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«An Unterricht ist nicht zu denken»: St.Gallerin bangt um ihre Schule in Kaschmir

Die St.Gallerin Christine Hüttinger Khuroo hat mit ihrem Mann Manzoor Khuroo in Kaschmir eine Schule aufgebaut. Doch aufgrund der aktuellen politischen Lage findet derzeit kein Unterricht statt. Die Zukunft der Schule steht auf dem Spiel.
Christina Weder
Bis Anfang August fand an der «Syed Sahab Memorial School» in Kaschmir noch Unterricht statt. (Bild: PD)

Bis Anfang August fand an der «Syed Sahab Memorial School» in Kaschmir noch Unterricht statt. (Bild: PD)

Die politische Lage im indischen Teil Kaschmirs ist angespannt. Seit sich der Konflikt zwischen Indien und Pakistan um die Himalaja-Region Anfang August erneut verschärft hat, bleiben viele Schulen geschlossen – auch jene Schule, welche die St.Gallerin Christine Hüttinger Khuroo gegründet hat. Der Verein «Freunde für Kaschmir» lanciert deshalb einen Hilferuf. «Unsere Schule ist in Not!», schreibt er in einer Mitteilung und lädt am Sonntag zu einer Info- und Solidaritätsveranstaltung mit kaschmirischem Essen im Quartier Heiligkreuz.

Das Weiterbestehen der Schule sei gefährdet, erzählt Christine Hüttinger Khuroo in der Küche ihrer St.Galler Wohnung. Ihr Mann Manzoor Khuroo bietet Safrantee an. Vor einem Monat ist er aus dem Kaschmir nach St.Gallen gezogen. Christine Hüttinger Khuroo ist bereits vor vier Jahren mit dem gemeinsamen Sohn zurückgekehrt, als ihr eine Stelle im Frauenhaus angeboten wurde.

Christine Hüttinger Khuroo und Manzoor Khuroo. (Bild: Christina Weder)

Christine Hüttinger Khuroo und Manzoor Khuroo. (Bild: Christina Weder)

Angestellte und Kinder bleiben zu Hause

Vorher hat Christine Hüttinger Khuroo über zehn Jahre in der Grossfamilie ihres Mannes in Dagpora gelebt, einem abgelegenen Bauerndorf in Kaschmir. Dort haben die beiden mit Unterstützung des Vereins «Freunde für Kaschmir» die Schule aufgebaut. 2012 startete der Unterricht mit fünf Kindern. Seither stieg die Schülerzahl rasant an. 2017 wurde ein neues Schulhaus eingeweiht. Heute besuchen über 250 Kinder die «Syed Sahab Memorial School». 28 Angestellte – von der Lehrerin über den Schulbusfahrer bis zur Putzfrau – sind beschäftigt. Doch im Moment müssen sie zu Hause bleiben. Die Situation sei zu unsicher, sagt Christine Hüttinger Khuroo.

«Man weiss nie, wo Proteste ausbrechen, wo die Armee stationiert ist oder wo es Ausgangssperren gibt.»

Eltern riskierten in dieser Situation nicht, die Kinder auf den meist langen Schulweg zu schicken. An geregelten Unterricht sei nicht zu denken. Dabei ist es für die 58-Jährige und ihren Mann nicht einfach, sich aus der Ferne ein Bild zu machen. Normalerweise ist Manzoor Khuroo, der als Manager der Schule tätig ist, über Videotelefon und Whatsapp bestens informiert. Doch seit Anfang August ist der Kontakt zum Dorf abgebrochen. Das Internet im Kaschmir ist blockiert, das Mobilfunknetz ausser Betrieb. «Meine Verwandten habe ich seit über einem Monat nicht mehr erreicht», sagt Khuroo. Er mache sich Sorgen.

Eltern können nicht mehr fürs Schulgeld aufkommen

Sorgen bereitet ihm auch die finanzielle Lage der Schule. Der Grossteil der Schulkinder stammt aus armen Verhältnissen. Für die Bevölkerung spitzt sich die wirtschaftliche Situation weiter zu. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, viele Eltern können aufgrund der Ausgangssperren ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen und somit keine Schulgelder mehr bezahlen, auch wenn diese tief angesetzt sind. «Dadurch kommen finanzielle Schwierigkeiten auf uns zu», sagt Christine Hüttinger. Die Schule sei auf zusätzliche Unterstützung angewiesen, bis sich die Situation normalisiert habe.

Krisenregion Kaschmir

Im Kaschmirkonflikt stehen sich die Atommächte Indien und Pakistan gegenüber. Beide beanspruchen die Himalaja-Region für sich. Am 5. August hat Indien den Sonderstatus des indisch kontrollierten Teils von Kaschmir aufgehoben und damit die jüngste Eskalation im Konflikt mit Pakistan ausgelöst. Im indisch kontrollierten Teil leben rund zehn Millionen Menschen, im pakistanisch kontrollierten drei Millionen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist muslimisch.

Sie ist überzeugt, dass es in der Krisenregion besonders wichtig ist, Kindern einen Ort zu bieten, der nicht mit Gewalt verbunden ist und an dem sie sich gut aufgehoben fühlen. Oft genug habe sie selber mitbekommen, wie Kinder in der Regierungsschule geschlagen wurden. Als dann der eigene Sohn eingeschult werden sollte, hat sich Christine Hüttinger Khuroo den Kopf zerbrochen, wo sie ihn zur Schule schicken sollte. So kam sie auf die Idee, selber eine Schule zu gründen. Es sollte eine Schule sein, in der die Kinder zum Selberdenken angeregt werden. Sie hofft, dass der Unterricht bald wieder weitergehen kann.

Info- und Solidaritätsveranstaltung: Sonntag, 22. September, 15-18 Uhr, Casa Sant’Antonio, Heimatstrasse 13, Anmeldung fürs Essen an verein@freundefuerkashmir.ch (Unkostenbeitrag).

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