ArchitekturWettbewerb
Mit «italienischem Kopf» und spartanisch anmutendem Labortrakt: Das St.Galler Zentrum für Labormedizin präsentiert das Siegerprojekt für ein neues Laborgebäude

Das in Basel ansässige Architekturbüro Christ & Gantenbein gewinnt den Projektwettbewerb für den Neubau des Laborgebäudes an der Frohbergstrasse. Es überzeugt mit Einfachheit, Nachhaltigkeit und italienischem Flair.

Theepan Ratneswaran
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Das neue Labor von den Architekten Christ & Gantenbein ist schlicht und nachhaltig. Der «repräsentative Kopf» besteht aus Loggien.

Das neue Labor von den Architekten Christ & Gantenbein ist schlicht und nachhaltig. Der «repräsentative Kopf» besteht aus Loggien.

Bild: Christ & Gantenbein, Visualisierung: Ponnie Images

An der Frohbergstrasse, in der Nähe des Kantonsspitals, entsteht in den nächsten Jahren ein neues St.Galler Zentrum für Labormedizin (ZLM). Am Donnerstag ist im Rahmen einer Medienorientierung das Siegerprojekt vorgestellt worden: Aus 82 Bewerbern hat sich das Architekturbüro Christ & Gantenbein aus Basel durchgesetzt.

Das präsentierte Laborgebäude besticht durch seine innere Organisation, die Flexibilität der Raumplanung und die Einbettung des Gebäudes in die Umgebung, sagt die Jury. Kostenpunkt: 50 Millionen Franken.

Der Kopf repräsentiert

Auf der einen Seite liegt das Areal des Kantonsspitals St.Gallen, auf der anderen Seite ist ein grosser Park vor dem Bürgerspital. Und die Rorschacher Strasse mute für ihn, als Basler, wie eine Allee an, sagt der Architekt Emanuel Christ. In dieser besonderen Umgebung müsse ein Gebäude auch einen repräsentativen Charakter aufweisen.

Der Neubau des Basler Architekturbüros besteht im Wesentlichen aus zwei markanten Teilen. Der «repräsentative Kopf» an der Rorschacher Strasse, als sozialer Begegnungsraum, bietet ein Foyer und Pausenräume und im Obergeschoss italienisch anmutende Balkone (Loggien) für den Aufenthalt an der frischen Luft. Ins Auge stechen dabei die Stützpfeiler aus Lehm, ein nachhaltiger Baustoff, der Wärme speichern und Schadstoffe absorbieren kann.

Der Körper ist einfach

Der Labor- und Bürotrakt, der Körper, hingegen präsentiert sich einfach. Alle fünf Geschosse sind gleich konzipiert. Anders ausgedrückt: Über kurz oder lang können bei Bedarf aus Büros ohne grosse Mühen Laborräume entstehen.

Zudem sind an den Seitenfassaden Solarpanels im «Körperbau» integriert. Denn ein Ziel des Gebäudekonzeptes sei es, auch architektonisch gegen den Klimawandel vorzugehen, sagt Architekt Emanuel Christ.

«Die Sonnenkollektoren können fast den ganzen Energiebedarf des Gebäudes decken.»

Das heutige Labor ist alt

Das ZLM ist bereits heute an der Frohbergstrasse 3 und zusätzlich im Hochhaus 04 des Kantonsspitals St.Gallen untergebracht. Das Gebäude an der Frohbergstrasse entspreche jedoch nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein modernes medizinisches Labor und biete zu wenig Platz, sagt Wolfgang Korte, CEO des ZLM. Die Coronapandemie zeigte, dass in Zukunft mehr Raum nötig sei.

Die Mieträume im Kantonsspital St.Gallen werden im Rahmen der Erneuerung bis 2027 saniert. Bis spätestens in sieben Jahren musste daher für das ZLM eine neue räumliche Lösung gefunden werden.

Der Neubau führt nun beide Standorte zusammen. Während der noch zu bestimmenden Bauzeit wird im Laufe des Jahres 2021 ein Provisorium am Standort Lerchenfeld, Zürcher Strasse 204e, bezogen.