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Strassenumfrage bei Rorschacher und Thaler Passanten:« Man kann nicht alle Fahrenden in einen Topf werfen»

In Thal ist ein Durchgangsplatz für Fahrende abgesagt worden, in Rorschacherberg haben sie Behörden unkompliziert aufgenommen. Von Stereotypen und Vorurteilen gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe halten die meisten nichts, zeigt eine Umfrage.
Rahel Jenny Egger
Am Rorschacherberger Seeufer haben sich Schweizer Fahrende spontan niedergelassen. (Bild: Benjamin Manser)

Am Rorschacherberger Seeufer haben sich Schweizer Fahrende spontan niedergelassen. (Bild: Benjamin Manser)

In Rorschacherberg hat sich eine Gruppe Schweizer Fahrender spontan auf dem Areal beim Schlachthof niedergelassen. Die Gemeinde hat die Jenischen und Sinti mit offenen Armen empfangen. Solche Spontanhalte entstehen meist aufgrund des Mangels an Durchgangsplätzen. Der Kanton ist durch den Minderheitenschutz verpflichtet, Plätze für den vorübergehenden Aufenthalt zu errichten.

Doch häufig wehren sich die Gemeinden, wie kürzlich Thal, gegen Vorhaben auf ihrem Grund. Bei der Umfrage in Rorschach und Thal zeigen sich Passanten aber tendenziell offen. Solange sich die Durchreisenden an die Regeln halten, sind sie willkommen.

Patrick Hefner (29), Rorschach: Wenn das Gelände etwas ausserhalb liegt, sollte so ein Platz kein Problem sein. Solange niemand durch Lärm, Müll oder andere Faktoren eingeschränkt wird, weiss ich nicht, wieso man sich an einem solchen Vorhaben stören sollte. Es kann doch auch sehr schön sein, eine andere Lebensweise miterleben zu dürfen.

Evelyne Portmann (55), Rorschach: Das Theater in Thal und den anderen Gemeinden verstehe ich nicht. Wo sollen sie denn sonst hin? Irgendwo müssen sie doch bleiben. Ich sehe nicht ein, wieso sie immer wieder weggeschickt werden. Man kann nicht alle in einen Topf werfen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, nicht für die Taten des anderen. Man muss einzeln beurteilen.

Tamara Paskarevic (16), Rorschach: Dass Thal den Durchgangsplatz abgelehnt hat, ist schade. Es sollten mehr solche Plätze errichtet werden. Wer immer auf Reisen ist, muss zwischendurch auch einmal irgendwo ankommen. Damit sich keine Angst breit macht, könnte die Polizei ja kontrolliert campieren lassen. Zum Beispiel, indem sie zuvor die Strafregister prüft.

Vesentini Duilio (81), Rorschacherberg: Ich denke, die Haltung in Rorschach ist anders als in Thal. Hier leben viele Ausländer, deswegen ist man vielleicht etwas offener für andere Kulturen. Es geht immer noch die Angst um vor dem Stereotyp des «Zigeuners». Man müsste mehr Aufklärung betreiben. Wir Schweizer sind sehr abwägend, solche Dinge gehen hier länger.

Vanessa Engensperger (28), Rorschach: Selbst wenn das Errichten von Durchgangsplätzen gesetzlich nicht vorgeschrieben wäre, sehe ich es als humanitäre Pflicht. Klar gibt es immer Gegner, mit Ängsten und Vorurteilen. Ähnliche Diskussionen hört man ja auch in Bezug auf Asylbewerber. Deswegen ist es genau in solchen Situationen wichtig, die Begegnung beider Seiten voranzutreiben.

Hans Jäggi (64), Thal: Schon mehrmals haben Fahrende bei uns campiert und es gab nie Schwierigkeiten. Solange sie sich anständig verhalten, wäre ein Durchgangsplatz doch kein Problem. Ihre Lage ist schon schwierig genug. Früher zogen sie von Haus zu Haus und schliffen die Scheren der Bewohner. Heutzutage können sie davon kaum noch leben und müssen sesshaft werden.

Ernst-Rémi Murat (73), Lutzenberg: Eigentlich sind es nur althergebrachte Meinungen und die Angst vor Kriminalität, die so einem Durchgangsplatz im Wege stehen. Solange alles sauber hinterlassen wird und keine Kosten bei der Gemeinde entstehen, sehe ich keine Schwierigkeiten. Das Pflegen der eigenen Traditionen und Brauchtümer empfinde ich als etwas Schönes.

Cécile Knill (54), Thal: Persönlich habe ich kein Problem mit den Fahrenden, solange sie Ordnung halten. Der geplante Platz, hätte ja sowieso eher ausserhalb gelegen. Einige meiner frühen Verwandten waren selbst Kinder Fahrender und wuchsen im Heim auf, weil sie ihren Eltern weggenommen wurden. So etwas ist bevormundend. Sie pflegen eigene Traditionen, das ist doch wunderbar.

Hansjakob Tobler (63), Thal: Es ist schade, dass der Platz abgelehnt wurde. Es gab deswegen extra eine Versammlung und auf einmal fällt alles ins Wasser? Ich selbst hatte keine Bedenken, da ja von Anfang an klar war, dass ein Abbruch jederzeit möglich gewesen wäre. Zudem hätten wir mit dem Kanton einen guten Deal aushandeln können, was die Verkehrslage da unten betrifft.

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