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An der Spitze des Chlauszugs

Jedes Jahr, an einem Samstag im Dezember, ziehen in Rorschach Dutzende Nikoläuse durch die Gassen. Ihr Zunftmeister ist Ruedi Mohler. Eine Chlauskutte trägt er jedoch selten.
Martin Rechsteiner

Rein äusserlich hat er wenig zu tun mit dem Nikolaus: Hemd, Jeans, kurze, dunkle Haare, braungebrannte Haut. Ruedi Mohler ist Zunftmeister der Rorschacher Zunft St. Nikolaus.

Seine Männer sind es, die in Rorschach jeden Dezember zu Dutzenden durch die Strassen der Hafenstadt ziehen und den Kindern und Erwachsenen Erdnüsse, Mandarinen und Grittibenzen verteilen.

«Ich habe aber auch während des Zugs wenig gemein mit dem Samichlaus», sagt Mohler und lacht. Er spricht bestimmt und mit lauter Stimme. «Ich laufe während des Chlauszugs in Rorschach jeweils voraus oder zuhinterst. «Entweder führe ich die Gruppe an oder sorge dafür, dass alle zusammenbleiben. Meine Verkleidung ist nur eine Leuchtweste.» Keine Chlauskutte für den Zunftmeister also.

Der Oberchlaus fährt Kutsche

Der Chlauszug durch Rorschach ist ein beliebter Event in der Hafenstadt. Jedes Jahr Anfangs Dezember ziehen insgesamt 60 bis 70 schwarze, rote und graue Chläuse vom Bodan über die Hauptstrasse in Richtung Lindenplatz. Unterwegs verteilen die roten unter ihnen Geschenke an die Menschen an der Strasse. Die schwarz gekleideten Nikoläuse gehen an der Spitze und am Ende des Zugs, die grauen sind eine Art Bodyguards, die dafür sorgen, dass sich der Zug vorwärtsbewegen kann und niemand der Kutsche mit dem «Oberchlaus» zu nahe kommt. Dieser tritt, sobald der Zug am Lindenplatz ankommt, auf die Bühne, liest Geschichten und empfängt Kinder, die dann laut ihr Sprüchli aufsagen dürfen.

Insgesamt hat die Zunft St. Nikolaus Rorschach rund 120 Mitglieder. «Jeder von ihnen bezahlt einen Beitrag von 200 Franken im Jahr. Davon kaufen wir die Erdnüsse, Biberli, Grittibenzen und Mandarinen, die wir an die Leute verteilen», sagt Mohler. Der Rest des Geldes fliesst in die Beschaffung der Chlauskleider, die der Zunft gehören. «Wir sind so etwas wie ein gemeinnütziger Verein.» Einmal im Jahr gebe es eine Hauptversammlung mit einem Essen für alle Mitglieder. Sonst treffen sich die Zunftmitglieder nicht, ausser während des Zugs. «Unsere Zunft hat bewusst wenige Termine unter dem Jahr – wir wollen die Mitglieder nicht zu sehr einschränken. Im Zentrum steht der Samichlaus-Brauch», sagt Mohler. Unter den Chläusen seien mehrheitlich Rorschacher, einige kämen aber auch aus der Umgebung. «Wir haben viele Mitglieder, die man kennt. So war zum Beispiel Stadtpräsident Thomas Müller mit dabei, aus dem Stadtrat machen immer noch einige mit.»

Die Chläuse vermissten viele

Ruedi Mohler hat die Zunft mitgegründet. Während er davon spricht, lehnt er sich vor, über das iPad, das auf dem Tisch liegt. Auf die Nase hat er sich eine Klemmbrille gesteckt. Auf seinem Tablet sucht Mohler in alten Sitzungsprotokollen – er will das genaue Gründungsdatum suchen. «Hier», sagt er plötzlich. «Am 3. September 2005 hatten wir zum ersten Mal eine Sitzung.» Damals seien schon gegen die 90 Leute dabei gewesen. «Und zwar, weil wohl viele die Samichläuse vermisst haben», sagt Mohler und lacht. Er klärt auf: «Eine Art Chlauszug durch Rorschach hat es früher schon gegeben. Er war vom Konsum, dem Vorläufer von Coop, organisiert, fand aber irgendwann nicht mehr statt.» Diese Kindheitserinnerungen wollte Mohler mit einigen Bekannten wieder aufleben lassen. «Das sprach sich wohl herum, und so waren wir bereits bei der Gründung eine Riesengruppe.» Ähnliche Zünfte wie die St. Nikolaus Rorschach gibt es in der Ostschweiz nicht. «Ich habe aber gehört, in Zürich existiert ebenfalls eine Zunft, die St.Nikolaus heisst», sagt Mohler. Diese habe aber nichts mit dem Nikolausbrauch zu tun, sondern trägt den Namen von der St.Nikolauskappelle.

Wenn Ruedi Mohler gerade nicht mit dem Brauch des Chlausens beschäftigt ist, segelt er gerne oder er ist auf der Skipiste anzutreffen. «Und seit ich mich aus dem Werbegeschäft zurückgezogen habe, reise ich wieder öfter. Gerade war ich in den USA.» Ob er sich dort Inspiration holt? Immerhin existiert in Amerika mit dem Santa Claus ein Kult um einen Mann, der unserem Samichlaus mehr als nur ähnlich ist.

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