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Der oberste St.Galler Stadtgärtner tritt nach 30 Jahren ab

Christoph Bücheler hat das Grüne im St.Galler Stadtbild geprägt. Am Ende seiner 30-jährigen Tätigkeit erzählt der Leiter von Stadtgrün, was ihm daran gefällt – und wo er Handlungsbedarf sieht.
Fredi Kurth
30 Jahre lang leitete Christoph Bücheler in der Stadt St.Gallen die Abteilung Stadtgrün, das frühere Gartenbauamt. (Bild: Benjamin Manser)

30 Jahre lang leitete Christoph Bücheler in der Stadt St.Gallen die Abteilung Stadtgrün, das frühere Gartenbauamt. (Bild: Benjamin Manser)

Wer von den Höhen St.Gallens den Blick schweifen lässt, dem fällt auf, dass nicht nur der Ring rundherum grün ist, sondern sich auch die Stadt einer durchdringenden Flora erfreut. Ihre Gärtner pflegen und bepflanzen 700 Plätze, was 150 Hektaren oder etwa 230 Fussballfeldern entspricht – von der Öffentlichkeit oft kaum wahrgenommen, bis die Pflanzen blühen. Christoph Bücheler hat häufig an Ort und Stelle mitgewirkt, später weniger oft, weil ihn die Aufgaben immer mehr an den Bürotisch banden.

Seine bevorzugten Orte waren die Friedhöfe, wo Ableben und Aufblühen einen faszinierenden Kontrast und Kreislauf bilden. «Es sind die schönsten und grössten Parkanlagen der Stadt,» Auf dem Feldli, dem Ostfriedhof, den Friedhöfen in St.Georgen und Bruggen hat sich zudem sehr viel verändert. Vor 30 Jahren, als Bücheler auf dem Gartenbauamt anfing, liess sich ein Drittel der Verstorbenen in der Erde bestatten.

Heute sind es noch zehn Prozent. Urnengräber überwiegen, Gemeinschaftsgräber breiten sich aus. Hier Birkenhaine und Wiesen, im Feldli neue Aufbahrungsräume und ein konfessionsneutraler Abschiedsraum. «Dass hier einmal eine muslimische Grabstätte entstehen würde, wäre bei meinem Amtsantritt undenkbar gewesen.»

Widerwillig in Vaters Garten

Den grünen Daumen verdankte er seinem Vater, der sich als Lehrer in Gossau ebenso leidenschaftlich wie liebevoll seinem Gemüsegarten widmete. Jeweils am Mittwoch half der kleine Christoph aus – widerwillig, wie Bücheler heute sagt. Doch des Vaters Hartnäckigkeit machte sich bezahlt. Der Sohn absolvierte in Wil eine Lehre als Baumschulgärtner, beschäftigte sich mit der Produktion von Bäumen und Gehölz, Alleebäumen, Zierbäumen und Obstbäumen.

Die Arbeit in verschiedenen Gartenbaufirmen und Baumschulen, in der Gartenbauschule Oeschberg im bernischen Koppigen und später zusätzliche Weiterbildungen ermöglichten ihm schliesslich, bei der Stadt St.Gallen als Stellvertreter des damaligen Leiters des Gartenbauamtes, Thom Roelly, anzufangen. Planung, Ausschreibung, Bauleitung – das waren 16 Jahre lang Büchelers Aufgaben, ehe er selber Chef wurde.

Das Gartenbauamt heisst inzwischen Stadtgrün. Ein gelungener Namenswechsel? Na ja, über «grün» lässt sich streiten: «Wir hatten immer viele kreative Aufgaben. Unsere 64 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren stets sehr engagierte Grünfachleute und zogen am gleichen Strick.»

Bücheler gab vor, was und wo zu tun war – wie das geschehen sollte, durften seine Fachleute bestimmen. Während im Amtshaus an der Neugasse das Baudepartement enge Bestimmungen durchzusetzen versuchte, genossen zuoberst im 5. Stock die Leute von Stadtgrün ihre relative Unabhängigkeit. Der Stadtrat habe sie nie gegängelt, sagt Bücheler, dessen Vorgesetzte Werner Pillmeier, Erich Ziltener, Elisabeth Beéry, Patrizia Adam und Maria Pappa waren.

Wer die Stadt mit Grünwuchs verschönert, wird geschätzt. Dem neuen Werkhof stimmte die Bevölkerung mit 80 Prozent zu. «Natürlich gab es hin und wieder Kritik», sagt Bücheler. Zum Beispiel, wenn Bäume wegen der Sicherheit gefällt werden mussten, etwa beim Ulmen- und Eschensterben. «Bäume fällen tut weh!»

Ein Freund der Artenvielfalt

Neben den Pionieren, welche Mitte der 1980er-Jahre die Naturgartenidee vorlebten, inspirierten Bücheler sein Vorgänger Thom Roelly und Christian Zinsli, der langjährige Präsident des Naturschutzvereins St.Gallen. Dieser liess vor dem Schulhaus Halden eine Blumenwiese mit Krautsäumen und Niederhecken erblühen.

Bücheler ist ein Freund der Artenvielfalt und versuchte seine Auffassung durchzusetzen, so gut es gegen die steinigen Tatsachen einer Stadt und andere Auffassungen möglich war. Geschliffene Kanten sind nur schon deshalb gefragt, damit Wasser kanalisiert abfliessen kann.

Nicht eingreifen konnte Christoph Bücheler hingegen in private Gärten bei typischen Neubausiedlungen, wo überwiegend sterile Rasenflächen, Thujahecken und Schotterwüsten anzutreffen seien:

«Wir sind zu sehr auf Ordnung und Sauberkeit bedacht. Unsere Städte sind ordentlich herausgeputzt und lassen kaum spontane Vegetation zu.»

Wie wohltuend sei dagegen eine spontan entstandene oder gepflanzte, natürliche und artenreiche Pflanzengesellschaft, sagt Bücheler. Wie er so erzählt, regt sich in seiner Seele plötzlich auch der Verwalter. Stolz zeigt er auf dem Bildschirm, wie jeder Baum minutiös erfasst ist, wie sich die Zahl der Angestellten bei wachsendem Arbeitspensum nicht verändert hat.

Neben den Friedhöfen figurierten Parks, Spielplätze, Sport- und Schulanlagen in Büchelers Pflichtenheft. Die Digitalisierung habe den Aufwand erhöht. Nicht zuletzt dies habe seinen Entscheid, sich im Alter von 61 Jahren per Ende Mai pensionieren zu lassen, beeinflusst.

Naturnaher Garten daheim

Wenn am 1. Juli sein Nachfolger übernimmt, wird er die Idee der durchgrünten Stadt weiter umsetzen müssen: Vor dem Hintergrund ausgeräumter Landschaften, zubetonierter Städte und Klimaextremen werde die Herausforderung immer grösser, in den nächsten Jahren mehr naturnahe Lebensräume in den Siedlungsraum zu bringen und zu vernetzen, sagt Bücheler.

Er selber wird nun vom Ausführenden zum Beobachter. Der Vater von drei erwachsenen Kindern wird zusammen mit seiner Frau oft in den Bergen wandern, sich aber auch in seinem Tessiner Rustico entspannen, Italienisch lernen und daheim seinen Garten pflegen. Ganz naturnah.

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