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St.Gallen: 55-Jähriger verletzt Mann mit kaputter Flasche - jetzt muss er ins Gefängnis

Der Beschuldigte hat einem Restaurantgast mit einem Flaschenhals schwere Schnittverletzungen im Gesicht zugefügt. Vor Gericht bestritt er die Tat nicht, beteuerte aber, sich nicht mehr daran zu erinnern.
Claudia Schmid
Der Mazedonier reiste für die Verhandlung in die Schweiz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Mazedonier reiste für die Verhandlung in die Schweiz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Staatsanwaltschaft hatte den Beschuldigten der versuchten schweren Körperverletzung und der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes angeklagt. Sie verlangte, dass eine früher bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von zwei Jahren widerrufen und eine Gesamtstrafe von 50 Monaten ausgesprochen wird.

Die Tat geschah bereits vor drei Jahren im Februar 2016. Bevor es zur Gerichtsverhandlung kam, sollte ein Gutachten klären, inwieweit der Mann überhaupt schuldfähig ist. Er hatte von Anfang betont, er könne sich an gar nichts mehr erinnern. Vermutlich habe er aufgrund von zu viel Alkohol, Medikamenten und Drogen einen «Filmriss» erlitten. Als das erste Gutachten vorlag, wurde es von der Verteidigung nicht akzeptiert. Es sei zu oberflächlich abgefasst und damit unbrauchbar, argumentierte sie. Nachdem ein zweites Gutachten vorlag, konnte die Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen nun stattfinden. Der Beschuldigte war inzwischen wegen einer früheren Straftat in seine Heimat Mazedonien abgeschoben worden.

Tat geschah nach durchzechter Nacht

Sein Mandant wolle reinen Tisch machen und sei deshalb für die Gerichtsverhandlung nach St. Gallen zurückgekehrt, erklärte der Verteidiger. Er sei weder ein aggressiver Mann noch ein Schlägertyp. Da er vor einigen Jahren aufgrund einer Verwechslung absichtlich angefahren worden sei, wisse er, was es bedeute, ein Opfer zu sein. Die Attacke sei der Grund dafür, dass er übermässig Alkohol trinke und mit 50 Jahren damit angefangen habe, Kokain zu konsumieren.

Die Tat mit dem Flaschenhals sei nach einer Beizentour durch Rorschach passiert. Nach der durchzechten Nacht sei der Beschuldigte mit Bekannten in einem Taxi nach St. Gallen zurückgekehrt, wo sie im Goliathstübli in der Innenstadt nochmals eingekehrt seien. Es kam zu Pöbeleien und Schubsereien, und weil ihn einer in der Gruppe zurechtwies, ging der Beschuldigte mit der zerbrochenen Flasche auf ihn los und fügte ihm Schnitte in Gesicht und Nacken zu.

Sein Mandant sei bereit, eine angemessene Strafe zu akzeptieren, betonte der Verteidiger weiter. Die von der Anklage geforderten 50 Monate seien aber geradezu masslos. Er sei wegen einfacher Körperverletzung zu höchstens einem Jahr Gefängnis zu verurteilen. Vollzugsbegleitend sei eine ambulante Suchttherapie und Bewährungshilfe anzuordnen.

Vor 37 Jahren in die Schweiz gekommen

Das zweite Gutachten hatte beim Beschuldigten eine leicht eingeschränkte Steuerungsfähigkeit diagnostiziert. Der Verteidiger wies auch darauf hin, dass der gebürtige Mazedonier 37 Jahren in der Schweiz gelebt hatte, bevor er im Herbst 2018 des Landes verwiesen wurde. Er habe sich gut integriert. Alle Verwandten, Kinder und Enkelkinder eingeschlossen, lebten in der Schweiz. Der vorübergehende Landesverweis treffe ihn schwer, da er in der Heimat kaum noch jemanden kenne.

Das Kreisgericht verurteilte den Beschuldigten wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten und ordnete vollzugsbegleitend eine ambulante Massnahme an. Die Vorstrafen wurden nicht widerrufen und die Probezeit um eineinhalb Jahre verlängert. Dem Opfer muss er Schadenersatz und eine Genugtuung zahlen.

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