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St.Gallen: In der smarten Siedlung vernetzt man sich digital

Digitale Plattformen sollen das Nachbarschaftsleben aufwerten – etwa in der ersten smarten Siedlung der Stadt. Das gelingt nur teilweise, wie sich an der Ostschweizer Sozialraumtagung zeigte.
Seraina Hess
Die Remishueb, das erste smarte Quartier in St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess (10. April 2018))

Die Remishueb, das erste smarte Quartier in St.Gallen. (Bild: Hanspeter Schiess (10. April 2018))

«Digitalisiert die Stadt!» So lautete der Aufruf der Fachhochschule St. Gallen an ihrer gestrigen Sozialraumtagung. Gefolgt sind ihm 80 Teilnehmer aus der ganzen Ostschweiz und aus dem nahen Ausland – zum Beispiel, um sich mit digitaler Nachbarschaft zu befassen. Ein Themengebiet, in der St. Gallen eine Vorreiterrolle einnimmt.

Die Remishueb am östlichen Stadtrand gilt als erste smarte Siedlung der Stadt. Auslöser für den Ausbau zum schlauen Quartier war einst der Ausfall der zentralen Heizung im südlichen Teil der Überbauung, die inzwischen durch ein Blockheizkraftwerk ersetzt wurde. Gespräche mit den Bewohnern zeigten aber auch das Bedürfnis nach Vernetzung untereinander. So wurde vor einem Jahr eine Applikation lanciert, aufgebaut als Bestandteil der MobileSG-App. Ziel ist es, mit Rubriken wie Pinnwand, Veranstaltungen oder News das Quartierleben zu befruchten.

Migros und Swisscom mischen mit

Dass digitale Tools für Nachbarschaftshilfe im Kommen sind, zeigt sich weltweit. Hierzulande sind es Swisscom und Migros, die auf dem Markt mitmischen – international erfolgreich ist die App Nextdoor, wo Menschen beispielsweise Dienstleistungen wie Babysitting anbieten oder in Anspruch nehmen können.

Am Angebot an entsprechenden Plattformen zeigt sich, wie der positiv konnotierte Begriff der Nachbarschaft an Bedeutung gewonnen hat. «In unserer unübersichtlich und anonym gewordenen Welt wird die Nachbarschaft in Städten wiederentdeckt – die Überschaubarkeit des Dorfes dient als Vorbild», erklärt Eva Lingg, Fachhochschuldozentin am Institut für soziale Arbeit und Räume.

Begrüssung mit dem musikalischen Impro-Moderator Christian J. Käser vor den Workshops. (Bild: PD)

Begrüssung mit dem musikalischen Impro-Moderator Christian J. Käser vor den Workshops. (Bild: PD)

Aber halten Tools, wie auch die Stadt mit den Remishüeblern eines entwickelt hat, was sie versprechen? Und ist die smarte Remishueb tatsächlich so schlau, wie sie zu sein vorgibt? Dieser Frage sind die Workshop-Teilnehmer mit Marcel Baur nachgegangen. Er ist einer von insgesamt 812 Remishueb-Bewohnern. «Als Informatiker habe ich mir eine smarte Siedlung natürlich anders vorgestellt», sagt er. Baur wurde aber rasch klar, dass sich eine schlaue Stadt eben nicht nur durch technische Errungenschaften hervortue, sondern den Bewohnerinnen und Bewohnern vor allem der soziale Aspekt, die Vernetzung unter Nachbarn, wichtig sei. Die App ist ein Teil davon – inzwischen sind 140 Nutzer im geschlossenen Bereich registriert. Auf die Einwohnerzahl bezogen eine eher tiefe Zahl; im Verhältnis zu den geschätzten 200 bis 300 Haushaltungen der Siedlung hingegen beachtlich.

Die Teilnehmer erarbeiteten verschiedene Schwerpunkte. (Bild: PD)

Die Teilnehmer erarbeiteten verschiedene Schwerpunkte. (Bild: PD)

Kein Facebook für Nachbarn

Zu einem Facebook-Äquivalent verkommt die App allerdings nicht. Gerade Hilfeleistungen würden nach wie vor persönlich angeboten, Probleme des Quartiers wie etwa die Verkehrssituation nicht online, sondern mündlich besprochen. «Die App löst kein Verkehrsproblem», sagt Baur. Dynamik sucht man also vergebens – zumindest, wenn die App nicht gerade von der Stadt bespielt wird. Denn abgesehen von der Informationsverbreitung will diese das Tool mehrheitlich den Nutzern überlassen.

Ausgebucht: Der Workshop "Digitale Nachbarschaft". (Bild: PD)

Ausgebucht: Der Workshop "Digitale Nachbarschaft". (Bild: PD)

Basisdemokratie in der App

Allerdings hat die Stadt erst kürzlich eine Umfrage zur Umnutzung einer ehemaligen Swisscom-Telefonkabine gestartet. Diese könnte in der Remishueb platziert und zur Mini-Bücherei umgebaut werden, sofern die Idee ankommt. Ein Beispiel einer analogen Angelegenheit, die dank der Plattform digital geklärt wird. Dennoch fasst Marcel Baur zusammen: «Die App bleibt letzten Endes ein einfaches Schwarzes Brett.»

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