Arbeitsgruppe und SP lehnen ein Notfallzentrum anstelle des Spitals in Rorschach ab

Kostendämpfende Massnahmen würden sich durch das Konzept «4 plus 5» lediglich verschieben, findet eine Arbeitsgruppe für eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung in der Region Rorschach. Die SP schlägt vor, dezentrale Strukturen zu prüfen.

Rudolf Hirtl
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Das Spital Rorschach soll geschlossen werden. Stattdessen soll ein regionales Notfallzentrum an einem zentraleren Standort entstehen.

Das Spital Rorschach soll geschlossen werden. Stattdessen soll ein regionales Notfallzentrum an einem zentraleren Standort entstehen.

Urs Bucher

Die Arbeitsgruppe für eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung in der Region Rorschach hat der Regierung ihre Vernehmlassungsantwort zur Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spitalverbunde zugestellt. Einigkeit bestehe wohl darin, dass die Kosten im Gesundheits- und Spitalwesen weiter steigen werden. Die Arbeitsgruppe sei jedoch überzeugt davon, dass mit den Spitalschliessungen das Kostenwachstum nicht einzudämmen sei und die Sparvorstellungen mit der Strategie «4plus5» nicht erfüllt würden.

Viele «kostendämpfende» Massnahmen würden sich als reine Verschiebungsmassnahmen herausstellen, schreibt die AG, der Charlotte Bigler, Anna Bleichenbacher, Max Bürkler, Thomas Chlibec, Guido Etterlin, Bernadette Fässler, Maria Huber, Silvano Moeckli, Andrea Schöb, Ariane Thür Wenger und Brigitta Kuratli angehören.

Regionalspitäler sollen ausgebaut werden

Die Umstrukturierung des Spitals Rorschach zu einem Gesundheits- und Notfallzentrum sei nicht umsetzbar. Eine sinnvolle Auslastung eins derartigen Zentrums sei kaum möglich und würde die gute Zusammenarbeit der regionalen Hausärzteschaft massiv beeinträchtigen. Es brauche weiterhin eine stationäre Grundversorgung in der allgemeinen inneren Medizin mit entsprechender Infrastruktur vor Ort. Die Zentralisierung bringe keine Einsparungen, sondern werde Steuer- und Prämienzahlern sogar teurer zu stehen kommen, zeigt sich die Arbeitsgruppe überzeugt. Müssten bei einer Konzentration der Spitalstandorte Patienten in Spitälern mit höherer Baserate behandelt werden, hätte dies für die Krankenversicherer und für den Kanton höhere Kosten zur Folge. In der Mitteilung schreibt die AG:

«Das Regionalspital sichert Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze vor Ort. Wir müssen auf die Haushaltskassen und Kantonskassen schauen, nicht bloss auf die Spitalkasse.»

Sie fordere daher moderne und dezentrale Regionalspitäler für die Grundversorgung als Stütze und Fundament im Kanton St.Gallen und ein Zentrum für die Spitzenmedizin. Also die Reduktion des Zentrumsspitals in St.Gallen auf die tatsächlich benötigte Spitzenmedizin und Ausbau der Regionalspitäler.

Kantonsübergreifende Spitalverbunde

Auch die SP Rorschach Stadt am See hat sich zur Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spitalverbunde vernehmen lassen. Sie lehnt das Konzept «4plus5» ab und fordern stattdessen neben einen ausgewiesenen Zentrumsspital koordinierte Zusatzangebote mit flexibler Behandlungsinfrastruktur in den Regionen. Die Regionalspitäler sollten nicht geschlossen, sondern weiterentwickelt werden. Auch die Sozialdemokraten sind überzeugt davon, dass Spitalschliessungen und  -fusionen auf längere Sicht keine Einsparungen bringen. «Sie können am Ende Steuer- und Prämienzahler sogar teurer zu stehen kommen. Die Fallkosten in hoch spezialisierten Spitälern sind höher, das Infektionsrisiko ist grösser. Private Betreiber können die «lukrativen Fälle» abschöpfen.

Weiter schreibt die SP Rorschach Stadt am See: «Aus Sicht der Spitalverbunde ist eine betriebswirtschaftliche Perspektive legitim. Aber die Eigentümer und Finanzierer – die Stimmberechtigten, Steuerzahlenden und Krankenversicherten des Kantons – haben eine andere Perspektive. Was bringt es Ihnen, wenn der Kanton zwar weniger Steuergelder für Zuschüsse verwenden muss, dafür aber die Krankenkassenprämien steigen?»

Die SP regt zudem an, grossflächige kantonsübergreifende Spitalverbunde mit dezentralen Strukturen zu überprüfen. Dazu schlagen wir ein Organisationsmodell vor, das sich an Distrikte anlehnt, die es in Gliedstaaten der USA gibt. Der Verwaltungsrat würde durch das Elektorat in allen beteiligten Territorien gewählt. Das würde ihn – wie alle gewählten Politiker auch – viel stärker an die Betroffenen rückkoppeln, was bei der wirtschaftlichen Bedeutung der Spitäler und den eingesetzten Steuermitteln gerechtfertigt sei.

Das Spital Rorschach steht am falschen Ort

Auch in Rorschach soll es einen 24-Stunden-Notfallbetrieb geben, mit wenigen Betten zur Überwachung von Patienten über Nacht. Allerdings nicht am Standort des Spitals, sondern näher am Zentrum, angebunden am öffentlichen Verkehr.
Regula Weik