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Andacht vor dem Znacht: Zu Besuch in der «christlichsten» Wohngemeinschaft der Stadt St. Gallen

Das Stattkloster ist eine Wohngemeinschaft, aber keine normale. Die Mieter leben hier «christlich» zusammen. Die zwei Bewohnerinnen sagen, wie sie die ersten Monate erlebten.
Interview: Marlen Hämmerli
Milagritos Vega (links) und Elena Policante leben gemeinsam in der religiösen Hausgemeinschaft Stattkloster. (Bild: Hanspeter Schiess)

Milagritos Vega (links) und Elena Policante leben gemeinsam in der religiösen Hausgemeinschaft Stattkloster. (Bild: Hanspeter Schiess)

In der Hausgemeinschaft an der Kirchgasse 16 sollen die Bewohner christlich zusammenleben und den Glauben erproben. Platz hat es für sieben Bewohner, die Wohndauer im Stattkloster, einem Angebot des ökumenischen Vereins Wirkraum Kirche, ist auf 18 Monate beschränkt. Elena Policante lebt derzeit allein in der obersten Wohnung, weil ihre Mitbewohnerin bereits wieder ausgezogen ist. Ein Stock darunter lebt Milagritos Vega mit ihrem dreijährigen Sohn.

Warum ist Ihre Mitbewohnerin bereits wieder weg?

Elena Policante: Wir haben uns super verstanden, das ist es nicht. Aber sie fühlte sich hier nicht sehr wohl. Ihr Lebensmittelpunkt liegt eher in Gossau.

Was bewog Sie beide dazu, in eine spirituelle WG zu ziehen?

Policante: Letzten Sommer bin ich mit dem Studium fertig geworden und da war schon die Diskussion, so langsam könnte ich ausziehen. Eine eigene Wohnung kam aber nicht in Frage und ein Zimmer in einer Zwecks-WG wollte ich nicht. Da die Mietdauer hier beschränkt ist, ist es eine gute Möglichkeit, etwas auszuprobieren. Auch von Anfang an dabei zu sein, fand ich spannend, weil ich so mitgestalten kann.

Milagritos Vega: Vor dreieinhalb Jahren bekam ich ein Kind und schloss meine Lehre zur Detailhandelsfachfrau ab, fand dann aber keinen Job. Kurz ging ich zurück nach Peru, aber das war auch keine Lösung. Wieder in der Schweiz lebte ich bei meinem Bruder in Altnau und fand einen Job in Affoltern am Albis. Fünf Stunden pendeln und es gefiel mir dort überhaupt nicht – ich hatte zuvor in St. Gallen gelebt. Deshalb bat ich bei der Kirche um Hilfe. So kam eines zum andern.

Wie religiös sind Sie?

Policante: Ich bin evangelisch aufgewachsen und seit der ersten Klasse im Cevi. Die Religion ist ein Teil von mir. Auch im Cevi: Wir geben die christlichen Werte weiter, das ist mir wichtig. Ich lebe die Religion aber nicht mega aus.

Also sind Ihnen vor allem die Werte wichtig?

Policante: Nein, auch der Glaube. Während dem Studium bin ich vor den Prüfungen immer in einen Gottesdienst gegangen, weil mich das wahnsinnig beruhigte. Nach der intensiven Lernphase kam ich so wieder an und konnte die Augen für anderes öffnen.

Vega: Der Glaube begleitet mich schon das ganze Leben. Im Ausland zu leben ist nicht einfach. Ich gehe sonntags oft in die Kirche und versuche das meinem Kind weiterzugeben.

Inwiefern spielt die Spiritualität im Haus eine Rolle?

Policante: Im Alltag ist es schwierig, weil wir je alleine in einer Wohnung leben. Aber unseren «Huusznacht» am Freitag haben wir auch schon mit einer Andacht gestartet. Gemeinsam ankommen, ein Lied singen, es muss nicht unbedingt Beten sein. Spiritualität ist auch Gemeinschaft, alltägliches Handeln, eine gelassene Atmosphäre. Ich fühlte mich hier von Anfang an wohl. Zieht man um, braucht man einen Moment, um anzukommen. Hier war das nicht nötig. Ich wusste, wenn ich jemanden zum Reden brauche, ist da jemand.

Vega: Als ich ankam, fühlte ich mich sofort wohl. Das war wichtig. Denn wenn ich unruhig bin, gebe ich das meinem Kind weiter.

Wo sehen Sie den Unterschied zu einer normalen WG?

Policante: Ich denke, in einer WG mit Kollegen hat man eine Gemeinschaft, kennt aber seine Nachbarn nicht wirklich. In einer Zwecks-WG hat man sein Zimmer und das ist es. Hier ist es im ganzen Haus ein Miteinander.

Vega: Ich habe in Peru zusammen mit meiner ganzen Familie gewohnt. Speziell hier ist, dass wenn ich Hilfe brauche, wirklich versucht wird, zu helfen. Und auch der religiöse Teil am Freitag: singen, Bibel lesen.

Policante: Ich setze mich definitiv mehr mit dem Glauben auseinander, seit ich hier wohne.

Wie haben Kollegen auf die spirituelle WG reagiert?

Policante: Wenn ich von der Hausgemeinschaft erzähle, sind die Leute mega interessiert. Beginne ich aber mit dem Wort Stattkloster, braucht es mehr Erklärung. Gerade Kollegen in meinem Alter fragen dann: «Häh? Was machst du dort?»

Vega: Eine gute Bekannte kannte das Projekt bereits und findet es lässig. Auch andere reagieren positiv.

Wie lautet Ihr erstes Fazit?

Vega: Ich fühle mich hier wie Diheim und möchte so lange wie möglich bleiben.

Policante: Dem schliesse ich mich an. Ich bin jetzt gespannt, wie es wird, wenn sich das Haus füllt.

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