Eine Verletzung zwingt einen Gossauer Extremläufer auf der Krim in die Knie

170 Kilometer und 9000 Höhenmeter in vier Tagen. Diese Herausforderung nahm der Gossauer Pitsch Bernhardsgrütter auf der Krim in Angriff. Seine Gesundheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Manuela Bruhin
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Auf der Krim genoss Pitsch Bernharsgrütter insbesondere das überwältigende Panorama. (Bild: PD)

Auf der Krim genoss Pitsch Bernharsgrütter insbesondere das überwältigende Panorama. (Bild: PD)

Vielen dürften bereits die nackten Zahlen die Schweissperlen auf die Stirn treiben. Nicht so Pitsch Bernhardsgrütter: 170 Kilometer und 9000 Höhenmeter wollte der OK-Präsident des Gossauer Weihnachtslaufes auf der Krim an einem viertägigen Lauf bewältigen. Und dies alles in einer Region, die oft in die Schlagzeilen gerät. Russland hat die Halbinsel 2014 annektiert, völkerrechtlich gehört sie nach wie vor zur Ukraine. Diese Woche tötete ausserdem ein junger Mann bei einem Anschlag in der Stadt Kertsch, im Osten der Krim, 20 Menschen.

Trotz aller Hindernisse vermag Bernhardsgrütter nur Positives zu vermelden: «Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Davon könnten sich viele hier eine Scheibe abschneiden.» Zu keinem Zeitpunkt habe er sich unsicher gefühlt. Er habe in der Schweiz mehr Militär und Polizisten gesehen, als es auf der Krim der Fall gewesen war.

Insbesondere die Landschaft und die Natur haben es dem Läufer angetan. Auf der Krim sei das Panorama überwältigend.

Verletzung kann er sich im Alltag nicht leisten

Weniger positiv erwies sich allerdings seine eigene Verfassung. Wegen einer Adduktorenverletzung musste er nach dem zweiten Tag aufgeben. «Der Schmerz war vor allem beim Abwärtslaufen zu stark. Da drängte sich die Frage auf, zu welchem Preis es sich lohnt, weiterzumachen?», sagt er. Schliesslich warte zu Hause sein Sport- und Beratungsgeschäft – eine solche Verletzung passe da nicht ins Konzept.

Schweren Herzens fällte er den Entscheid, aufzugeben. Jetzt schaut er aber wieder nach vorn. Denn Pläne für den Lauf auf der Krim im nächsten Jahr sind bereits in der Schmiede. «Dann will ich voll motiviert und trainiert an den Start gehen.»

Crimea X-Run

Der Crimea X-Run ist ein gemäss Homepage der Veranstalter ein viertägiger Bergmarathon entlang der Südküste der Krim. Die Sportlerinnen und Sportler laufen insgesamt 170 Kilometer und absolvieren gut 9000 Höhenmeter. Das Rennen beginnt in der Kleinstadt Aluschta im Osten der Krim und führt dann über die küstennahe Berglandschaft bis nach Balaklava an der Westküste der Halbinsel. Der Lauf wird seit 2015 durchgeführt und dient gemäss Homepage auch dazu, die Krim als Ort für sportlichen Tourismus voranzubringen. (al)

An den fehlenden Trainingseinheiten dürfte es auch in diesem Jahr nicht gelegen haben, dass ihm auf der Krim kein glücklicher Zieleinlauf gelang. Denn bis zu 13 Trainings gibt er in der Woche anderen Läufern, organisiert nebst Laufferien Berg- und Panoramaläufe. Kurzum: Pitsch Bernhardsgrütter ist täglich in Bewegung. Steht ein mehrtägiger Lauf auf dem Programm, dann intensiviert er das Training zusätzlich. Doch wie bewältigt man so viele Kilometer und gar Höhenmeter? «In erster Linie hilft das Gefühl, nicht alleine zu sein», sagt er. Es sei jederzeit möglich, aufzuhören oder Hilfe zu bekommen.

Nach und nach wird es zum Meditationslauf

Nach einigen Kilometern komme man zudem in einen gewissen Fluss. «Ist man länger unterwegs, wird es quasi zu einem Meditationslauf», sagt er. Man denke über Themen nach, welche im hektischen Alltag kaum Platz finden würden. Und so komme er vielfach mit neuen Erkenntnissen ins Ziel. Eine dürfte sein, vor einem Wettkampf das Fussballspielen mit Kollegen sein zu lassen. Daher stammt wohl auch seine Adduktorenverletzung. Bernhardsgrütter nimmt es mit Humor: «Auch nach so vielen Jahren im Laufsport ist man nicht vor Anfängerfehlern gefeit.»