Interview

«Am schwierigsten wird es, die Miete nachzuzahlen»: Das Rorschacher «Treppenhaus» kämpft mit den Folgen des Lockdown

Ungewissheit prägt den Alltag des «Treppenhaus»-Geschäftsführers Samuel Baumann und seinem Team. Ob vor der Sommerpause überhaupt noch Konzerte stattfinden, bezweifelt er.

Jolanda Riedener
Drucken
Teilen
Samuel Baumann ist Geschäftsführer der Café/Bar Treppenhaus.

Samuel Baumann ist Geschäftsführer der Café/Bar Treppenhaus.

Bild: Jolanda Riedener

Das «Treppenhaus» ist einer der wenigen kulturellen Treffpunkte in der Region Rorschach, der auch ein jüngeres Publikum anspricht. Geschäftsführer Samuel Baumann sagt, wie das Kulturlokal über die Runden kommt und sein Alltag aussieht.

Seit dem Lockdown vor gut einem Monat ist das Lokal zu. Wie kommt das «Treppenhaus» mit der gegenwärtigen Situation klar?

Samuel Baumann: Bis jetzt können wir uns noch einigermassen über Wasser halten. Ich persönlich habe die Hoffnung, dass wir alles gut überstehen und wir die Bar vielleicht in einem Monat wieder öffnen können. Ich gewinne der ganzen Situation auch etwas Positives ab: Ich konnte einiges im Büro erledigen, das schon länger anstand. Und wieder einmal schön aufräumen.

Mussten Sie jemanden entlassen?

Nein, wir haben Kurzarbeit beantragt und zahlen den Lohn unserer Angestellten weiter. Entlassen wollen wir auf keinen Fall jemanden. Notfalls greifen wir in die eigenen Taschen oder ich verzichte auf meinen Lohn.

Was ist derzeit das grösste Problem?

Die Ungewissheit. Und die Miete. Momentan zahlen wir zwar keine Miete, wenn wir diese aber einmal zurückzahlen müssen, wird es schwierig.

Ein Stimmungsbild aus besseren Zeiten im «Treppi».

Ein Stimmungsbild aus besseren Zeiten im «Treppi».

Michel Burtscher

Wie anspruchsvoll ist es aktuell, Konzerte zu buchen?

Das gestaltet sich sehr schwierig. Das ganze Booking-Geschäft wirkt wie eingefroren. Geplante Konzerte zu verschieben, ist schwierig, da oft viele Leute in einen Konzertabend involviert sind und man einen Termin finden muss, der allen passt. Hinzu kommt die Unsicherheit: Niemand weiss, wie es genau weitergeht.

Für einige abgesagte Konzerte konnten Sie dennoch ein neues Datum finden.

Ja, einige wenige Konzerte konnten wir in den Herbst verschieben. Es ist ungewiss, ob wir vor der Konzertpause im Sommer überhaupt noch eines veranstalten.

Sie haben einen Spendenaufruf lanciert. Wie funktioniert dieser und wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Die Idee stammt von Eventfrog. Über diese Plattform läuft normalerweise der Vorverkauf für unsere Konzerte und Veranstaltungen. Wer uns etwas spenden will, kann dort ein virtuelles Ticket kaufen. Etwa vom Stehplatz draussen vor der Tür fünf Franken bis zum Bühnenthron für 25 Franken. Wir spüren eine grosse Solidarität von unseren Gästen. So haben wir innerhalb einer Woche bereits 30 solcher Spenden erhalten.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag momentan aus?

Ich bin fast täglich im «Treppenhaus», um Pflanzen zu giessen oder aufzuräumen. Wir bepflanzen das Hochbeet oder beantworten Anfragen per E-Mail. Demnächst ist ausserdem ein Frühlingsputz geplant.