«An einigen Stellen sind die Böden so schräg, dass der Bürostuhl wegrollt»: St.Galler Stiftsgebäude soll für sechs Millionen renoviert werden

Schiefe Böden und marode Leitungen: Die katholische Kirche unterzieht das Innere des Klostergebäudes einer Erfrischungskur. Auch die Flade soll mehr Platz erhalten.

Sandro Büchler
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Blick auf das Stiftsgebäude: Im Vordergrund, mit dem etwas dunkleren Dach, der Klosterhof 8a. Der Mittelbau ist der Pfarr- und Verwaltungsflügel. Der Dekanatsflügel ist erkennbar am kleinen Glockenturm. Links im Bild ist der geknickte Türmliflügel zu sehen.

Blick auf das Stiftsgebäude: Im Vordergrund, mit dem etwas dunkleren Dach, der Klosterhof 8a. Der Mittelbau ist der Pfarr- und Verwaltungsflügel. Der Dekanatsflügel ist erkennbar am kleinen Glockenturm. Links im Bild ist der geknickte Türmliflügel zu sehen.

Bild: Ralph Ribi

Nur wer von der Brücke bei der Mülenenschlucht aus genau hinschaut, entdeckt die fünf Holzvisiere auf dem Dach des Klostergebäudes:

Die fünf Visiere zeigen, wo die Dachfenster eingebaut werden sollen.

Die fünf Visiere zeigen, wo die Dachfenster eingebaut werden sollen.

Bild: Sandro Büchler

Sie symbolisieren Fenster und deuten die bevorstehende Veränderung an der Südseite des Klosters an. Dort sollen fünf Dachfenster eingebaut werden. Sie sind der einzige sichtbare Teil einer in den kommenden zwei Jahren geplanten Renovation im Innern des Klostergebäudes. «Es ist ein umfassendes Projekt, nicht bloss eine Pinselrenovation», sagt Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen. Die Renovation kostet rund sechs Millionen Franken.

Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. «Hin und wieder tropft es irgendwo. Dann wissen wir, dass wieder eine Wasserleitung geborsten sein muss.» Nicht nur die Wasserleitungen, auch die Heiz- und Stromleitungen sind laut Franck renovationsbedürftig und sollen punktuell erneuert werden. «Zum Teil sind diese 60 bis 70 Jahre alt.» Auch die Böden seien uralt und hätten sich im Laufe der Zeit verformt.

«An einigen Stellen sind die Böden so schräg, dass der Bürostuhl wegrollt.»

Auch punkto Platz herrsche im Stiftsgebäude ein akuter Notstand, sagt Franck weiter. Die Flade sei gewachsen, die Stiftsbibliothek beanspruche für Präsentationen und Gruppen zusätzliche Räume und auch die Verwaltung der katholischen Kirche benötige dringend mehr Platz. Deshalb soll der Dachstuhl im Pfarr- und Verwaltungsflügel ausgebaut werden.

Im Verwaltungsgebäude, unter dem der Durchgang vom Eingang der Stiftsbibliothek zum Klosterhof hindurch führt, wurde erst kürzlich ein Lift eingebaut, der den bisher nicht ausgebauten Dachstock erschlossen hat. So sind alle Geschosse rollstuhlgängig.

Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen

Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen

Bild: PD

Denkmalpflege redet mit

Nun sollen unter dem Dach Aufenthalts- und Sitzungsräume eingebaut werden. Die einzige äusserlich sichtbare und deshalb markanteste Veränderung ist der Einbau von fünf Dachfenstern. Die sogenannten Giebelgauben sollen laut Franck analog zur Dachfensterreihe des Flade-Schultrakts gebaut werden. «Sie sollen die gleiche Form und Grösse haben. So entsteht ein einheitliches Erscheinungsbild.»

Das sei eine der strengen Vorgaben der Denkmalpflege gewesen. Sie sei bei allen Planungs- und Ausführungsarbeiten involviert, betont Franck.

«Es wird kein Nagel eingeschlagen
ohne die Denkmalpflege.»

In den anderen Gebäudeteilen entstehen Schulungs- und Versammlungsräume für die Musikschule, eine Übeorgel, sowie weitere Büros, zwei Küchen und eine Teeküche. Auch die Toiletten werden, wo es die Platzverhältnisse zulassen, behindertengerecht ausgebaut.

Der Administrationsrat schafft aber nicht nur zusätzliche Räume, man habe auch das ganze Raumkonzept im Stiftsgebäude neu durchdacht. «Wir ändern die Raumzuteilung, wo es Sinn macht», sagt Verwaltungsdirektor Franck. Entflechtung laute das Stichwort.

Lernlandschaft für die Flade

Was das heisst, lässt sich anhand des Türmliflügels illustrieren. Im geknickten Gebäude vis-à-vis des Eingangs zur Stiftsbibliothek, in dem sich auch das Kloster-Bistro befindet, erhält die Flade mehr Platz. Im Erdgeschoss wird eine Lernlandschaft für die Schülerinnen und Schüler geschaffen. Im ersten Obergeschoss soll zudem ein grosses Informatikzimmer entstehen.

Die jetzt noch bestehende Hauswartwohnung wird aufgelöst und neu im östlichen Teil des Stiftsgebäudes untergebracht. Durch den frei werdenden Platz kann wieder eine interne Verbindung vom Türmli- in den Verwaltungsflügel hergestellt werden.

Der Türmliflügel rechts mit dem Kloster-Bistro. Linkerhand der Eingang zur Stiftsbibliothek.

Der Türmliflügel rechts mit dem Kloster-Bistro. Linkerhand der Eingang zur Stiftsbibliothek.

Bild: Ralph Ribi

Zellen der Mönche werden wieder hergestellt

Umfassende Eingriffe auch im Dekanatsflügel, dem Sitz des Bischöflichen Ordinariates von Bischof Markus Büchel: Im am Dom angrenzenden Gebäude mit dem kleinen Glockenturm wird ein ehemaliges Gästezimmer zu einem Büro umgebaut. Dazu werden Wände entfernt, Parkettböden eingezogen. Im dritten Obergeschoss soll die ursprüngliche Zellenstruktur des ehemaligen Dormitorium anhand der Resultate der Bauuntersuchung wiederhergestellt werden. Die ursprünglichen Mönchszellen sollen in den ursprünglichen Ausbaustandard zurückversetzt werden. Laut den Architekten ist ein Teil der damaligen Ausstattung heute noch vorhanden.

Schliesslich soll auch der Klosterhof 8a – in dem Gebäude ist noch bis August die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen eingemietet – umgebaut und totalsaniert werden. Im ehemaligen Bankengebäude wird die Diözesane Kirchenmusikschule St.Gallen einziehen. Zudem werden die Kirchenadministration und die Pensionskasse der Diözese St.Gallen Büros beziehen und die Hauswartwohnung untergebracht.

Ab Dienstag und bis zum 1. April liegt das Baugesuch für die Renovation am Stiftsgebäude im Amtshaus öffentlich auf. Gehen keine Einsprachen gegen das Bauvorhaben ein, soll im September mit den Bauarbeiten begonnen werden. Laut Plan dauern die Arbeiten bis im Sommer 2022.

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