Anti-Scientology-Aktivisten ziehen sich aus St.Gallen zurück

Sie kämpfen seit Jahren gegen Scientology, den Kampf gegen die St.Galler Behörden geben die Gegner der Sekte nun jedoch auf.

David Gadze
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Die Freien Anti-Scientology-Aktivisten Yolanda Sandoval Künzi und Beat Künzi in der Neugasse.

Die Freien Anti-Scientology-Aktivisten Yolanda Sandoval Künzi und Beat Künzi in der Neugasse.

Bild: Michel Canonica (9. November 2019)

Die Freien Anti-Scientology-Aktivisten (Fasa) geben den Kampf auf. Nicht jenen gegen Scientology, aber jenen gegen die St.Galler Behörden. Seit Juni dieses Jahres machen die Fasa gegen die Sekte mobil und warnen bei deren Standaktionen in der ganzen Schweiz Passanten mit Schildern und mit Worten. So auch schon mehrmals in der Stadt St.Gallen, ohne nennenswerte Vorkommnisse. Die Stadtpolizei hat die Gegenaktionen der Fasa aber wegen «gesteigerten Gemeingebrauchs des öffentlichen Grundes» kürzlich der Bewilligungspflicht unterstellt, obwohl die Fasa in der Regel nur zu zweit unterwegs sind – eine umstrittene Massnahme (Ausgabe vom 22. November). Gegen diese Bewilligungspflicht haben die Fasa beim kantonalen Baudepartement Rekurs erhoben. Zum einen wehren sie sich gegen die Bewilligungspflicht als solche, zum anderen gegen die Auflage, einen Mindestabstand von 20 Metern (statt bisher zehn Metern) zum Stand von Scientology halten zu müssen. «Wir dürfen uns ihnen nicht nähern, gleichzeitig dürfen sich Mitarbeiter von Scientology aber neben uns stellen und uns mit ihren Schildern vorwerfen, die Sekte zu diffamieren», sagt Yolanda Sandoval Künzi. Sie hat die Fasa zusammen mit ihrem Mann am 14.Februar 2019 ins Leben gerufen.

Nur: Für die amtlichen Kosten des Rekurses müssten die Fasa eine Vorauszahlung von 1500 Franken leisten. «Das können wir nicht», sagt Yolanda Sandoval. Auf dem Vereinskonto seien 50 Franken, sie und ihr Mann hätten dieses Jahr sogar auf die Ferien verzichtet, um die Ausgaben für die Aktionen in der ganzen Schweiz bezahlen zu können. Die 1500 Franken – plus allfällige Anwaltskosten – seien für das Paar aus dem Baselbiet schlicht zu viel.

«Die Meinungsfreiheit ist gebodigt worden»

Yolanda Sandoval spricht von einer «dreifachen Sanktionierung»: Die Bewilligungspflicht, die Verdoppelung des Mindestabstands und der Kostenvorschuss hätten letztlich dazu geführt, dass die Fasa die Stadt St.Gallen künftig meiden werden, wenn Scientology mit einem Stand vertreten ist. Auch an den von der Stadtpolizei bereits bewilligten Gegenaktionen vom kommenden Samstag und vom 21. Dezember wollen die Freien Anti-Scientology-Aktivisten nicht teilnehmen. «Wir haben keine Lust auf Konfrontation.»

Für Yolanda Sandoval steht jedenfalls fest, dass durch die Bewilligungspflicht der Stadtpolizei letztlich die Falschen gesiegt hätten, nämlich Scientology. «Und was hinzu kommt: Die Meinungsfreiheit ist in St.Gallen gebodigt worden.»