefem Einkommen hingegen zahlen im Vergleich zu heute gleich viel oder nur wenig mehr.»

Dieses Ergebnis kommt in den drei Beispielen aber durch eine Mischrechnung zustande, wie eine genauere Betrachtung der Zahlen zeigt. Die Gebühren für die Krippe sinken in allen drei Einkommensklassen, am stärksten bei der armen Familie (30 Prozent). Die Kosten für die Tagesbetreuung hingegen steigen in den Beispielen oder bleiben unverändert. Den grössten Anstieg muss die reiche Familie hinnehmen. Sie zahlt für ihren Kindergärtler 40 Prozent mehr.

www.stadtsg.ch/tarif

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