Andreas Mösli lebt die Rebellion auch mit stillen Klängen

Er ist Punk und als Geschäftsführer des FC Winterthur eine Kultfigur. Am Mittwoch tritt Andreas Mösli mit seiner Frau Helena Rüdishüli und Ange Tangermann in der St.Galler «B-Post» auf.

David Gadze
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Andreas Mösli mit seiner Frau Helena Rüdisühli (Mitte) und Kontrabassistin Ange Tangermann.

Andreas Mösli mit seiner Frau Helena Rüdisühli (Mitte) und Kontrabassistin Ange Tangermann.

Bild: PD

Nein, subversiv ist die Musik von Catbird nicht wirklich. Sie ist anschmiegsam statt aufreibend, gefühlvoll statt gewaltig. Dabei steht Andreas Mösli, der Gitarrist der Winterthurer Gruppe, die am Mittwochabend in der «B-Post» in St.Georgen auftritt, für Rebellion. Und das wie nur wenige, die in den vergangenen 40 Jahren in der Schweizer Musikszene aktiv waren und sind. Der leichtfüssige Folk-Pop von Catbird steht im Kontrast zur Musik, die Mösli früher machte – und mit der er Spuren in der Schweizer Rockszene hinterliess, mit Ear sogar halbwegs erfolgreich.

Mit seiner Frau, der St.Gallerin Helena Rüdisühli, die selbst mit der Band Les Amouse Bouches aktiv ist, hat Mösli Catbird vor über zehn Jahren als Duo aus der Taufe gehoben. «Ich habe zu Hause auf dem Sofa angefangen, auf der akustischen Gitarre herumzuklimpern, und sie hat dazu gesungen», erzählt er von den Anfängen. So entstanden schöne Songperlen, deren Wärme und Funkeln im eigenen sonnendurchfluteten Klang nie langweilig ist. Wegen seines Tinnitus’ könne er inzwischen ohnehin nicht mehr so laute Musik machen, zumindest nicht so oft, kommentiert Mösli den Stilwechsel. Ausserdem habe er mit Catbird einige Ideen umgesetzt, die bei Ear nicht funktioniert hätten.

Mit den Punkgruppen Abriss, Sly und Swinging Zombies beackerte Mösli in den 1980er-Jahren den Schweizer Untergrund. Im Sog der Grunge-Bewegung, die durch Nirvana in den frühen 1990ern explodierte, kamen dann auch Ear an die Oberfläche der Rocklandschaft. Sie veröffentlichten zwischen 1992 und 1998 drei von Kritikern und Hörern gelobte Platten, tourten durch Europa und spielten sich auf das Radar der Musikindustrie. Der Durchbruch blieb jedoch aus, Winterthur funktionierte nicht wie Seattle, das Mekka der Grungeszene. «Obwohl wir mit Ear weggekommen sind vom ideologisch geprägten Punk, den wir in den Anfangsjahren gespielt haben.»

Dabei ist die linke Ideologie seit jeher Teil von Möslis Wirken, Teil seiner Geschichte. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie. Sein Grossvater wanderte 1918 als Wirtschaftsflüchtling nach Deutschland aus, seine Eltern kehrten wiederum aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz zurück. In Winterthur sozialisierte sich Mösli in der alternativen Szene, er arbeitete in verschiedenen Kulturbetrieben und war Mitglied der sozialistischen Jugend.

Auf diesem Nährboden hat der 54-Jährige den Fussballclub seiner Heimatstadt zu einem Kultverein gemacht. Kurz nach der Jahrtausendwende hat er als Geschäftsführer angefangen und den maroden Verein wieder auf die Beine gestellt. Mösli hat aus der Not eine Tugend gemacht und den Club als Gegenentwurf zu den Grossen im kommerzialisierten Geschäft gemacht, «zu einer Marke, auf die man stolz sein kann», wie er selbst sagt.

Die oft beschworene – und oft verklärte – Fussballromantik, sie lebt in Winterthur auf der Schützenwiese immer noch. Das Stadion ist eine Art alternatives Kulturzentrum, in dem es um mehr geht als nur um Fussball. «Natürlich brauchen auch wir Geld», sagt Mösli. Geld, das jahrelang der Goldacher Hannes W. Keller zur Verfügung stellte und so das Überleben in der Challenge League sicherte. Letztlich gehe es darum, bestimmte Werte zu repräsentieren. Werte wie Solidarität, Toleranz oder Integration. Mösli lebt diese Werte mit Haut und Haar – uns ist so zum Gesicht des FC Winterthur geworden. «Es freut mich, dass nicht nur Lokalpatrioten unseren Weg anerkennen, sondern er eine weite Ausstrahlung hat.»

Möslis musikalische Gegenwart heisst jetzt also Catbird. Was die Zukunft noch bringen wird, weiss er selbst nicht genau. Fast zehn Jahre sind seit der Veröffentlichung der ersten und bisher einzigen Platte «Easy As Pie» vergangen. Das Ziel sei, bald wieder ins Studio zu gehen, um ein neues Album aufzunehmen. Die Songs seien da. Und einige davon gibt es heute Abend in der «B-Post» zu hören. Und doch ist Andreas Möslis musikalische Vergangenheit nicht verklungen. Ear haben sich nie aufgelöst und treten gelegentlich auf. «Ich habe immer noch Lust auf laute Sachen.» Die Rebellion, sie lebt – im Fussball und in der Musik.

Catbird: 12. Februar, 20 Uhr, B-Post, Demutstrasse 2

FUSSBALLMÄZEN: Der Goldacher, der Winterthur rettete

Der St.Galler Physiker Hannes W. Keller hat in der Sulzerstadt ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Bekannt geworden ist er als Sponsor des FC Winterthur. Im Cup-Halbfinal treffen die Zürcher am Mittwochabend auf Super-League-Leader Basel.
Marcel Elsener