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Anwohnerin kritisiert Baumfällungen im Osten von St.Gallen: Ärger auf der «kleinen Insel»

In einer Wohnüberbauung im Stephanshorn sind etwa ein Dutzend Bäume gefällt worden. Nicht zum ersten Mal. Eine Anwohnerin ist empört: Die Naturvielfalt sei in Gefahr. Die Stadt sieht es weniger dramatisch.
Marion Loher
Anfang Februar wurden in einer Wohnüberbauung im Stephanshorn verschiedene Bäume gefällt. (Bild: Urs Bucher - 21. Februar 2019)

Anfang Februar wurden in einer Wohnüberbauung im Stephanshorn verschiedene Bäume gefällt. (Bild: Urs Bucher - 21. Februar 2019)

Wenn Esther Suitela-Gasser heute aus dem Fenster ihrer Wohnung am Zilweg südwärts schaut, dann sieht sie direkt ans nächste Mehrfamilienhaus. Das war vor zwei Wochen anders. Damals sah sie beim Blick aus ihrem Wohnzimmerfenster noch ein paar Bäume.

Zwei von ihnen stehen mittlerweile nicht mehr. Sie wurden – wie auch ein paar weitere Bäume im gegenüberliegenden Wohnquartier an der Oberzilstrasse – Anfang Februar gefällt. Sehr zum Ärger der Anwohnerin. «Bäume scheinen heute überall im Weg zu stehen», sagt sie. «Das ist eine Entwicklung, die ich sehr bedauere.»

Besorgt über «Naturschwund»

Seit 14 Jahren wohnt Esther Suitela-Gasser in der Siedlung im Stephanshorn, die sie liebevoll auch als «kleine Insel» bezeichnet. Die 78-Jährige macht sich Sorgen um die Bäume, Sträucher und Büsche. «Die Natur verschwindet immer mehr aus der Siedlung», sagt sie.

Nur noch ein Baumstrunk erinnert im Stephanshorn an einen grossen Baum. (Bild: Urs Bucher - 21. Februar 2019)

Nur noch ein Baumstrunk erinnert im Stephanshorn an einen grossen Baum. (Bild: Urs Bucher - 21. Februar 2019)

Vor ein paar Jahren wurden zwei grosse Linden gefällt, vor zwei Jahren war es eine geschützte Baumhecke. Für letztere sei allerdings eine kleine Zahl Bäume und Sträucher nachgepflanzt worden. «Es ist traurig, dass für viele die Natur an Bedeutung verliert», sagt Esther Suitela-Gasser. Sie könne nicht verstehen, dass auf der einen Seite beklagt werde, es gebe immer weniger Vögel, und auf der anderen Seite werde «wie verrückt» gerodet.

Bäume teilweise «in schlechtem Zustand»

Etwa ein Dutzend Bäume seien Anfang dieses Monats zwischen Brauerstrasse, Oberzilstrasse und Zilweg gefällt worden, schätzt Esther Suitela-Gasser. Sie hatte die Motorsägen gehört und war daraufhin zu den Angestellten der Gartenbaufirma gegangen, um nach dem Grund zu fragen. «Sie sagten mir, dass die Stämme innen faul sind.»

«Die Natur verschwindet immer mehr aus der Siedlung.»
Esther Suitela-Gasser, Anwohnerin

Beim St.Galler Stadtplanungsamt hat man Kenntnis von der Baumfällung im Quartier Stephanshorn. Eine Bewilligung für die Aktion liegt ebenfalls vor, wie es beim städtischen Amt für Baubewilligungen auf Anfrage heisst. Das Vorgehen der Grundeigentümerin – in diesem Fall ist es die Immobiliengesellschaft Immosip AG in Zürich – sowie der Verwalterin, der Livit AG, sei korrekt gewesen und diene «dem Unterhalt der Anlage».

Bäume und Hecken unter die Lupe genommen

Peter Heppelmann leitet die Abteilung Natur und Landschaft im Stadtplanungsamt. Bereits im vergangenen Herbst habe er vom Unternehmen, das für die Baumfällung beauftragt worden war, eine Anfrage für eine Ortsbegehung bekommen. Daraufhin sei er mit den Fachleuten durch das Quartier gegangen, und man habe sich gemeinsam die Bäume und Hecken genauer angeschaut.

«Die einen Bäume waren überaltert, die anderen geschädigt», sagt Heppelmann und ergänzt: «Der Grund für das Fällen dieser Bäume war gegeben. Zumal auch Neupflanzungen mit jungen Bäumen und Wildgehölzhecken vorgesehen sind.»

Zusätzlich würden monotone Rabattenpflanzungen, die einen geringen ökologischen Wert aufweisen, durch Wildblumenwiesen ersetzt. Eine gute Durchmischung von jungen und alten Bäumen sei ebenso wichtig wie die von unterschiedlichen Arten, sagt der Fachmann. Die Neupflanzungen erfolgten jedoch erst im Frühling.

Viele haben ein Nahverhältnis zu «ihren» Bäumen

Es kommt immer wieder vor, dass sich besorgte Bürgerinnen und Bürger bei Heppelmann melden. Er schätzt das sehr. «Es zeigt mir, dass die Menschen aufmerksam sind und ihnen ihre Umwelt nicht egal ist», sagt er. Allerdings würde bei vielen die Meinung vorherrschen, dass es für die Natur am besten sei, wenn man sie so lasse, wie sie ist.

«Das ist leider nicht so. Die Natur ist nicht statisch, sondern einem stetigen Prozess unterworfen», sagt der Leiter der städtischen Abteilung Natur und Landschaft. «Wir müssen uns an der Natur und ihrem Entwicklungsprozess beteiligen, immer mit dem Wissen, sie ökologisch sinnvoll zu unterhalten und zu gestalten.»

Kulturlandschaft, nicht Natur

Obwohl: Natur sei eigentlich nicht der richtige Begriff, fügt Heppelmann an. «Wir leben in einer Kulturlandschaft. Es gibt nur noch wenige Orte, die so naturnah sind, dass sie die Bezeichnung Natur auch verdienen.» Das Goldachtobel beispielsweise sei noch so ein Ort: sehr nahe an der ursprünglichen Natur und mit wenig Einfluss des Menschen.

Für das Stephanshorn-Quartier wünscht sich Esther Suitela-Gasser, dass Stadt und Naturschutzorganisationen gemeinsam den gegenwärtig noch vorhandenen Wert für die Natur nicht nur erhalten, sondern auch fördern.

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