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Vereinsleben: Rorschacher spielt seit fünf Jahrzehnten Boccia

Ivo Zulian ist seit 51 Jahren Mitglied im Bocciaclub Feldmühle-Primavera in Rorschach. Zulian geht auch heute regelmässig in die «Feldmüli». Aber nicht mehr nur zum Bocciaspielen.
Rossella Blattmann
Das wöchentliche Treffen im Bocciaclub hat einen festen Platz in Ivo Zulians Agenda. (Bild: Benjamin Manser)

Das wöchentliche Treffen im Bocciaclub hat einen festen Platz in Ivo Zulians Agenda. (Bild: Benjamin Manser)

51 Jahre. Fast sein ganzes Leben schon wirft Ivo Zulian auf den Bahnen des Bocciaclubs Feldmühle-Primavera in Rorschach Kugel um Kugel. Als kleiner Bub schaute der Rorschacher mit italienischen Wurzeln seinem Vater beim Bocciaspiel zu. «Ich hatte eine sehr starke Verbindung zu meinem Vater», sagt er. Zulian sitzt am Küchentisch in seiner Wohnung unweit der Stadtgrenze zu Rorschacherberg. Der Personalleiter trinkt einen Schluck Wasser.

Immer weniger Vereinsmitglieder

«Mein Vater war damals der Präsident des Bocciavereins», sagt er. So war es einfach, den fünfjährigen Ivo zum Aktivmitglied zu machen. Das ist er bis heute geblieben. Doch wegen den Folgen eines Autounfalls könne er momentan leider nicht mehr regelmässig Bocciaspielen. «Es ist auch immer schwieriger, genug Spieler zu finden», sagt Zulian. Bei einer zu kleinen Gruppe lohne sich das Mieten einer Bocciabahn oft nicht.

Dennoch ist für Zulian jeden Mittwoch eine Bahn im Bocciaclub Feldmühle-Primavera reserviert. «Auch wenn wir nicht mehr so oft spielen: Mittwoch ist Bocciatag». Reden, essen, etwas trinken: Der Austausch mit seinen Freunden hat für ihn Tradition.

Eine italienische Angelegenheit

Der passionierte Bocciaspieler ist vor 56 Jahren in St. Gallen geboren, und seit 56 Jahren wohnt er in Rorschach. «Hier bin ich auch zusammen mit meinem Bruder und meiner Schwester aufgewachsen.» Nach der Schule hat Zulian in der Feldmühle in Rorschach eine kaufmännische Lehre absolviert. Heute arbeitet er als Personalleiter. Der Vater von drei erwachsenen Kindern kann sich keinen anderen Wohnort als Rorschach vorstellen. «Ein Leben ohne den See? Niemals.»

Die Eltern von Zulian immigrierten aus einem Dorf in den norditalienischen Dolomiten in die Schweiz. «In Italien hat Boccia einen hohen Stellenwert. Auch heute noch.» So kam es, dass Zulians Vater in Rorschach dem Bocciaclub beitrat. «Damals waren nur Italiener dabei», sagt Zulian. Fast dreihundert Männer seien es gewesen, sagt er. Heute zähle der Bocciaclub Feldmühle-Primavera nur noch zirka 70 Mitglieder. Nicht mehr nur Männer, sondern auch Frauen aus Italien, Spanien und auch aus der Schweiz.

Der Erfolg kam in jungen Jahren

Zulian war zehn, als er mit einem Freund an seinem ersten richtigen Bocciaturnier teilnahm. Er und sein Freund hätten immer wieder auch deutlich ältere Männer geschlagen.

"Wir Knirpse haben die Erwachsenen einfach hinter uns gelassen. Das war grossartig."

Der grosse Erfolg sei dann mit etwa 40 Jahren gekommen. «Wir haben fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt», sagt Zulian.

Im Jahr 1976 kam dann alles anders. Als Zulian 14 Jahre alt war, starb plötzlich der Vater. «Von fünf bis 14 war ich fast jeden Tag im Bocciaclub. Nach dem Tod meines Vaters brauchte ich eine Pause», sagt er nachdenklich. Bis 1979 habe er mit dem Bocciaspielen pausiert.

Aber als er 17 Jahre alt war, hat Zulian die Bocciakugel wieder in die Hände genommen. Er habe die Zeit gebraucht, um den Verlust des Vaters verarbeiten zu können. «Doch nach drei Jahren Pause konnte ich es nicht erwarten, die Kugel wieder rollen zu lassen», sagt Zulian. «Das Bocciaspielen und die ‹Feldmüli› gehören zu meinem Leben.»

Das Herz schlägt nicht nur für den Bocciaverein

Auch wenn man beim Bocciaspielen nicht so viel schwitze wie beim Fussball, sei es ein Sport, bei dem der ganze Körper zum Einsatz komme. «Mindestens zwei Stunden stehen, sich immer wieder bücken, die fast ein Kilogramm schwere Kugel immer wieder heben: Das spürt man.» Je länger, desto mehr, sagt Zulian.

Der Rorschacher Bocciaclub Feldmühle-Primavera ist nicht der einzige Club, in dem Zulian Mitglied ist. An der Küchenwand hängt ein glänzender, weiss-roter Wimpel. «Ich bin seit 22 Jahren Mitglied beim FC Bayern München.» Das sei sein Lieblingsfussballverein in Deutschland. Er habe in jedem Land seinen Fussball-Favoriten. «In der Schweiz ist es Servette, in Italien Juventus Turin.» Auf den kürzlich beschlossenen Transfer von Cristiano Ronaldo von Real Madrid zu den Bianconeri angesprochen, verdreht Zulian die Augen. «Cristiano Ronaldos Art mag ich überhaupt nicht.»

In seiner Freizeit legt Zulian gerne Puzzles. Das grösste, dass er je gemacht hat, bestand aus 3000 Teilen. «Ein Sechstausender ist mein nächstes Ziel», sagt er. Und trinkt nochmals einen grossen Schluck Wasser.

Mein Verein

In loser Folge stellt die Redaktion Personen aus der Region Rorschach vor, die seit vielen Jahren in einem Verein tätig sind und sich fürs Vereinsleben engagieren. Bisher erschienen: Urs Bawidamann, Verein Blumen- und Gartenfreunde (30.Juni), Bruno Hauser, Schützengesellschaft Goldach (7.Juli), Silvia Heuberger, Amnesty International Rorschach (13.Juli), Daniela Capiaghi, Tierschutzverein Rorschach und Umgebung (18.Juli). (red)

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