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«Ein unannehmbarer Zustand»: Ammoniak bei Weiher in Untereggen

Die Umgebung des Mötteliweihers in Untereggen ist massiv mit Ammoniak belastet. Das zeigen Messungen des Amts für Umwelt. Die Auswirkungen auf die Natur sind gravierend – und bereits sichtbar.
Marco Cappellari
Der Schein trügt: Die malerische Naturlandschaft rund um den Mötteliweiher bei Untereggen ist stark mit Ammoniak belastet. Hauptverursacherin ist die Landwirtschaft. (Bild: PD)

Der Schein trügt: Die malerische Naturlandschaft rund um den Mötteliweiher bei Untereggen ist stark mit Ammoniak belastet. Hauptverursacherin ist die Landwirtschaft. (Bild: PD)

Der Mötteliweiher in Untereggen, auch bekannt als Schlossweiher, ist ein idyllisches Fleckchen Erde. Eingebettet zwischen Wiesen, Bauernhöfen und Wald, mit einer grossartigen Aussicht auf den Bodensee, ist er ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Spaziergänger inmitten der Natur.

Auf den ersten Blick deutet nichts auf das Übel hin, das das Gebiet bedroht. Denn das Problem ist unsichtbar: Der Mötteliweiher ist massiv mit Ammoniak belastet. Das zeigen Untersuchungen des Amts für Umwelt, das über ein Jahr Messungen durchgeführt hat. Die Werte überschreiten dabei empfohlene Limiten um das Fünf- bis Sechsfache:

Durchgeführt wurden die Messungen von Ostluft. Unter diesem Namen überwachen die Ostschweizer Kantone und Liechtenstein seit 2001 die Luftqualität. Beim Mötteliweiher wurden im vergangenen Jahr zum ersten Mal Luftmessungen zur Ammoniakbelastung durchgeführt. Dazu wurden sogenannte Passivmesser beim Weiher aufgestellt, die die Belastung das ganze Jahr über dokumentierten. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die gemessenen Werte überschreiten die empfohlenen Limiten während des ganzen Jahres, zu Spitzenzeiten gar um das neunfache. Im Jahresmittel liegen die Ammoniakkonzentrationen fünfeinhalbmal darüber.

Massive Überschreitungen

«Massiv», nennt die Grenzwertüberschreitungen auch Dominik Noger, Leiter der Sektion Luftqualität beim Amt für Umwelt sowie Geschäftsleiter von Ostluft. Weil es in der Schweiz keine verbindlichen Grenzwerte gibt, werden zur Beurteilung der Ammoniakkonzentration die Critical Levels (kritischen Konzentrationswerte) der United Nations Economic Commission for Europe herangezogen. «Diese Werte werden schweizweit empfohlen und sind auch international breit abgestützt», sagt Noger.

Anders als das Ammoniak selbst sind seine Auswirkungen auf Umwelt und Natur nicht unsichtbar. Simon Zeller, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft des Amts für Natur in St. Gallen, hält fest:

«Das Ammoniak führt zu einer Verringerung der Artenvielfalt.»

Das funktioniere folgendermassen: «Manche Pflanzen wachsen aufgrund des Ammoniaks besser, wie zum Beispiel Gräser. Dadurch werden viele andere mitunter wertvollere Pflanzen verdrängt». Dazu gehören viele Blumenarten, die sichtlich weniger werden.

Doch damit nicht genug. «Weil es weniger Blumen gibt, gibt es weniger Insekten. Fehlen die Insekten, finden auch Vögel immer schwerer Nahrung». Die Auswirkungen des Ammoniaks auf die Biodiversität ziehen sich also quer durch die Nahrungskette. «Schon heute merken wir den Rückgang der Artenvielfalt», sagt Zeller. Gerade in sensiblen Lebensräumen wie in Mooren, zu denen der Schlossweiher gehört, sei das ein echtes Problem.

«Das ist ein unannehmbarer Zustand. Wenn wir diese Lebensräume längerfristig erhalten möchten, braucht es griffige Massnahmen gegen die Überdüngung.»

Die Ursachen sind klar

Gemäss Bundesamt für Umwelt stammen 95 Prozent der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft, davon wiederum 90 Prozent aus der Tierhaltung – zum Grossteil aus der Rinderzucht. Das Ammoniak ist im Dünger – also in der Gülle vorhanden. Sobald die Gülle mit Luft in Berührung kommt, entweicht ein Teil des darin enthaltenen Ammoniaks. Über die Luft verteilt es sich schliesslich über weite Strecken.

Besonders stark sind die Emissionen, wenn mittels sogenannter Prallteller oder Werfer die Gülle ausgebracht wird. Ein Weg, die Emissionen zu reduzieren, wäre deshalb die konsequente Düngung in Bodennähe, mit einem Schleppschlauch etwa. Auch bauliche Verbesserungen an Ställen und Laufhöfen können zu einer Reduktion beitragen.

Die Ammoniakbelastung wird im ganzen Ostluftgebiet gemessen, an vielen Orten über mehrere Jahre. Die Messungen im Mötteliweiher, die zusammen mit Messungen im Altstätter Bannriet vorgenommen wurden, wo noch höhere Werte gemessen wurden, werden in diesem Jahr aber nicht weitergeführt.

«Das heisst aber nicht, dass es kein Problem gibt», sagt Dominik Noger, Geschäftsleiter von Ostluft. «Die Kapazitäten reichen schlichtweg nicht für mehrjährige Messreihen an allen Standorten.» Beim Mötteliweiher in Untereggen werde frühestens in drei Jahren erneut gemessen, sagt Noger. «Der Zeitpunkt steht noch nicht fest, aber weitere Messungen kommen sicher.»

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