Am Mittag kommen die Besucher: Der Chläuslermontag in Gossau

Ziehen Märkte heute noch? Ein Rundgang zwischen Buden, Bahnen und Braunvieh am Chläusler.

David Grob
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Eine typische Szene: Man kennt und trifft sich am Gossauer Traditionsmarkt. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Eine typische Szene: Man kennt und trifft sich am Gossauer Traditionsmarkt. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Drei Autoscooter ziehen einsam ihre Kurven, einige Kinder steigen in Flugzeuge oder Helikoptern auf dem benachbarten Karussell in die Höhe, an einem Stand fischt jemand nach Gummienten. Die Standbetreiber rauchen, frieren, warten. Nein, viel los ist nicht auf dem Rummelplatz bei der Markthalle. Und auch zwischen den Ständen schlendern nur wenige Besucher. Es ist Montagvormittag, 11 Uhr, zweiter und letzter Tag des Chläuslers.

Rolf Walser, wacher Blick, raue Stimme, sitzt an der Kasse des Autoscooters, und betrachtet die wenigen kurvenden Gefährte. Seit sechs Jahren ist er am Gossauer Weihnachtsmarkt vertreten. Für ihn ist der ruhige Montagmorgen keine Überraschung, sondern die Regel. Vor allem die Schülerinnen und Schüler – das Zielpublikum, an die Walser die paar Minuten krachenden Fahrspass verkauft – kommen erst nachmittags. Und trotzdem setzt ihm der schwach besuchte Montagmorgen zu. Die Zahlen sinken gemäss Walser, seine Branche sei stärker unter Druck, die Nebenkosten stiegen an. Walser sagt:

«Die Schaustellerei ist ein sinkendes Schiff.»

Er hat den Betrieb von seinem Vater übernommen hat. Walser ist jedenfalls froh, dass sich seine Kinder gegen die Schaustellerei und für andere Berufe entschieden haben.

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Die Kühe locken

Deutlich mehr los ist hingegen auf der Bundwiese bei der Markthalle. Kuh reiht sich an Kuh. Und dahinter stehen Männer mit grauen Haaren und Faserpelzjacken, die Hände in den Hosentaschen. Unter Schnäuzen stecken Stumpen oder krumme Villiger. Man begutachtet das Braunvieh, schwatzt, lacht, fachsimpelt. Der Aufmarsch hat einen Grund: Am Vormittag des Chläuslermontags findet der Vieh- und Landmaschinenmarkt statt.

Der Viehmarkt lockt viele Besucher an.

Der Viehmarkt lockt viele Besucher an. 

Direkt neben dem Braunvieh verkauft Thomas Rutz Landmaschinen und Kettensägen. Seit rund 15 Jahren ist der Händler aus der Region am Chläusler mit einem Stand vertreten. Für ihn ist der Standort neben der Viehschau ein Glücksfall.

«Die Kühe ziehen die Leute an.»

Der Marroniverkäufer vom benachbarten Stand kommt mit einer kleinen Pfanne vorbei, bietet Rutz und seinen Mitarbeitern heisse Marroni an. Man kennt sich am Chläusler. Nicht nur unter den Standbetreibern, auch unter den Besuchern. Imm wieder bilden sich kleine Grüppchen. Man grüsst sich, schüttelt Hände, lässt Grüsse ausrichten, tauscht Neuigkeiten.

«Rappelvolle» Strassen am Sonntag

Für Armando Zanella vom Schweizer Marktverband, der den Chläusler im Auftrag der Stadt Gossau organisiert, ist der schwach besuchte Montag nicht überraschend. «Wir haben am Montag etwa einen Drittel der Besucher vom Sonntag», sagt Zanella. Am Sonntag hingegen seien die Strassen «rappelvoll» gewesen. Diesen Eindruck bestätigen auch die Standbetreiber. Jörg Tobler etwa, der an seinem Stand Socken verkauft und in der ganzen Deutschschweiz von Markt zu Markt zieht. Er sagt: «Bei zweitägigen Märkten ist ein Tag immer stärker als der andere.»

Doch in einem Punkt widerspricht er Zanella. Früher hätten mehr Leute die Märkte besucht. Zanella hingegen spricht von stabilen Zahlen. Rund 15'000 Leute, schätzt Zanella, würden den Chläusler jeweils besuchen.

Es wird Mittag, nach und nach füllen sich die Strassen. Man isst, was man an Märkten eben so isst. Bratwürste, Pommes Frites, Crêpes. Vor den Essenswagen bilden sich Schlangen. Einzig ein Stand, der tibetanische Momos anbietet, wirkt verlassen und verloren inmitten der bekannten kulinarischen Konkurrenz. Die Landwirte zwischen den Reihen Braunvieh sind verschwunden, dafür ist das «Puurezelt» daneben gut gefüllt. Und auch erste Schülerinnen und Schüler tauchen auf: Erste Teenager ziehen langsam in Richtung Autoscooter und Jahrmarkt.