St.Galler Kehrichtheizkraftwerk verbrennt immer mehr Güsel

Der Geschäftsbericht von Entsorgung St.Gallen zeigt: Seit das Kehrichtheizkraftwerk umgebaut wurde, wird mehr Güsel angeliefert. Aber nicht weil die Stadtsanktgaller mehr Abfall produzieren.

Marlen Hämmerli
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Im Kehrichtheizkraftwerk St.Gallen wurden vergangenes Jahr 77'717 Tonnen Güsel verbrannt. (Bild: Benjamin Manser - 9. August 2017)

Im Kehrichtheizkraftwerk St.Gallen wurden vergangenes Jahr 77'717 Tonnen Güsel verbrannt. (Bild: Benjamin Manser - 9. August 2017)

Im Kehrichtheizkraftwerk (KHK) wird seit Abschluss der Umbauarbeiten mehr Abfall angeliefert. Vergangenes Jahr waren es insgesamt 80'740 Tonnen Kehricht, knapp sechs Prozent mehr (2017: 76'205 Tonnen). Davon entfielen 16'271 Tonnen auf die Stadt St.Gallen, was 205 Kilogramm Abfall pro Einwohner entspricht (2017: 207 Kilogramm).

Neben dem Güsel der umliegenden Gemeinden liefern vor allem Industrie und Gewerbe viel Abfall ins KHK. 32'747 Tonnen waren es gemäss dem Geschäftsbericht von Entsorgung St.Gallen 2018; das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent (2017: 28'098 Tonnen).

Um der steigenden Abfallmenge und neuen Anforderungen durch das Fernwärmenetz beizukommen, wurde das KHK während vier Jahren saniert. Seit vergangenem Jahr verfügt es über mehr Türen und Tore, aber nicht nur. Entstanden sind eine neue Anlieferhalle und ein grösserer Bunker. Die Bauarbeiten liefen unter Normalbetrieb, was für manchen Mitarbeiter zu viel war. Die Fluktuation betrug 2018 sieben Prozent, was überdurchschnittlich hoch ist.

Jeder fünfte Schichtarbeiter kündigt

Die Arbeiten waren aber nicht der einzige Grund für die Wechsel. «Wegen Pensionierungen mussten wir während der Umbauarbeiten einige Schichtarbeiter ersetzen», so Marco Sonderegger, Leiter Entsorgung St.Gallen.

«Wer im Schichtbetrieb arbeitet, muss erst merken, ob er dafür geeignet ist.»

Schweizweit steige im Schnitt jeder Fünfte wieder aus, zitiert Sonderegger eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft. Von den 80'740 Tonnen Kehricht wurden 77'717 Tonnen verbrannt und in Strom sowie Wärme umgewandelt. 2018 entstanden knapp 23,4 Millionen Kilowattstunden Strom und gut 200 Millionen Kilowattstunden Fernwärme. Das sind gegenüber 2017 vier Prozent mehr Wärme.

Nach dem Abschluss der Bauarbeiten wurde die Leistung der beiden Ofenlinien erhöht. Dies gelang gemäss Geschäftsbericht durch geeignete Fahrweise und mit Hilfe kleinerer technischer Anpassungen. Zudem wird der Kehricht neu geschreddert, bevor er verbrannt wird. «Das erhöht die Effizienz der Abfallbewirtschaftung», sagt Sonderegger. Aufgrund der Massnahmen kann eine Ofenlinie pro Stunde 19 statt 15 Tonnen Dampf produzieren. Die höhere Leistung wird vorab im Winter gefahren.

Um die Menge der Fernwärme steuern zu können, presst das KHK Kehricht zu Ballen und lagert diese ein. Das geschieht während Revisionen, die gezielt ausserhalb der Winterperiode durchgeführt werden.

Sensoren überwachen Wertstoff-Container

Um die neuen Bedingungen im KHK optimal nutzen zu können, wurde das Strategieprojekt «KHK Logistik plus» lanciert. Ein weiteres ist das Projekt «Sammeldienst 2020». Ziel ist es, die Sammelrouten für Grüngut, Kehricht, Papier, Glas und andere Wertstoffe zu optimieren.

Auch mit Hilfe von Sensoren bei den Sammelstellenbehältern. Diese messen den Füllstand in Echtzeit. Solche Sensoren waren 2018 in drei Sammelstellen getestet worden. Der Test verlief so gut, dass nun bis Ende 2020 alle Sammelstellen mit Sensoren nachgerüstet werden. Ob auch Ungerflurbehälter mit Sensoren ausgestattet werden, wird geprüft.

Das Grüngut wird weiterhin mit einem Fahrzeug und von zwei Mitarbeitern eingesammelt. Das Stadtparlament hatte 2015 zwei Fahrzeuge und neun Stellen bewilligt und damit dem Ausbau vorgespurt. Derzeit haben Liegenschaftsverwalter und Einfamilienhaus-Besitzer 1770 Grüngut-Abos abgeschlossen. Die Zahl der Abos nahm damit um 320 zu. So wuchs auch die gesammelte Menge von 983 Tonnen auf 1380 Tonnen, trotz des Hitzesommers.

Hitzesommer hat Auswirkungen

Der Hitzesommer hatte auch Folgen für Entsorgung St. Gallen. So sank die gereinigte Abwassermenge um 17 Prozent auf gut 15,4 Millionen Kubikmeter Wasser. Das entspricht gut 128 Millionen Badewannen, 29 Millionen weniger als 2017. Das Abwasser war damit weniger verdünnt, also belasteter als im Vorjahr. «Das hat aber keine negativen Einflüsse», sagt Dienststellenleiter Marco Sonderegger. Eine weitere Folge ist, dass das Dach des Kehrichtheizkraftwerks (KHK) vermehrt besichtigt wird: Nach dem heissen Sommer wurde der Ruf nach Fassaden- und Dachbegrünungen laut. Just 2018 entstand auf dem KHK-Dach eine Ökofläche, wo Mitarbeiter in ihrer Freizeit Reben für Traubensaft anbauen.

Feuchttücher verstopfen häufiger

Pumpen Feuchttücher und andere Gegenstände verstopfen zunehmend die Kanalisation, Pumpen und Regenklärbecken. «Auch weil Feuchttücher vermehrt benutzt werden», sagt Sonderegger. Die Verpackungen würden vortäuschen, die Tücher seien abbaubar. Doch die Fasern lösen sich im Abwasser nicht auf, sondern erst nach längerer Zeit. So sammeln sich Gegenstände sowie Feuchttücher und vermischen sich mit Fäkalien. Im schlimmsten Fall werden etwa Pumpen zerstört. Mitarbeiter müssen in Sondereinsätzen die Verstopfung beheben. Dazu wird laut Sonderegger die Pumpe aufgeschraubt und die beweglichen Teile werden von den Feuchttüchern gereinigt. Die Kosten für diese Einsätze und Reparaturen seien nicht unwesentlich. (mha)