Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

"Der Schiessstand ist für mich ein Kraftort" - Koni Zeller über seine Volltreffer beim Feldschiessen

Koni Zeller hat am eidgenössischen Feldschiessen als Einziger der Region die maximale Punktzahl erreicht. Am Schiesssport schätzt er gebürtige Häggenschwiler die Kameradschaft – und die Nähe zur Natur.
Adrian Lemmenmeier
«Beim Schiessen darf man nicht denken» - Koni Zeller vom SV Ramschwag. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Beim Schiessen darf man nicht denken» - Koni Zeller vom SV Ramschwag. (Bild: Hanspeter Schiess)

Koni Zeller legt sich in den Schiessstand, nimmt sein Sturmgewehr in Anschlag und späht durchs Visier. Hier, im Stand des Schützenvereins Ramschwag in Bernhardzell, hat er geschafft, was dieses Jahr im Kanton keiner geschafft hat: Der 49-jährige Lastwagenfahrer hat beim Feldschiessen das Maximum erreicht. Alle 18 Schuss hat er ins Schwarze getroffen.

An diesem Abend steckt kein Magazin im Sturmgewehr, und im Schiessstand riecht es nicht nach Pulverdampf, sondern nach dem Gummi des schalldämpfenden Bodenbelags. Koni Zeller dreht sein Kranzabzeichen in den Händen. Eine 72 ist mit Filzstift auf die Rückseite gemalt – die maximale Punktzahl. «Vor dem letzten Schuss ist mir kalter Schweiss über den Rücken gelaufen», erinnert sich Zeller. Dann habe er abgedrückt, nichts überlegt. «Beim Schiessen darf man nicht denken.»

Präzision und Kameradschaft

Nach den Volltreffern vom vergangenen Wochenende wurde Zeller mit Gratulationen überschüttet. «Ich erhielt sehr viele Whatsapp-Nachrichten.» Es war Zellers grösster Erfolg am Schiessstand. «Und beim Training habe ich noch gesagt: Morgen schiess ich einen Zweiundsiebziger.»

Koni Zeller war 16, als er seinen ersten Schuss abgab. «Das muss an einem Jungschützentag in Häggenschwil gewesen sein.» Dem Schützenverein ist er erst mit 25 beigetreten, weniger weil ihn das Schiessen faszinierte, mehr weil seine Kollegen bereits Mitglieder waren. Seither verbringt Zeller viel Zeit im Bernhardzeller Schützenhaus, auch wenn er unterdessen der Liebe wegen von Häggenschwil nach Flawil gezogen ist.

«Das Schönste am Schiessen ist die Kameradschaft», sagt Zeller. Nach der Standübung trinke man in der Schützenstube oft gemeinsam ein Bier. «Und natürlich fasziniert mich die Präzision, die es in diesem Sport braucht.» Auch möge er die Nähe zur Natur am Schiesssport. «Oft sehen wir beim Schiessen Kühe oder Rehe», sagt Zeller. «Sie haben gar keine Angst vor dem Lärm. Das finde ich faszinierend.» Überhaupt bedeute ihm der Schiessstand sehr viel. «Es ist für mich ein Kraftort», sagt Zeller. Er komme auch gerne alleine hierher. «Es ist so schön ruhig hier – wenn wir nicht schiessen.»

Respekt vor dem Gewehr

Dass sein Sportgerät zum Töten entwickelt wurde, befremdet Koni Zeller nicht. «Natürlich ist einem bewusst, was eine Waffe anrichten kann.» Deswegen verstaue er das Gewehr zu Hause immer im Tresor und bewahre den Verschluss an einem anderen Ort auf. Die Munition bleibe ausserdem im Schiessstand. Zeller verspüre kein Machtgefühl, wenn er sein 57-er-Sturmgewehr in der Hand halte. Und auch ein Tier töten könne er nie. «Das Schiessen ist für mich einfach nur ein Sport – mehr nicht.»

In diesem Sport war Zeller nicht immer erfolgreich. «Vor drei Jahren hätte ich die Flinte fast in die Ecke gestellt», sagt Zeller. Damals habe er mit einem 90-er-Sturmgewehr geschossen und oft schlechte Resultate erzielt. «Unser Präsident hat mich überredet weiterzumachen.» Später habe er einem Berner jenes Gewehr abgekauft, mit dem er am Feldschiessen sämtliche Vereinsrekorde knackte. «Das Gewehr und ich haben diese Schüsse gemeinsam abgegeben», sagt Zeller. Natürlich sei der Schütze der Chef, aber das Gerät müsse man auch mit Respekt behandeln, es hegen und pflegen. «Wir duschen ja auch jeden Tag», sagt Zeller.

Den «Zweiundsiebziger», den Koni Zeller am Feldschiessen erzielte, wird er nie vergessen. «Dieses Gefühl kann man gar nicht beschreiben.» Doch auf den Lorbeeren ausruhen will er sich nicht. Denn gemeinsam mit seinen Kollegen ist er in der schweizerischen Gruppenmeisterschaft gut unterwegs. Auch würde er gern einmal die vereinsinterne Meisterschaft gewinnen. Denn das hat Koni Zeller bis jetzt nicht geschafft.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.